Die Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH Jena) stärkt Forschung und Lehre rund um ressourceneffiziente Produktionsprozesse und nachhaltige Kunststofftechnik. Seit dem 1. April 2026 hat Prof. Dr. Gernot Hochleitner die neue Stiftungsprofessur für ressourceneffiziente Produkt- und Prozessentwicklung inne. Ein Schwerpunkt liegt auf neuartigen Kunststofffügeverfahren, mit denen Materialien nachhaltiger in Produktionskreisläufe zurückgeführt werden sollen.
Die Carl-Zeiss-Stiftung fördert die Professur im Rahmen des Programms „CZS Stiftungsprofessuren HAW“ mit insgesamt 1,5 Millionen Euro. Die Förderung läuft über fünf Jahre von April 2026 bis März 2031. Ziel der Professur ist die nachhaltige Transformation industrieller Produktion. Im Fokus stehen ressourceneffiziente Produktentwicklung und Prozessgestaltung, Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Kunststoffe sowie die digitale Prozessoptimierung.
Neue Ansätze für das Fügen von Kunststoffen
Für die Fügetechnik besonders relevant ist die Entwicklung neuer Kunststofffügeverfahren. Sie sollen dazu beitragen, Werkstoffe nach ihrer Nutzung wieder in den Produktionskreislauf zurückzuführen. In diesem Zusammenhang beschäftigt sich die Professur unter anderem mit rezyklierten und biobasierten Polymeren, Leichtbau- und Hybridmaterialsystemen sowie reversiblen Fügeansätzen.
Ergänzt werden diese Forschungsfelder durch additive Fertigungsverfahren. Mit ihnen sollen bioinspirierte und biomimetische Mikrostrukturen realisiert werden, die zur Entwicklung leistungsfähiger neuer Produkte beitragen können.
Die dafür neu gegründete Forschungsgruppe „Nachhaltige Kunststofftechnik“ verbindet Materialwissenschaft, Produktentwicklung und Fertigungstechnik. Ihre Arbeit reicht von der materialwissenschaftlichen Analyse und Machbarkeitsstudien bis zur Herstellung und Erprobung von Prototypen und Demonstratoren. Dabei soll der gesamte Produktlebenszyklus unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten betrachtet werden.
Für Prof. Dr. Gernot Hochleitner greift eine rein ökologische Betrachtung deshalb zu kurz: „Nachhaltigkeit bedeutet mehr als nur umweltfreundliches Handeln.“ Neben ökologischen Aspekten müssten auch gesellschaftliche Verantwortung, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit in Forschung und Lehre berücksichtigt werden.
Brücke zwischen Forschung und Industrie
Einen weiteren Schwerpunkt setzt die Stiftungsprofessur beim Transfer in die industrielle Praxis. Externe Partner aus der Wirtschaft sollen unter anderem durch Gastvorträge, Praktika und gemeinsame Seminararbeiten in die Lehre eingebunden werden. Studierende sollen damit praxisnah auf ressourcenschonende und zirkuläre Produktionsprozesse vorbereitet werden.
Gernot Hochleitner sieht darin zugleich eine wichtige Voraussetzung für den Übergang zur Kreislaufwirtschaft. „Den Wandel zur zirkulären Wirtschaft sehe ich als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, erklärt der Professor. Zugleich betrachtet er diese Transformation als Chance für Innovation. Entscheidend seien dafür enge und dauerhaft gepflegte Kooperationen zwischen Industrie und Forschung. Den Aufbau eines solchen Netzwerks zählt Hochleitner zu den zentralen Aufgaben seiner Professur.
Mit der neuen Stiftungsprofessur verbindet die Ernst-Abbe-Hochschule damit Fragestellungen der nachhaltigen Kunststofftechnik unmittelbar mit Produktentwicklung, Fertigungstechnik und industrieller Anwendung. Gerade die Forschung an recyclinggerechten und reversiblen Fügeverfahren rückt dabei einen Bereich in den Mittelpunkt, der für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft von Bedeutung ist.
(Quelle: Ernst-Abbe-Hochschule Jena)
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