Kommentar
Stephan Pittner, CEO bei Carl Cloos Schweisßtechnik GmbH - © Cloos
12.09.2023

Effizient und einfach – Einstieg in die Automatisierung

„Aussteller kündigen an“: Das in diesem Artikel erwähnte Unternehmen ist Aussteller auf der SCHWEISSEN & SCHNEIDEN 2023.

Sie finden das Unternehmen auf der Messe in Halle 3, Stand 3C63.
SCHWEISSEN & SCHNEIDEN 2023

Effizient und einfach – Einstieg in die Automatisierung

Die Cloos-Gruppe entwickelt, fertigt und vertreibt innovative Lösungen in weltweit in über 40 Ländern. Aus der Kernkompetenz des Unternehmens, dem Lichtbogenschweißen, haben sich die Geschäftsbereiche Welding Products, Automation Solutions, Automation Components, Digital Solutions und Industrial Services entwickelt. Im Gespräch erklärt CEO Stephan Pittner, warum Cloos die Automatisierung bewusst treibt und wie das die Zukunft der Schweißtechnik beeinflussen wird.

„Industrie 4.0“ ist in aller Munde. Wie setzen Sie das im Unternehmen bereits um?

Stephan Pittner: Wir haben ein eigenes Entwicklungsteam etabliert, rund um die Digitalisierung der Schweiß- und Anlagentechnik. An dieser Stelle klammern wir die beiden Bereiche manuelles und automatisiertes Schweißen, was uns unter anderem von einem reinen Schweißgerätehersteller abhebt, der sich auf die Schweißmaschine konzentriert. Mit unserer Lösung C-Gate IoT-Plattform bilden wir sowohl die Schweiß- und Prozesstechnik als auch die Automatisierungstechnik in der Digitalisierung ab. Anwender brauchen einen schnellen und übersichtlichen Zugriff auf sämtliche Produktionsdaten wie Schweißparameter, Lichtbogenzeiten, Programmlaufzeiten oder auch unterschiedliche Kennzahlen in Bezug auf die Anlageneffizienz.

© Cloos
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Was ist der Vorteil daran?

Mit C-Gate können Anwender ihre Produktionsprozesse bis ins kleinste Detail überwachen und proaktiv steuern – von der manuellen Schweißstromquelle bis zur vollautomatisierten Fertigungslinie. Mit intelligenten Algorithmen lassen sich daraus unterschiedliche Kennzahlen (KPI) ermitteln und individuell anzeigen. Somit sind die Verantwortlichen der Produktion jederzeit auf dem aktuellen Stand hinsichtlich der Produktivität der vernetzten Anlage. Mit Hilfe einer OPC-UA-Schnittstelle können die Anlagen auch in bestehende Systeme integriert werden. Hier können die Anlagendaten mit weiteren Unternehmensdaten kombiniert werden. Dies findet unter anderem Verwendung, wenn es um Nachweispflichten oder die Rückverfolgbarkeit von Produktionsdaten geht. Auf der letzten SCHWEISSEN & SCHNEIDEN vor sechs Jahren haben wir unsere Digitalisierungsplattform C-Gate vorgestellt. Heute setzen viele Kunden diese Lösung erfolgreich in ihrer Fertigung ein und steigern so die Performance der Schweißgeräte und Roboteranlagen zusätzlich.

Auf der diesjährigen SCHWEISSEN & SCHNEIDEN zeigen wir erstmals die neue Digitalisierungsplattform QNECT: Hier werden künftig sämtliche digitale Lösungen von Cloos integriert, sodass Anwender alle Informationen auf einen Blick verfügbar haben. Wir haben die digitale Welt mit QNECT als zusätzlichen Bereich in unsere Markenstruktur mit QINEO und QIROX integriert. QNECT heißt dann, dass jede Anlage, die wir liefern, mit einer Konnektivität ausgerüstet ist, worüber wir zum einen Daten erfassen und zum anderen Standardthemen umsetzen, wie zum Beispiel Servicemeldungen absetzen, Updates organisieren und so weiter. Wir arbeiten für diese neue Plattform mit einem größeren Team zusammen, das aus internationalen interdisziplinären Entwicklern besteht. Wir möchten eine Plattform aufbauen, die wir dann auch global nutzen können. Die Daten sind die Grundlage dafür, später eine KI oder einen Aktionsplan aufzusetzen, „Predictive Maintenance“ einzuleiten. Alles das ist in der Architektur der Plattform vorgesehen und wird dann mit der Sammlung der Daten sukzessive scharf geschaltet. Das ist das Ziel.

Wie sieht es mit der Umsetzung aus?

Wir beschäftigen beispielsweise einen Mitarbeiter, der in diesem Bereich promoviert. Auch in Zusammenarbeit mit Universitäten und Instituten, wie dem SDFS (Smarte Demonstrationsfabrik Siegen) prüfen wir die Features auf Nutzen und Effektivität. Beim SDFS ist eine digitale Demofabrik aufgebaut, wo eine kompakte Roboterschweißanlage von Cloos integriert ist. Mit intelligenter Programmierung, Qualitätskontrolle und KI für die automatisierte Herstellung von Schweißbaugruppen arbeitet die SDFS hier gemeinsam mit Cloos an der Schweißfabrik von morgen. Hier wird jetzt schon Produktion für kleine Losgrößen gefahren, um möglichst dicht an der Praxis zu sein. Die Möglichkeiten, die sich aus KI für die Schweißtechnik ergeben, werden wir meiner Meinung nach alle erst kennenlernen. Ein großes Bild zu malen ist redundant, da sich dieses wahrscheinlich sehr schnell selbst überholt. Wenn wir das Maximum rausholen wollen, denken wir heute wahrscheinlich schon zu klein. Sicher werden sich auch Limits zeigen. Der Schweißprozess in Gänze ist so komplex, dass ich immer noch die Experten brauche. Und sei es nur, um die Datengrundlage strukturiert sinnvoll einzubringen.

© Cloos
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Wie können Ihre Kunden Künstliche Intelligenz (KI) erfolgreich in Produkte und Prozesse implementieren und wo liegen die Grenzen?

Am Ende stoßen Organisationen an ihre Grenzen, weil sie die Fachkompetenzen nicht im Hause haben. Wir haben Kunden mit zehn Mitarbeitern, die automatisieren. Manuelles Schweißen geht weltweit zurück. Es wird immer schwerer, Schweißer zu finden. Aus diesem Blickwinkel wird das Automatisieren eine immer wichtigere Rolle spielen. Am Ende können durch KI – und Cloos versteht sich als Global Player – Daten weltweit zusammengefahren und in jeder Unternehmensgröße und Region wieder sinnvoll ausgerollt werden. Die Automation macht das schweißtechnische Ergebnis reproduzierbar, ist aber immer limitiert auf Grund der nicht vorhandenen Sinne, die ein erfahrener Schweißer hat.

Was sind die Nachteile von KI im schweißtechnischen Bereich?

Man muss sich hier immer wieder die Frage stellen: Was ist ein guter Schweißer? Er lebt von seiner Erfahrung: Er reagiert auf sein Hören und Sehen und setzt um. Die Integration der Augen und Ohren des Schweißers in den Roboter führt zu einer höheren Flexibilität und mehr Einsatzmöglichkeiten. Wenn ich eine reine Schweißautomation implementieren möchte, muss ich durch die fehlenden „Sinne“ des Roboters extrem gute Grundvoraussetzungen schaffen. Wir arbeiten an der Stelle intensiv mit Sensorik-„Vision Systemen“ zusammen, die das Auge des Roboters darstellen und parallel am Anbau der Ohren. In Zukunft brauche ich also „Acoustic“- und „Vision“-Systeme, die im Prinzip eine Qualitätsbeurteilung und einen aktiven Regelkreis anstoßen. Die KI kann die Grenzen nicht eigenständig ausfindig machen. Um den Prozess zu optimieren, benötigt sie die Qualifizierung durch einen Schweißexperten.

 

Wie beeinflusst Robotik die Schweißnahtqualität?

Zumindest gewisse menschlich beeinflusste Qualifikationsthemen müssen aus meiner Sicht schon noch stattfinden. Mit einer KI kann ich z. B. Abmessungen einer Schweißnaht kontrollieren und korrigieren. Ich kann daraus lernen. Aber auf Informationen über Porosität oder Einbrandtiefe – darauf hat die KI nur begrenzten Zugriff. Entsprechend wird es Eingriffe geben, bei denen die KI kontrolliert werden muss. Arbeitet sie für mich in die richtige Richtung oder muss ich korrigieren?

Was sind Ihre Themen auf der SCHWEISSEN UND SCHNEIDEN 2023?

Unser Messestand hat Symbolcharakter. Wir haben in der Mitte als Bindeglied eine Brücke gebaut, auf der wir unsere Digitalisierungstools zeigen. Auf der einen Seite davon zeigen wir die Prozesslandschaft und das Handschweißen, auf der anderen Seite eine komplexe Automatisierungslösung. Das ist unsere Sicht auf die Digitalisierung: eine Brücke zwischen Handschweiß-, Prozess- und Automationstechnik.

Sie nehmen auch an der Digitalisierungs-Rallye teil. Was werden Sie im Rahmen dessen präsentieren?

Im Rahmen der Digitalisierungs-Rallye zeigen wir den neuesten Entwicklungsstand unserer C-Gate IoT-Plattform. Für die Fragen der Digitalisierungs-Rallye gehen die Besucher auf die Brücke am Stand. Hier laufen alle Daten zusammen und die Besucher haben den visuellen Ausblick auf unsere einzelnen Exponate. Zusätzlich kann man auch von überall auf dem Messestand auf die Daten zugreifen. Alle Exponate sind im C-Gate angebunden. Im Prinzip zeigen wir eine Fabrik-Digitalisierung, mit der Möglichkeit, nicht nur Cloos-Schweißanlagen, sondern auch andere Systeme rund um die Metallverarbeitung mit anzubinden.

© Cloos
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Welche Produkte stehen im Fokus?

Auf unserem Messestand können die Fachbesucher die Verbindung von Technologie, Prozess und Produkt live erleben. Neben unseren digitalen Lösungen ist eine automatisierte Hightech-Fertigungslinie ein weiteres Highlight des Messestandes. Hier integrieren wir automatisierte Schweißtechnik mit Handling- und Schleifapplikationen in einer Produktionslinie. Zudem präsentieren wir die erweiterten Funktionen wie das Nahtsuchen und das neue Softwarepaket unserer Cobot-Lösung. Der QINEO ArcBoT bietet einen einfachen Einstieg in die automatisierte Schweißtechnik, entlastet die Mitarbeitenden und sichert eine gleichbleibende, reproduzierbare Schweißqualität. Bei Vorführungen im Handschweißbereich können die Fachbesucher die stetig wachsende Produktpalette an QINEO-Schweißstromquellen von Einstieg bis Premium live erleben. Darüber hinaus präsentieren wir neue und bewährte Schweißprozesse für höchste Produktivität und Qualität. Mit innovativen Prozessen wie Fine Weld und Mix Weld haben wir unser Prozessangebot für den Dünnblechbereich nochmals stark ausgebaut. Egal ob dick oder dünn, ob Aluminium oder Stahl, ob manuell oder automatisiert – die große Bandbreite bietet für jede individuelle Produktanforderung den richtigen Schweißprozess.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Quelle: DVS Media GmbH)

Schlagworte

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