Aus acht Millimeter starken Blechen lassen sich unterschiedliche Bauteile und Objekte herstellen, etwa Unterbodenschutz für Fahrzeuge, Deckaufbauten bei Schiffen, Gehäuse oder Kunstwerke, wie das sogenannte „Scheibenpferd“, das in Elchingen von der Firma Kollinger gefertigt wurde. Für die gleichmäßige Verrundung der wasserstrahlgeschnittenen Blechkanten kam der Kantenfräser TruTool TKA 700 von Trumpf zum Einsatz. Das Kunstwerk steht nun auf dem Ellwanger Kirchplatz.
Die Kunstgießerei Kollinger GmbH in Elchingen fertigt sowohl technische Prototypen und Kleinserien für die Automobilindustrie, die Fluidtechnik und den Maschinenbau als auch Kunstwerke. Dabei steht jeweils die Umsetzung einer konkreten Idee im Mittelpunkt – sei es nach technischen Vorgaben oder nach einem künstlerischen Entwurf.
Ein Beispiel ist das sogenannte „Scheibenpferd“, das im Frühjahr 2026 für die „Pferdestadt“ Ellwangen umgesetzt wurde. Bereits im Jahr 2000 waren dort rund 60 farbige Pferdeskulpturen ausgestellt, von denen einige bis heute im Stadtbild zu sehen sind. Seit dem 24. April 2026 steht auf dem Kirchplatz eine weitere Skulptur. Ein 1,70 Meter große Pferdm das aus 83 Aluminiumblechen gefertigt wurde.
Für die Umsetzung waren mehrere Unternehmen beteiligt. Die praktische Fertigung übernahm die Kunstgießerei Kollinger GmbH, mit der der verantwortliche 3D-Designer bereits bei früheren Projekten zusammengearbeitet hatte.
Enges Zeitfenster für die Umsetzung des Scheibenpferdes
Bei diesem Auftrag kamen keine Gussverfahren zum Einsatz. Die erforderlichen Arbeiten gehören nach Angaben von Geschäftsführer Markus Kollinger dennoch zum Leistungsspektrum des Unternehmens. Dazu zählen unter anderem die Arbeit mit 3D-Daten sowie Blech- und Metallbearbeitung, Schweißen, Beschichten und Lackieren.
Der Auftrag war dennoch anspruchsvoll, insbesondere aufgrund des engen Zeitplans. „Das sind wir ja durchaus gewöhnt, trotzdem war das Zeitfenster in diesem Fall schon sehr eng“, sagt Kollinger und präzisiert: „Wir hatten vom Auftragseingang bis zur finalen Abgabe des Scheibenpferdes lediglich sechs Wochen Zeit.“ Daher war ein gut abgestimmter Ablauf erforderlich.
Nach Abschluss der 3D-Modellierung und der statischen Berechnungen beauftragte Kollinger ein Partnerunternehmen mit dem Wasserstrahlschneiden der 83 Aluminiumplatten. Anschließend mussten die scharfen Blechkanten mit einem vorgegebenen Radius von drei Millimetern abgerundet werden, bevor die Platten verschweißt, feingeschliffen und lackiert werden konnten.
Zunächst wurden dafür Bandschleifer oder Winkelschleifer mit Radienschablone in Betracht gezogen. Da die Kantenbearbeitung jedoch einen deutlichen Einfluss auf die spätere Optik hatte und zugleich wenig Zeit beanspruchen sollte, wurden diese Optionen verworfen.
Kantenbearbeitung in kurzer Zeit umgesetzt
Über den Werkzeughändler Eduard Lutz aus Gersthofen wurde Kollinger auf den Kantenfräser TruTool TKA 700 von Trumpf aufmerksam. Nach Angaben von Markus Kollinger konnte die Arbeit an den rund 500 Metern Kantenlänge innerhalb eines Nachmittags abgeschlossen werden, einschließlich Ein- und Ausspannen der Bleche. Im Vergleich zu einer Bearbeitung mit dem Winkelschleifer sah Kollinger Vorteile bei Arbeitszeit, Ergebnisqualität und Staubentwicklung.
Für die Bearbeitungsqualität und Handhabung des TruTool TKA 700 sind mehrere Eigenschaften relevant. Das Werkzeug verfügt über einen Motor, der Arbeitsgeschwindigkeiten von bis zu 4 m/min ermöglicht. Zudem ist es auf eine einfache und ergonomische Bedienung ausgelegt.
Philipp Herwerth, Vertriebsleiter Deutschland für Elektrowerkzeuge bei Trumpf, erläutert dazu: „Die Griffform, das geringe Maschinengewicht von lediglich 3,9 kg und die ausgewogene Schwerpunktverteilung sorgen für eine ruhige und angenehme Maschinenführung – auch bei längeren Einsatzzeiten.“
Hohe Standzeiten der Wendeschneidplatten
Auch Andreas Huber verweist auf die Handhabung des Kantenfräsers. Beim Arbeiten könne ein ausreichender Abstand zum Werkstück eingehalten werden. Zudem ermögliche das Werkzeug auch bei engen Kurven von 18 mm gleichmäßige Verrundungen. Alternative Bearbeitungsmethoden seien daher nur in wenigen Fällen erforderlich gewesen.
Zu den Standzeiten der Wendeschneidplatten konnten Andreas Huber und Markus Kollinger noch keine Angaben machen, da diese bislang nicht ausgetauscht werden mussten. Nach Einschätzung von Philipp Herwerth hängt dies auch damit zusammen, dass bisher ausschließlich Aluminium bearbeitet wurde. Bei diesem Werkstoff seien hohe Standzeiten möglich. Anwender, die vor allem Baustahl bearbeiten, könnten nach seinen Angaben ebenfalls mehrere hundert Meter fräsen, da die Schneidplatten mehrfach gewendet werden können.
Kantenfräser auch bei Partnerunternehmen im Einsatz
Auch Markus Kollinger sieht für den Kantenfräser weitere Einsatzmöglichkeiten. Neben Gussteilen fertigt das Unternehmen zunehmend technische Produkte wie Gehäuse sowie Einzelteile für Prüfstände. Dabei werden unter anderem Schweißkanten oder gerundete Kanten benötigt, etwa als Vorbereitung für eine anschließende Lackierung.
Auch das Partnerunternehmen für das Wasserstrahlschneiden wurde auf die bearbeiteten Blechkanten aufmerksam. Nach Angaben von Kollinger führte dies dazu, dass dort inzwischen ebenfalls mehrere Kantenfräser im Einsatz sind.
(Quelle: Trumpf SE + Co. KG)
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