Kommentar
ngelo Castrignano ist Unternehmer  und neuer Vorsitzender des  Industrieverbandes Blechumformung  (IBU). Er sieht große Chancen in  Digitalisierung, KI und der stärkeren  Automatisierung von  Produktionsprozessen. - © Industrieverband Blechumformung (IBU)
27.08.2026

„Technologische Stärken mit wettbewerbsfähigen Standortbedingungen verbinden“

Die blechumformende Industrie steht – wie alle stahl- und metallverarbeitenden Branchen – gewaltig unter Druck. Und schaut trotzdem nach vorn. Unternehmer und neuer Vorstandsvorsitzender des Industrieverbandes Blechumformung (IBU) Angelo Castrignano zeigt, was der Verband in den nächsten Jahren erreichen will.

Der IBU arbeitet mit dem Slogan „Gemeinsam mehr erreichen“ – was sind die Hauptziele, die Sie für Ihre Mitglieder in den nächsten Jahren erreichen möchten?

Angelo Castrignano: Gemeinsam mehr erreichen‘ bedeutet für mich vor allem, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Mitgliedsunternehmen dauerhaft zu stärken. Sie stehen vor enormen Herausforderungen – von steigenden Arbeits- und Energiekosten über den technologischen Wandel bis hin zu geopolitischen Unsicherheiten. Der Verband kann diese Probleme nicht allein lösen. Aber er kann Orientierung geben, Best-PracticeBeispiele vermitteln und den Erfahrungsaustausch fördern. Gleichzeitig wollen wir die Interessen unserer Branche gegenüber Politik und Öffentlichkeit noch deutlicher vertreten. Wir brauchen dringend Rahmenbedingungen, unter denen mittelständische Industrieunternehmen erfolgreich in Deutschland investieren, produzieren und Arbeitsplätze sichern können.

Wo sehen Sie gerade die größten Risiken für die blechumformende Industrie am Standort Deutschland?

Das größte Risiko ist aus meiner Sicht der schleichende Verlust unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Besonders kritisch sehe ich die Entwicklung der Arbeits- und Sozialkosten. Dauerhaft hohe Belastungen beim Faktor Arbeit gefährden zunehmend die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie. Hinzu kommen langwierige Genehmigungsverfahren und eine stetig wachsende Bürokratie, die Investitionen verzögern und wertvolle Ressourcen in den Unternehmen
binden. Viele internationale Wettbewerber produzieren unter deutlich günstigeren Rahmenbedingungen. Diesen Wettbewerbsnachteil können unsere Unternehmen langfristig nicht allein durch Innovationen und Produktivitätssteigerungen ausgleichen.

Natürlich müssen auch die Unternehmen selbst ihre Hausaufgaben machen – durch Innovationen, Automatisierung, Digitalisierung und die kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle. Ohne wettbewerbsfähige politische Rahmenbedingungen werden diese Anstrengungen jedoch langfristig nicht ausreichen.

Und wo sehen Sie die größten Chancen?

Besonders große Chancen sehe ich in der Digitalisierung und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz. Ein weiterer Zukunftsfaktor ist die noch stärkere Automatisierung unserer Produktionsprozesse. Neue Möglichkeiten, Prozesse effizienter
zu gestalten und Innovationen schneller umzusetzen, eröffnet die engere Zusammenarbeit innerhalb der Wertschöpfungskette. Wenn es uns gelingt, diese technologischen Stärken mit wettbewerbsfähigen Standortbedingungen zu verbinden, wird unsere Branche auch künftig international erfolgreich sein. Davon bin ich überzeugt. Die deutsche Blechumformindustrie verfügt über enorme Stärken: hohe technologische Kompetenz, hervorragend ausgebildete Mitarbeiter, starke Innovationskraft. Deutschland muss nicht der günstigste Standort sein – aber der innovativste und produktivste.

Welche Entwicklung erwarten Sie für Ihren Verband in den nächsten fünf Jahren – welche Bereiche werden an Bedeutung gewinnen?

Das Tempo technologischer und politischer Veränderungen wird weiter zunehmen. Deshalb werden Themen wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit, Lieferkettenresilienz und Cybersicherheit deutlich an Bedeutung
gewinnen. Gleichzeitig wird die Interessenvertretung gegenüber der Politik wichtiger denn je. Unsere Unternehmen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise und eine deutliche Entlastung beim Faktor Arbeit. Der IBU wird sich deshalb noch stärker als Plattform für Wissenstransfer, Vernetzung und
politische Interessenvertretung positionieren.

(Quelle: Industrieverband Blechumformung (IBU))

Schlagworte

AutomatisierungBlechumformungCybersicherheitEnergiepreiseNormenPolitikProduktionsprozessUmformung

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