Wirtschaft
02.03.2020

Spürbare Abkühlung auf Ingenieurarbeitsmarkt

Spürbare Abkühlung auf dem Ingenieurarbeitsmarkt

Die konjunkturelle Abkühlung ist nun auch am Ingenieurarbeitsmarkt qualifikations- und regionalübergreifend spürbar. Das zeigt der neue Ingenieurmonitor, den das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des VDI vierteljährlich erstellt.

Im vierten Quartal 2019 waren monatsdurchschnittlich knapp 113.000 offene Stellen zu besetzen, was im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Minus von 10,4 Prozent auf Seiten der Arbeitskräftenachfrage ausmacht. Auch auf Seiten der Arbeitssuchenden macht sich die Abkühlung bemerkbar. So suchten im selben Zeitraum 32.461 Personen eine Beschäftigung in einem Ingenieurberuf. Verglichen zum Vorjahresquartal stieg die Zahl der arbeitslos Gemeldeten damit um 10,2 Prozent. Da die Ingenieurarbeitgeber ihr Stammpersonal in der Regel halten, manche von ihnen jedoch vorübergehend auf Neueinstellungen verzichten, dürfte dieses Problem insbesondere jüngere Ingenieure und Ingenieurinnen mit auslaufenden Projektverträgen sowie Berufseinsteiger und -eisteigerinnen betreffen.

Teile Ostdeutschlands verzeichnen Anstieg der Ingenieurnachfrage

Der Ingenieurarbeitsmarkt zeigt aktuell insgesamt eine sehr uneinheitliche Entwicklung: Stark industrienahe Qualifikationen erleben einen temporären Nachfragerückgang, während bau- oder dienstleistungsnahe Qualifikationen unverändert sehr stark auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt sind.  Die ungleichmäßige Entwicklung setzt sich fort, wenn man die Ingenieurnachfrage in den unterschiedlichen Regionen betrachtet. Zwar ist in sämtlichen großen Regionen ein Rückgang der offenen Stellen zu verzeichnen. Aber in Teilen Ostdeutschlands – konkret in Sachsen, Sachsen Anhalt und Thüringen – ist noch keine Eintrübung, sondern sogar ein Anstieg zu verzeichnen.

Weiterhin hohe Engpässe liegen in den Informatikberufen (464 offenen Stellen je 100 Arbeitslosen) sowie den Bauingenieurberufen (554) vor. Verglichen zum Vorjahresquartal hat sich der Engpass in den meisten betrachteten Arbeitsmarktregion entspannt. In Sachsen-Anhalt und Thüringen jedoch betrug der Anstieg der Engpassrelation rund 3,0 Prozent, in Sachsen 0,2 Prozent.

Ausländische Ingenieure und Ingenieurinnen zur Fachkräftesicherung

Allen voran führt die demografische Entwicklung dazu, dass die Zuwanderung als Instrument zur Fachkräftesicherung in den Ingenieurberufen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im Bundesschnitt haben ausländische Ingenieure und Ingenieurinnen einen Anteil von 8,9 Prozent an allen Beschäftigten in Ingenieurberufen. Dabei liegen sechs Bundesländer über dem Bundesschnitt: Neben den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sind dies die forschungs-, innovations- und wirtschaftlich leistungsstarken südlichen Flächenländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.

Ein deutlich niedrigerer Anteil ausländischer Beschäftigter in Ingenieurberufen lässt sich hingegen in den ostdeutschen Bundesländern beobachten. Aufgrund des besonders hohen Anteils älterer Ingenieure und Ingenieurinnen haben allerdings diese hinsichtlich der Fachkräftesicherung einen sehr hohen Handlungsbedarf. Gelingt es den östlichen Bundesländern nicht, zeitnah eine nachhaltige Willkommenskultur zu entwickeln und deutlich mehr ausländische Ingenieure und Ingenieurinnen als bislang zu gewinnen, werden sich die demografischen Probleme im Ingenieurbereich dort nicht bewältigen lassen – mit gravierenden Folgen für die regionale Wirtschaft.

Der vollständige VDI-/IW-Ingenieurmonitor ist kostenfrei downloadbar unter www.vdi.de/publikationen.

(Quelle: Presseinformation des VDI Verein Deutscher Ingenieure e. V.)

Schlagworte

FachkräftemangelFachkräftesicherungIngenieurwissenschaftenKonjunktur

Verwandte Artikel

Neue VDI-Studie zu Frauen in MINT-Berufen
15.10.2026

Frauen in MINT: Deutschland verschenkt Milliardenpotenzial

Im Rahmen der Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ hat der VDI die Studie „Frauen in MINT-Berufen – Potenziale entfalten, Innovationskraft stärken“ veröffentlicht.

Arbeitsszeitmodelle Fachkräftemangel Geschlechterstereotype Innovationskraft Innovationsstandort Deutschland MINT Studie Wertschöpfung Wettbewerbsfähigkeit
Mehr erfahren
14.10.2026

Erfahrungsschatz Arbeitsgestaltung: gute Maßnahmen aus der Praxis

Zum Auftakt der Woche der Seelischen Gesundheit betont DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Stephan Fasshauer den Wert erprobter Lösungen für die psychische Gesundheit am Arbeit...

Arbeitsfähigkeit Arbeitsplatz Berufsgenossenschaft DGUV Fachkräftesicherung Gesundheitsschutz Prävention Psychische Gesundheit
Mehr erfahren
Ingenieurarbeitsmarkt: VDI ordnet ein und zeigt Potenziale
27.09.2026

VDI/IW-Ingenieurmonitor zum Strukturwandel am Arbeitsmarkt

VDI/IW-Ingenieurmonitor: Konjunkturelle Schwäche trifft derzeit auf einen Arbeitsmarkt im Wandel – doch der Fachkräftebedarf bleibt strukturell hoch. Der VDI sieht Re-Ski...

Arbeitsmarkt Digitalisierung Energiesektor Fachkräftemangel Informatik Ingenieurwesen Medizintechnik Re-Skilling Strukturwandel
Mehr erfahren
22.09.2026

So verändern humanoide Roboter die Industrie

Humanoide Roboter entwickeln sich rasant. Dell Technologies zeigt, welches Potenzial sie für die Industrie bieten, welche Hürden noch bestehen und welche Rolle Edge-Entsc...

Arbeitsschutz Automatisierung Cobots Datenverarbeitung Fachkräftemangel Flexibilität Humanoide Roboter Industrie Präzision Roboter Sensorik Technologie
Mehr erfahren