Praxistipp
© stock.adobe.com/569596236
02.11.2025

Sicheres Zusammenspiel von Mensch und Arbeitsplatz

Die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung industrieller Prozesse verändert die Rolle der Beschäftigten grundlegend. Kontroll-, Überwachungs- und Steuertätigkeiten (im Nachfolgenden KÜST) gewinnen an Bedeutung und stellen hohe Anforderungen an die physische und psychische Belastbarkeit der Mitarbeitenden.

Die DGUV Information 209-099 bietet praxisnahe Empfehlungen zur gesundheitsgerechten Gestaltung dieser Tätigkeiten – insbesondere mit Blick auf die Mensch-Maschine-Schnittstelle. Für Hersteller von Maschinen und Anlagen ergeben sich daraus konkrete Handlungsfelder. Diese haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

Gestaltungsverantwortung der Hersteller

Maschinenhersteller tragen eine zentrale Verantwortung für die ergonomische Qualität ihrer Produkte. Die Gestaltung der Interaktionsschnittstelle – also der Bedien- und Anzeigeelemente – beeinflusst maßgeblich die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten. Die Anforderungen gehen über die reine Einhaltung von Sicherheitsnormen hinaus und betreffen die intuitive Bedienbarkeit, Fehlerrobustheit und Anpassbarkeit der Systeme.

Ergonomische Interaktionsschnittstellen

Die Auswahl und Anordnung von Stellteilen muss den körperlichen Voraussetzungen der Nutzer gerecht werden. Stellflächen, Greifräume und Blickfelder sind so zu gestalten, dass Zwangshaltungen vermieden und Bewegungsfreiheit gewährleistet wird. Besonders bei mobilen Steuergeräten (z. B. Tablets, Fernbedienungen) sind Haltehilfen und Ablageflächen vorzusehen, um Belastungen im Hand-Arm-Bereich zu reduzieren.

Touchscreens sollten für die Nutzung mit Handschuhen geeignet sein – etwa durch resistive Technologie oder ausreichend große Schaltflächen. Die EN 894-Reihe und EN ISO 9241-110 geben hier wichtige normative Orientierung.

IBF Solutions GmbH
IBF Solutions GmbH
Informationsschnittstellen und Softwareergonomie

Die Darstellung von Informationen muss klar, kompakt und konsistent sein. Hersteller sind gefordert, Softwareoberflächen so zu gestalten, dass sie die Informationsverarbeitung des Menschen optimal unterstützen. Hersteller sind gefordert, Softwareoberflächen so zu gestalten, dass sie die Informationsverarbeitung des Menschen optimal unterstützen. Dazu gehört, dass sicherheitsrelevante Informationen priorisiert werden und eine Ablenkung durch überflüssige Elemente vermieden wird. Außerdem sollten Betriebszustände eindeutig codiert sowie eine konsistente Gestaltung über verschiedene Maschinen und Systeme hinweg gewährleistet sein.

Die visuelle Belastung ist ein zentraler Faktor bei KÜST. Anzeigen müssen ergonomisch positioniert und lesbar sein – auch bei wechselnden Lichtverhältnissen. Die Beleuchtung der Arbeitsumgebung sollte die Anforderungen der Sehaufgabe erfüllen.

Fehlerrobustheit und Erwartungskonformität

In Stresssituationen reagieren Beschäftigte oft intuitiv. Hersteller müssen daher darauf achten, dass Bedienkonzepte konsistent und erwartungskonform sind – insbesondere bei unterschiedlichen Maschinenmodellen. Fehlerrobuste Systeme, die Fehlbedienungen erkennen und abfangen, sind essenziell für die Sicherheit.

Fazit

Die DGUV Information 209-099 zeigt deutlich: Die ergonomische Gestaltung von Maschinen ist ein entscheidender Faktor für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei KÜST. Hersteller sind gefordert, über die reine Funktionalität hinauszudenken und die Mensch-Maschine-Schnittstelle ganzheitlich zu gestalten. Dies erfordert interdisziplinäres Know-how, die Berücksichtigung normativer Vorgaben und den Dialog mit Anwendern. Ergonomisch gestaltete Maschinen sind nicht nur sicherer – sie steigern auch die Produktivität und Zufriedenheit der Beschäftigten.

(Quelle: IBF Solutions GmbH)

Schlagworte

AnlagenArbeitsschutzAutomatisierungDigitalisierungErgonomieGesundheitsschutzMaschinenTechnologien

Verwandte Artikel

Von links: Christian Kowalschuk (FARO), André Kohut (Bundesverband Metall), Maik Jaekel (FARO) und Diether Hils (Hauptgeschäftsführer Bundesverband Metall) anlässlich des Starts der Kooperationspartnerschaft am 2. September 2026.
13.09.2026

Bundesverband Metall begrüßt neuen Kooperationspartner

Der Bundesverband Metall (BVM) begrüßt Faro als neuen Kooperationspartner. Mit der Faro Europe GmbH und Faro Insight gewinnt der Verband einen erfahrenen Technologiepartn...

Handwerk Kooperation Laserscanning Metallbau Metallhandwerk Technologien Wissenstransfer Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Der 16,65 m hohe Lüftungsturm der BerlinerLuft. Technik GmbH ragt zehn m über das Firmendach hinaus.
13.09.2026

Schadstofffreie Luft in der Automobilproduktion

Wenn in industriellen Fertigungsprozessen bei Schneid- und Schweißarbeiten schädliche Emissionen in die Luft gelangen, ist ist ein geeignetes Lüftungssystem für die Raum-...

Abluftkamin Abluftreinigung Automobilbau CO2-Laser Emmissionen Gesundheitsschutz Laserstrahlschneiden Schneiden Schweißen
Mehr erfahren
12.09.2026

Absaughaube gewinnt den Red Dot Design Award 2026

Kemper hat mit der Absaughaube The Hood Pro den renommierten Red Dot Design Award 2026 in der Kategorie „Industrial Design“ gewonnen.

Absaughaube Arbeitsschutz Gesundheitsschutz Punktabsaugung Red Dot Design Award Schweißen Schweißrauch Schweißrauchabsaugung Schweißrauchemissionen
Mehr erfahren
DVS Group
11.09.2026

DVS CONGRESS: Ausgewählte Forschungsergebnisse aus erster Hand

Live, kostenlos und direkt vom Arbeitsplatz aus: Verfolgen Sie aktuelle Forschungsergebnisse aus der Fügetechnik, noch bevor diese den Weg in die Praxis finden.

Additive Fertigung Arbeitsschutz DVS DVS CONGRESS Forschung Forschungsergebnisse Fügetechnik Hybridschweißen Laserstrahlschweißen Lichtbogenschweißen Livestream Schweißen Stahlbauteile Unterwasserschweißen
Mehr erfahren
11.09.2026

Robotik erleben, Wissen teilen: neues Experience Center in Neuss

Der neue Showroom am EMEA-Hauptsitz von Kawasaki Robotics verbindet Live-Robotik mit Wissenstransfer und persönlichem Austausch. Dabei sind regelmäßige Experten- und Bran...

Automation Halbleiter Maschinenverordnung Robotik Schweißen Technologien Wissenstransfer Workshop
Mehr erfahren