Management
© stock.adobe.com/Antony Weerut
08.09.2024

KI-Einsatz in Unternehmen: Führungskräfte sind zögerlich

KI-Einsatz in Unternehmen: Führungskräfte sind zögerlich

Viele Führungskräfte haben eine ambivalente Haltung gegenüber einem verstärkten KI-Einsatz in ihrem Unternehmen. Sie forcieren ihn deshalb eher zögerlich, auch weil nötige strategische Vorgaben fehlen. Das zeigte eine Online-Befragung von Führungskräften.

In vielen Unternehmen laufen bereits Pilotprojekte zur Nutzung der Künstlichen Intelligenz (KI). Diese beschränken sich zumeist zwar noch auf die Bereiche Marketing, Vertrieb und Unternehmenskommunikation. Dessen ungeachtet erahnen jedoch bereits viele Mitarbeiter aufgrund der erster Nutzungsversuche, welch enormes Entwicklungs- und Innovationspotenzial noch in der KI-Technik ruht – ein Potenzial, das nicht nur die Macht hat, einzelne Arbeitsprozesse zu verändern, sondern auch die Struktur und Geschäftsmodelle von Unternehmen sowie die Zusammenarbeit in ihnen. Und zwar speziell dann, wenn sich die KI mit der Robotik und Automatisierung zur sogenannten KIRA verbindet.

Dies veranlasste das Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ), Wiesbaden, dazu, sich in seinem jüngsten Leadership-Trendbarometer mit den Fragen zu befassen:

  • Wie stark werden KI-Tools von den Führungskräften in den Unternehmen heute schon in ihrem Arbeitsalltag genutzt und
  • Wie sehr forcieren sie deren Einsatz in ihrem Bereich?

An der Online-Befragung nahmen 275 Führungskräfte teil (Deutschland: 173; Schweiz: 54; Österreich: 48). Ihr zentrales Ergebnis war: Die meisten Führungskräfte haben ein ambivalentes Verhältnis zur KI-Nutzung in ihrem Betrieb sowie in ihrem eigenen Arbeitsalltag.

© pixabay.com/Tung Nguyen
© pixabay.com/Tung Nguyen
Führungskräfte fühlen sich von der KI latent bedroht

Klare strategische Vorgaben sind auch nötig, weil nicht wenige Führungskräfte bei einem verstärkten KI-Einsatz mittelfristig einen Verlust von Arbeitsplätzen befürchten – speziell dann, wenn dieser zu einer verstärkten Automatisierung von Aufgaben und Prozessen führt. Zwar äußerten in der Online-Befragung nur 20,3 Prozent der Führungskräfte explizit diese Befürchtung, in den vertiefenden Interviews wiesen sie aber immer wieder darauf hin, dass ein verstärkter KI-Einsatz sich selbstverständlich auch auf die Führungssituation auswirke – und zwar allein schon deshalb, weil bei einer eventuell sinkenden Mitarbeiterzahl auch weniger Führungskräfte benötigt würden.

Auffallend war, dass dieses Bedrohungsgefühl am ausgeprägten bei den Führungskräften in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Unterkommunikation ist, in denen KI-Tools bereits überproportional stark genutzt werden; außerdem in solchen Stabsabteilungen wie Finanzen und Controlling, in denen eine Vielzahl von Daten zu erfassen und verarbeiten sind. Die Führungskräfte in der Produktion hingegen äußerten solche Bedenken nicht. Sie verwiesen eher darauf, dass ein möglicher KI-Einsatz ihnen mittelfristig eventuell sogar helfen könne, das Problem Fachkräftemangel zu lösen.

Bereichsübergreifendes Gesamtkonzept ist nötig

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass es auch, wenn es um das Beantworten der Frage geht, welche Unterstützung die Führungskräfte seitens des Unternehmens brauchen, um den KI-Einsatz in ihrem Bereich zu forcieren, einer differenzierten Betrachtung bedarf; also einer Lösung, die unter anderem berücksichtigt:

  • Welcher Funktion hat der Bereich in der Organisation?
  • Wozu soll die KI in ihm genutzt werden und
  • welche Auswirkungen hat der verstärkte KI-Einsatz auf die Mitarbeiter und die (bereichsübergreifende) Zusammenarbeit?

Diese Überlegungen müssen wiederum in ein Gesamtkonzept eingebettet sein, was das Unternehmen durch den verstärkten KI-Einsatz erreichen möchte – auch um zu vermeiden, dass auf der Bereichsebene viele Insellösungen entstehen, die wiederum Folgeprobleme in der Gesamtorganisation bewirken.
Barbara Liebermeister

(Autorin: Barbara Liebermeister, Leiterin des Instituts für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ), Wiesbaden (www.ifidz.de). Sie ist u.a. Autorin des Buchs „Die Führungskraft als Influencer: Wie man Mitarbeiter als Follower gewinnt“.)

Schlagworte

KIKI-TechnikKünstliche IntelligenzMitarbeiterführung

Verwandte Artikel

Robotergestütztes 3D-Schneiden mit maximaler Flexibilität
19.08.2026

EuroBLECH 2026: MicroStep setzt auf Schneidtechnik, Robotik und Digitalisierung

MicroStep Europa präsentiert auf der EuroBLECH 2026 neue Anlagen, Steuerungstechnologie und digitale Lösungen für die Blechbearbeitung.

Automatisierung Blech Digitalisierung Faserschneiden KI Künstliche Intelligenz Laserstrahlschneiden Prozessüberwachung Roboter Schneiden Schneidlösung
Mehr erfahren
Das Konsortialteam des Forschungsprojektes „SKIPRO“
18.08.2026

Forschungsprojekt Skipro erschließt Produktionsdaten für generative KI

Unter Leitung des Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen entwickelt ein Konsortium Softwaremethoden und eine Integrationsmiddleware für den kontextbezogenen Einsatz...

Automatisierung Automatisierungssysteme Datenverarbeitung Engineering EWA IoT KI Materialforschung PE Prototypen PU
Mehr erfahren
17.08.2026

AMB 2026: SW Presents Multi-spindle Machining and Mobile Automation

chwäbische Werkzeugmaschinen (SW) will present machining and automation systems for different production volumes and industries at AMB 2026 in Stuttgart. The exhibits on...

Automation KI MES Robotic Robotics Werkzeugmaschinen
Read more
17.07.2026

Konferenz WAAMathon #3 - Die wichtigsten Erkenntnisse und Trends

Im Juni traf sich die Fachwelt in Berlin zur dritten Ausgabe des WAAMathon; der einzigen Konferenz, die sich ausschließlich dem DED-Arc (oft auch als WAAM – Wire Arc Addi...

Additive Fertigung Auftragschweißen DED-Arc KI Metalldraht Prozessentwicklung Prozessqualifizierung Prozessstabilität Standardisierung Titandraht WAAM Wertschöpfungsketten
Mehr erfahren
DVS Group
10.07.2026

Jetzt zum DVS CONGRESS 2026 anmelden

Am 14. und 15. September findet der DVS CONGRESS 2026 in der Heinrich-Lades-Halle in Erlangen statt und bietet Besuchern praxisnahe Vorträge aus der industriellen Anwendu...

Beschichten DVS DVS CONGRESS Fertigungsprozesse Forschung Fügen Künstliche Intelligenz Qualitätssicherung Schweißen Trennen Wehrtechnik
Mehr erfahren