Kommentar
Thomas Häusle, CBO Chief Business Officer - © EWM
25.08.2025

Interview: Die Schweißbranche im Wandel der Zeit

Um die Zukunft der Schweißtechnik zu gestalten, verfolgt EWM einen ganzheitlichen Ansatz. Der Komplettanbieter aus dem Westerwald setzt auf intelligente Automatisierung, digitale Vernetzung und nachhaltige Prozesslösungen. Im Interview erläutert Thomas Häusle, Chief Business Officer (CBO) bei EWM, wie eine Branche im Wandel technologische, ökologische und personelle Herausforderungen meistern kann.

Die Schweißtechnik hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt – von der Automatisierung bis hin zu KI-gestützten Systemen. Wie beurteilen Sie die aktuellen Entwicklungen auf dem Schweißmarkt, und welche Trends sind aus Ihrer Sicht am prägendsten?

Die Branche erlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Schweißtechnik wird zunehmend intelligenter – durch automatisierte Prozesse, digitale Vernetzung und die Integration von KI. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Robotik, sondern um eine systemische Weiterentwicklung des gesamten Prozesses.
Mit Anwendungen wie EWM React lassen sich komplexe Aufgaben materialspezifisch und reproduzierbar ausführen – unabhängig vom Erfahrungsstand des Bedieners. Das erhöht die Prozesssicherheit und reduziert Fehler. Einen weiteren Schub bringt die Digitalisierung: Durch die Vernetzung aller Komponenten – von der Stromquelle bis zur Qualitätskontrolle – entstehen neue Möglichkeiten zur Überwachung und Optimierung.
Besonders zukunftsweisend ist der Einsatz künstlicher Intelligenz. Sie wertet Prozessdaten aus, erkennt Muster und unterstützt gezielt bei der Parametrierung. So wird aus Erfahrung eine systematisch nutzbare Ressource. KI soll die Arbeit erleichtern, nicht ersetzen. Ziel bleibt es, höchste Qualität effizient und sicher zu erzielen – für jedes Material und jede Anwendung.

Schweißtechnik wird zunehmend intelligenter – durch automatisierte Prozesse, digitale Vernetzung und die Integration von KI. - © EWM
Schweißtechnik wird zunehmend intelligenter – durch automatisierte Prozesse, digitale Vernetzung und die Integration von KI. © EWM
Nachhaltigkeit ist ein immer wichtiger werdendes Thema. Inwiefern spielt das Thema Energieeffizienz und Emissionsreduktion in der Schweißindustrie eine Rolle, und wie reagiert EWM auf diese Herausforderungen?

Energieeffizienz und Emissionsreduktion – insbesondere beim Schweißrauch – sind zentrale Faktoren moderner Schweißtechnik. Sie beeinflussen nicht nur die Umweltbilanz, sondern auch Wirtschaftlichkeit und Arbeitssicherheit.
EWM setzt hier auf einen ganzheitlichen Ansatz. Unsere modernen Inverter-Stromquellen arbeiten besonders energieeffizient und senken den Stromverbrauch im Vergleich zu konventionellen Geräten spürbar – ohne Kompromisse bei Schweißqualität oder Prozessstabilität. Ergänzt wird das durch ausgeklügelte Kühlsysteme, die Wärmeverluste minimieren und gleichzeitig die Lebensdauer der Geräte verlängern.
Doch nachhaltige Technik endet nicht am Gerät: Sie beginnt bei der richtigen Prozessauswahl, setzt sich fort in der intelligenten Steuerung und findet Ausdruck in der digitalen Vernetzung der gesamten Schweißinfrastruktur. Systeme wie ewm Xnet schaffen Transparenz über Verbräuche und ermöglichen eine gezielte Optimierung. Auch integrierte Schweißrauchabsaugungen gehören für uns zur Standardausstattung – weil nachhaltiges Schweißen immer auch Gesundheitsschutz bedeutet.

Der Fachkräftemangel stellt eine große Herausforderung für viele Branchen dar, auch für die Schweißtechnik. Wie sehen Sie die Auswirkungen auf dem Markt und welche Lösungen bietet EWM, um den Bedarf an qualifizierten Fachkräften zu decken und gleichzeitig Innovationen voranzutreiben?

Die Branche steht vor einem Paradigmenwechsel – technologisch wie kulturell. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, verfolgen wir bei EWM vier zentrale Ansätze: Erstens erhöhen wir die Attraktivität des Berufsbilds durch moderne Arbeitsumfelder und flexible Entwicklungspfade. Zweitens setzen wir auf praxisnahe und digital unterstützte Ausbildungsformate – vom virtuellen Schweißtrainer bis zur KI-gestützten Fehleranalyse. Drittens nutzen wir Automatisierung gezielt, um Fachkräfte zu entlasten und ihren Fokus auf wertschöpfende Aufgaben zu lenken. Und viertens verstehen wir Digitalisierung als Schlüssel zur Effizienzsteigerung: Mit ewm Xnet vernetzen wir die gesamte Flotte – und übersetzen Daten in konkrete Handlungsempfehlungen.

(Quelle: EWM)

Schlagworte

AutomatisierungEnergieeffizienzGesundheitsschutzInterviewKIRobotikSchweißen

Verwandte Artikel

18.10.2026

PFAS-freie Antihaft-Beschichtungen für das Kunststoffschweißen

PFAS-frei, verschleißfest und energieeffizient: Mit dem neuen Forschungsprojekt „PTFE-Sub“ entwickeln das Kunststoff-Zentrum SKZ und Innovent innovative Sol-Gel-Beschicht...

Energieeffizienz Fügen von Kunststoffen Heizelementstumpfschweißen Joining Plastics JP Kunststoffschweißen PFAS-frei PTFE Recycling Schweißen
Mehr erfahren
17.10.2026

Montage des Elektrolichtbogenofens abgeschlossen

Die voestalpine stellt an ihrem Standort in Donawitz im 1. Halbjahr 2027 ihre Produktion teilweise auf eine elektrifizierte Stahlerzeugung um und kann im Vollbetrieb jähr...

Automatisierung CO₂-Reduzierung Elektrifizierung Elektrolichtbogenofenanlage Stahlerzeugung Stahlwerke
Mehr erfahren
16.10.2026

Transparenz und Konnektivität beim Roboterschweißen

Für Linde Material Handling in Aschaffenburg hat Yaskawa eine hochautomatisierte Schweißanlage für Gabelstaplerrahmen und Fahrerschutzdächer geplant und realisiert. Neben...

Automatisierung Digitaler Zwilling Fertigung Heften Prozessüberwachung Qualitätssicherung Roboterschweißen Schweißanlage Schweißen Steuerung
Mehr erfahren
Timo Clasen, Jürgen Raun, Ronald Pajuelo, Lucas Hammerschmidt, Alexander Graf, Tim von Trebiatowski
DVS Group
15.10.2026

Auf dem Weg zur Schweißweltmeisterschaft

„Jugend schweißt“-Gewinner treten beim Arc Cup in China an, der vom 15. bis 20. Oktober in Nantong City in der chinesischen Provinz Jiangsu stattfindet.

Gasschmelzschweißen Jugend schweißt Lichtbogenhandschweißen Metall-Schutzgasschweißen Nachwuchsförderung Schweißen Wettbewerb Wolfram-Inertgasschweißen
Mehr erfahren