EWM ist ein etabliertes Unternehmen für Schweißtechnik aus Mündersbach im Westerwald und investiert rund 10 % seines Jahresumsatzes in Forschung und Entwicklung. In diesem Interview erklärt Frank Bartels, CTO Chief Technical Officer und vollumfänglich verantwortlich für Forschung und Entwicklung, wie technologische Innovationen bei EWM entstehen – und warum Agilität mehr als nur ein Schlagwort ist.
EWM war in den vergangenen Jahrzehnten stets Treiber technologischer Entwicklungen in der Schweißtechnik. Welche Rolle spielt Forschung und Entwicklung heute für Ihr Unternehmen – und wie gestaltet EWM diesen Bereich?
Frank Bartels: Forschung und Entwicklung sind bei EWM ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Unser Anspruch ist es, nicht nur bestehende Technologien weiterzuentwickeln, sondern aktiv zur Gestaltung von Branchentrends und Standards beizutragen. Forschung ist für uns ein unternehmerisches Invest – sie muss Wirkung entfalten: bei der Anwendung, in der Systemintegration und in der Skalierung. Unsere F&E-Aktivitäten sind eng verzahnt mit der Produktstrategie, mit dem Applikations-Know-how unserer Teams sowie mit der Weiterentwicklung unserer Software- und Steuerungsplattformen. Grundlage ist eine klar strukturierte Roadmap mit konsequenter Umsetzung. Unser Maßstab dabei: „From Lab to Market“.
Welche konkreten technologischen Entwicklungen prägen aktuell die Arbeit im F&E-Zentrum – und woran forscht EWM heute besonders intensiv?
Aktuell arbeiten wir mit Hochdruck an der Weiterentwicklung unserer digitalen Schweißprozesse – insbesondere im Bereich der adaptiven Lichtbogensteuerung, prozessintelligenter Regelalgorithmen und datenbasierter Qualitätsüberwachung. Die Expert 3.0-Steuerung ist mit ihrem neuen User Interface Ausdruck eines systemischen Technologieverständnisses: Usability, datengestützte Prozessintelligenz und Integration in Kundenprozesse greifen nahtlos ineinander.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Software- und Connectivity-Ebene: API-basierte Offenheit, digitale Services, Predictive Maintenance und die Integration in MES-/ERP-Systeme sind heute zentrale Differenzierungsfaktoren. Trends wie „Welding-as-a-Service“, Closed-Loop-Konzepte oder KI-gestützte Analysen verfolgen wir gezielt und mit einem klaren Kriterium: Die Technologie muss beim Anwender nachvollziehbare Ergebnisse liefern.
Die Entwicklung neuer Technologien ist heute oft ein interdisziplinärer Prozess. Wie ist Ihr F&E-Team aufgestellt, um dieser Dynamik gerecht zu werden – und welchen Stellenwert nimmt Agilität dabei ein?
Unsere Entwicklungsteams sind plattformbasiert und interdisziplinär organisiert. Neben den klassischen Bereichen für Hardware, Software und Prozessentwicklung arbeiten wir in technologieübergreifenden Clustern – etwa zu Regelungstechnik, Datenarchitektur oder Plattformintegration. Diese arbeiten entlang der Produktstrategie und eng abgestimmt mit Anwendungstechnik, Vertrieb, Fertigung und Qualität.
Agilität verstehen wir dabei nicht als Werkzeugkasten, sondern als Haltung. Wir setzen auf kurze Entscheidungswege, systematisches Feedback, frühes Prototyping und einen klaren Kundenfokus. So gelingt es uns, Entwicklungsarbeit sowohl schnell als auch robust umzusetzen – mit technischer Tiefe und einem klaren Blick auf die industrielle Praxis. Oder kurz gesagt: „Execution meets Innovation“.
(Quelle: EWM GmbH)