Forschung
Im SFB 1368 untersucht das LZH an einer selbst entwickelten Anlage die Prozessierbarkeit von Metallpulvern beim selektiven Laserstrahlschmelzen in sauerstofffreier Atmosphäre - © LZH
29.01.2024

Löten und 3D-Drucken ohne Oxidation

Löten und 3D-Drucken ohne Oxidation: LZH forscht an sauerstofffreier Produktion

Bei der Metallverarbeitung ist Oxidation ein leidiges Thema. Abhilfe schaffen könnte die Produktion in sauerstofffreier Umgebung. Das LZH erforscht, wie sich dieses Konzept in der Additiven Fertigung und beim Löten umsetzen lässt.

Sauerstoff ist in vielen Produktionsprozessen in der metallverarbeitenden Industrie ein Störfaktor: Die Oxidschichten, die beim Bearbeiten von Metallen durch den Sauerstoff in der Umgebung entstehen, können das Fügen von Werkstücken erschweren und den Verschleiß von Bauteilen und Werkzeugen beschleunigen. Im Sonderforschungsbereich 1368 „Sauerstofffreie Produktion“ nutzen die Forscherinnen und Forscher eine innovative Methode, um dem Oxidationsproblem zu begegnen: Sie führen während der Produktion ein Argon-Schutzgas mit einem kleinen Anteil Silan zu. Das Silan reagiert mit dem Sauerstoff der Umgebung und es entsteht eine XHV-adäquate Atmosphäre, also eine Atmosphäre mit einem so geringen Sauerstoffgehalt wie in einem extrem hohen Vakuum. Dieser Ansatz zum Ausschließen von Sauerstoff ist dabei wesentlich wirtschaftlicher als die Umsetzung eines technischen Vakuums. Am LZH erforschen Wissenschaftler diesen Ansatz für das pulverbettbasierte Laserstrahlschmelzen und für das Laserstrahlhartlöten.

Ziel: Laserstrahlhartlöten ohne Flussmittel

Die Gruppe Fügen und Trennen von Metallen hat in einem Teilprojekt einen neuartigen Lötprozess entwickelt, der ohne den Einsatz von Flussmitteln auskommt. Die zum Teil umwelt- und gesundheitsschädlichen Flussmittel werden üblicherweise genutzt, um die Oxidschicht auf der Materialoberfläche aufzubrechen und so zu ermöglichen, dass Metall und Lot zusammen reagieren. In dem neu entwickelten Prozess brechen die LZH-Forscher die Oxidschicht stattdessen mit einer ns-gepulsten Laserstrahlquelle auf. Anschließend erfolgt der Lötprozess mit cw-Laserstrahlung unter Silan-Atmosphäre. Durch die sauerstofffreie Atmosphäre wird verhindert, dass die Oberfläche zwischen den Prozessschritten erneut oxidiert.

Im SFB 1368 untersucht das LZH das Laserstrahllöten in sauerstofffreier Atmosphäre. - © LZH
Im SFB 1368 untersucht das LZH das Laserstrahllöten in sauerstofffreier Atmosphäre. © LZH

Wie die Forscherinnen und Forscher zeigen konnten, ist es möglich, unter sauerstofffreier Atmosphäre die Oxidschicht auf Aluminiumlegierungen dauerhaft zu entfernen. Somit war anschließend eine Benetzung der Oberfläche mit einem artgleichen Lotwerkstoff möglich. In der zweiten Förderperiode werden die Forschenden den Prozess auf die herausfordernde Mischverbindung aus Aluminium und Kupfer übertragen und die Prozessgrenzen erforschen.

Additive Fertigung unter sauerstofffreier Atmosphäre

Die Gruppe Additive Fertigung – Metalle erforscht, wie sich Metallpulver beim pulverbettbasierten Laserstrahlschmelzen in sauerstofffreier Atmosphäre verarbeiten lassen. Auf einer eigens dafür entwickelten Anlage für das pulverbettbasierte Laserstrahlschmelzen von Metallen (PBF-LB/M-Verfahren) wurde hierzu der Prozess anhand der Titanlegierung Ti-6Al-4V entwickelt und mittels Hochgeschwindigkeitskameras überwacht. Ziel des Teilprojektes ist es, ein grundlegendes Verständnis für den Prozess unter sauerstofffreier Atmosphäre und den Einfluss des Sauerstoffs zu erlangen. Erwartet haben die Forscher:innen, dass die Abwesenheit von Sauerstoff zu einem stabileren Prozess, weniger Spritzern und besseren Bauteileigenschaften führt. Sie konnten zeigen: Die Spritzer verringern sich nicht nur in ihrer Anzahl, sondern oxidieren auch weniger stark, was die Degradierung des Pulvers vermindert. Für eine weitere Verbesserung des Prozesses und der Bauteilqualität ist es aber wichtig, auch die Feuchtigkeit in Atmosphäre und Pulver zu eliminieren, was in Förderperiode 2 eingehend untersucht werden soll.

Über den SFB 1368

Im Sonderforschungsbereich 1368 „Sauerstofffreie Produktion – Prozesse und Wirkzonen in sauerstofffreier Atmosphäre zur Entwicklung zukunftsfähiger Produktionstechniken und Fertigungsverfahren“ sind neben dem LZH acht Institute der Leibniz Universität Hannover, vier Institute der Technischen Universität Clausthal sowie der Lehrstuhl Datenmanagement im Maschinenbau der Universität Paderborn beteiligt. Der SFB wird von der DFG gefördert. Die zweite Förderperiode wird mit rund 10,5 Millionen Euro bis Ende 2027 gefördert.

(Quelle: Presseinformation des Laser Zentrums Hannover e.V.)

Schlagworte

Additive FertigungFügetechnikLaserstrahlhartlötenLaserstrahlschmelzenLötenMetallverarbeitungPulverbettbasiertes LaserstrahlschmelzenSilanTrenntechnikVerschleiß

Verwandte Artikel

Additive Fertigung bei Toolcraft
07.11.2026

Größere Bauräume für industrielle Anwendungen der additiven Fertigung

Mit steigenden Anforderungen an Bauteilabmessungen und Stückzahlen rücken leistungsfähige Fertigungssysteme mit größeren Bauräumen für die additive Fertigung zunehmend in...

Additive Fertigung Bauteilabmessung Bauteile Industrielle Anwendungen Metallbauteile Metalle Serienfertigung
Mehr erfahren
Dipl.-Ing. Eberhard Friedrich (rechts) und Martin Schmieder
DVS Group
05.11.2026

Fügen heißt verbinden. Und erhalten.

Zum 100-jährigen Jubiläum des DVS-Bezirksverbandes Dresden wurde ein Interview mit Dipl.-Ing. Eberhard Friedrich und Martin Schmieder geführt.

Bezirksverband DVS Ehrenamt Fügetechnik Interview Jubiläum Schweißen
Mehr erfahren
03.11.2026

Simulierte Schweißprozesse: Was möglich und was wichtig ist

Wie gelingt auf Anhieb ein perfekter Schweißprozess? Die Simulations-Software Ansys wurde nun um eine neue Funktion für das Einrichten des Fügeprozesses erweitert.

Additive Fertigung DED Modellierung Prozessparameter Schweiß-Simulation Schweißeigenspannungen Schweißen Schweißprozess Schweißverzug Software
Mehr erfahren
DVS Group
03.11.2026

Jubiläum am ifw Jena

Prof. Dr.-Ing Günter Köhler, Gründer des Günter-Köhler-Institut für Fügetechnik und Werkstoffprüfung in Jena, feiert dieses Jahr seinen 85. Geburtstag.

Forschungsinstitut Fügetechnik Jubiläum Schweißen Werkstoffprüfung
Mehr erfahren
01.11.2026

Neue Schweißzelle für die Additive Fertigung

Fronius präsentiert auf der Formnext vom 17. bis 20. November 2026 in Frankfurt Lösungen für die additive Fertigung. In Halle 12, Stand B59, zeigt das Unternehmen CMT Add...

Abschmelzraten-Stabilisator Additive Fertigung CMT CMT-Prozess CMT-Schweißprozess CTWD-Messung Formnext HotStart Prototyping Reverse Engineering Roboteranwendung Robotik Schweißdraht Schweißprozesse Werkstoffprüfung
Mehr erfahren