Fachbeitrag
© bielomatik
27.02.2025

Berührungsloses Schweißverfahren für thermoplastische Kunststoffe

In der aktuellen Ausgabe unserer Fachzeitschrift JOINING PLASTICS/FÜGEN VON KUNSTSTOFFEN sowie im Archiv finden Sie viele weitere interessante Beiträge. Schauen Sie doch dort mal vorbei.
Joining Plastics

Das Infrarotschweißen ist heute eine bewährte Technik, die häufig zum Verbinden von thermoplastischen Kunststoffen eingesetzt wird. Die wichtigsten Gründe dafür sind das berührungslose Aufschmelzen der Schweißstege (kein Anhaften des Materials) und das Erzielen sehr hoher Schweißfestigkeiten.

Laserbasiertes Infrarotschweißen

Das von bielomatik weiterentwickelte laserbasierte Infrarotschweißen unterscheidet sich lediglich in der Energiequelle der Infrarotstrahlung. Anstelle des teuren und empfindlichen Infrarot-Röhrenstrahlers oder des Metallfolien-Bandstrahlers
wird ein handelsübliches Faser-Lasersystem eingesetzt. Dieses arbeitet im Infrarotwellenlängenbereich von 1070 nm. 

Der Faserlaser innerhalb des Strahlungsspektrums beim Infrarotschweißen - © bielomatik
Der Faserlaser innerhalb des Strahlungsspektrums beim Infrarotschweißen © bielomatik

Der Faserlaser bietet ein Top-Head-Strahlprofil, das sich optimal für ein effizientes Plastifizieren der Schweißstege eignet.
Einige der technischen Vorteile des laserbasierten Infrarotschweißens sind:

  1. Maximale Flexibilität: Durch den Einsatz einer Laser-Quelle und eines Scanners kann die Energie nahezu simultan auf jede beliebige Geometrie übertragen werden.
  2. Reduzierte Investitionskosten: Die Werkzeugkosten reduzieren sich um bis zu 70 %, da die Laser-Scanner-Einheit einen beliebig programmierbaren IR-Strahler darstellt, der nur einmalig beschafft werden muss.
  3. Erhöhte Präzision: Der Laserstrahl ermöglicht eine äußerst präzise und lokal begrenzte Wärmezufuhr. Komplexe Bereiche wie T-Stöße oder Ringschweißnähte lassen sich mit hoher Genauigkeit kontrolliert und dicht verschweißen.
  4. Effizientere Energieübertragung: Der Laser fokussiert direkt und gezielt auf die zu schweißenden Stellen, was den Energiebedarf reduziert. Dadurch nehmen die Bauteile weniger Energie auf, und es entstehen keine Verzüge durch
    das Freiwerden innerer Spannungen.
  5. Neue Anwendungsmöglichkeiten: In einer gemeinsamen Entwicklung (von bielomatik, LZH und Coherent) wurde ein CO2-Laser so angesteuert, dass auch IR-transparente Bauteile prozesssicher, flexibel und schonend geschweißt werden können. Ein Beispiel dafür ist eine Rückleuchte mit einem Gehäuse aus ABS/PC und Scheibenglas aus PMMA.
Gezielte Energieübertragung

Das laserbasierte Infrarotschweißen bietet durch seine gezielte Energieübertragung und hohe Präzision zahlreiche Vorteile:

  • Vermeidung thermischer Materialschädigung: Die präzise Fokussierung des Lasers ermöglicht eine kontrollierte und effiziente Energieeinbringung in die Schweißzone, wodurch der Energieverbrauch erheblich reduziert wird.
  • Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit: Der Prozess erlaubt eine exakte Steuerung des Energieeintrags, angepasst an Material und Geometrie. Dies führt zu optimalen Schweißergebnissen.
  • Geringe thermische Belastung: Die Wärmeentwicklung beschränkt sich ausschließlich auf die Schweißzone. Das restliche Bauteil bleibt kühl und unversehrt, was insbesondere bei temperaturempfindlichen Bauteilen vorteilhaft ist.
  • Kürzere Inbetriebnahme und Parameter-Einstellung: Der programmierbare IR-Strahler ermöglicht eine präzise reproduzierbare und übertragbare Parametrierung der Projektdaten und spart dadurch viel Zeit für die Inbetriebnahme und Implementierung im Produktionsprozess, was es besonders für die Serienproduktion geeignet macht.
Laserbasiertes Infrarotschweißen
Laserbasiertes Infrarotschweißen
Fazit

Das von bielomatik weiterentwickelte laserbasierte Infrarotschweißen bietet erhebliche Verbesserungen in Bezug auf Präzision, Effizienz und Materialvielfalt. Der Prozess ist kosteneffizient, nachhaltig und äußerst flexibel. Dieses Verfahren erschließt nicht nur neue Anwendungsmöglichkeiten, beispielsweise im Bereich der Leuchtenfertigung, sondern stellt
auch eine wirtschaftliche Alternative zur herkömmlichen Infrarotschweißtechnik dar. Durch die Kombination der Vorteile
von Laserscanner-Systemen mit den ökonomischen und ökologischen Vorzügen der Infrarotschweißtechnik wird dieses Verfahren in vielfältigen Produktionsprozessen Anwendung finden, von der Automobil- bis zur Medizintechnik.

Autorin: Beatrice Maus, bielomatik

Schlagworte

FaserlaserInfrarotschweißenKunststoffeThermoplastische Kunststoffe

Verwandte Artikel

Die Gruppe Thermisches Fügen am Kunststoff-Zentrum SKZ unterstützt Unternehmen der Kunststoffindustrie bei allen Fragen rund um thermische Fügetechnologien.
03.03.2026

Zukunftssichere Fügetechnologien für die Industrie

Das Würzburger Institut SKZ entwickelt mit seiner Forschung Schweißtechnologien für anspruchsvolle Kunststoffanwendungen weiter.

Forschung Fügetechnologien Kunststoffanwendungen Kunststoffe Kunststoffschweißen Laserstrahlschweißen Rezyklate Schweißen Schweißtechnologien Ultraschallschweißen Weiterbildung
Mehr erfahren
28.02.2026

Save the Date: KUTENO 2026

Vom 09. bis 11. Juni 2026 findet die Zuliefermesse für die kunststoffverarbeitende Industrie KUTENO in Bad Salzuflen statt.

Automatisierung Fachmesse Kreislaufwirtschaft Kunststoffe Kunststoffverarbeitung Spritzguss Verarbeitende Industrie
Mehr erfahren
Auch in diesem Jahr haben Branchenexperten aus Industrie und Forschung wieder die Möglichkeit, sich beim VDI-Kongress PIAE über aktuelle Kunststoffanwendungen im Automobilbereich zu informieren.
24.02.2026

VDI-Kongress PIAE mit neuem Veranstaltungsort

Seit über vier Jahrzehnten dreht sich beim VDI-Kongress PIAE (Plastics in Automotive Engineering) alles um Kunststoffe im Automobilbau – in diesem Jahr erstmals im Kongre...

Automobilbau Automotive Fertigungsprozesse Kunststoffe Leichtbau Recycling Werkstoffe
Mehr erfahren
21.02.2026

Röchling Industrial übernimmt operativen Geschäftsbetrieb von Terbrack

Röchling Industrial übernimmt den operativen Geschäftsbetrieb der insolventen Terbrack Kunststoff GmbH & Co. KG mit Sitz in Vreden ab dem 1. März 2026.

Anlagenbau Halbzeuge Industrie Kunststoffe Maschinenbau Thermoplastische Halbzeuge
Mehr erfahren
02.02.2026

Komplette Blechbearbeitung in einer Einrichtung

Die neue Voortman V210 erweitert die V353 um Bohren, Gewindeschneiden und Fräsen und ermöglicht damit eine vollständige Bearbeitung des Blechs.

Automatisierung Blech Blechbearbeitung Bohren Faserlaser Fertigung Fräsen Gewindeschneiden Laserstrahlschneiden Schneiden Serienfertigung
Mehr erfahren