Forschung
Neue Verbindungtechnologie mit 200 Nanometer dünnen Drähten als Lösung für leistungsstarke Elektronik der Zukunft. - © Fraunhofer IZM
19.01.2024

Neue Verbindungstechnologie mit Nanodrähten für High-Performance Elektronik

Neue Verbindungstechnologie mit Nanodrähten setzt Maßstäbe für High-Performance Elektronik

Der Platz wird eng auf elektronischen Chips: Hochleistungsfähige Elektronik erfordert immer mehr Verbindungen auf kleinstem Raum, bisherige Verfahren stoßen dabei jedoch an ihre Grenzen. Forschende vom Fraunhofer IZM-ASSID haben gemeinsam mit Partnern eine von der NanoWired GmbH patentierte Verbindungstechnologie weiterentwickelt, die auf Kontaktierungen im Nanometer-Maßstab abzielt. Zusätzlich zur Technologie demonstrieren sie, wie diese für die industrielle Fertigung auf 300 mm Wafern angewandt werden kann.

Für eine effiziente digitale Zukunft und technologische Souveränität erweisen sich Hoch- und Höchstleistungsrechner von enormer Bedeutung. Beim so genannten High Performance Computing (HPC) erfassen Rechenzentren riesige Datenmengen und führen damit komplexe Berechnungen durch. Zum Einsatz kommt HPC also immer dort, wo rechenintensive Operationen in Hochgeschwindigkeit erforderlich sind: Dies kommt besonders der Wissenschaft für das Erstellen aufwändiger Simulationen und Algorithmen zugute, aber auch bei der Optimierung von Verkehr, Logistik, Industrie oder Präzisionsmedizin finden die Superrechner bereits heute Anwendung. Dabei ist HPC nur eine von vielen zukunftsträchtigen Anwendungen, deren Grundlage Leistungsfähigkeit und Effizienz sind.

Um diese hohen Anforderungen zu erfüllen, sind neue Verbindungstechnologien entscheidend. Die Idee dahinter ist: Je kleiner der Pitch, also der Abstand zwischen elektronischen Kontaktpunkten, desto mehr Transistoren und Schaltkreise können auf einem Chip untergebracht werden, was wiederum zu einer höheren Leistungsfähigkeit führt. Bisher haben sich bei Flip-Chip-Anwendungen die Kupfer-Bumps mit Lot als Standardtechnologie erwiesen. Bei zunehmender Miniaturisierung stößt dieses Verfahren jedoch an seine Grenzen, da das Lotmaterial austreten und zu Kurzschlüssen führen kann.

Neue Verbindungtechnologie mit 200 Nanometer dünnen Drähten als Lösung für leistungsstarke Elektronik der Zukunft. - © Fraunhofer IZM
Neue Verbindungtechnologie mit 200 Nanometer dünnen Drähten als Lösung für leistungsstarke Elektronik der Zukunft. © Fraunhofer IZM

Um innovative Alternativen zu finden, forscht Jun.-Prof. Dr.-Ing. Iuliana Panchenko mit ihrem Team am Fraunhofer IZM-ASSID an neuen Verbindungstechnologien für kleine Kontaktierungen unter 10 Mikrometern. Im Rahmen des Fraunhofer-geförderten SME-Projekts „NanoInt“ entwickelte das Team gemeinsam mit Partner*innen aus Wissenschaft und Industrie eine vielversprechende Lösung mit Nanodrähten aus Kupfer und evaluierte das Verfahren erfolgreich für die Anwendung auf 300 Millimeter breiten Silizium-Wafern.

Im Vergleich zu anderen Ansätzen wie dem Löten mit Kupfer oder Lot Bumps, dem Hybrid- oder Kompressions-Bonden bietet die direkte Kupferverbindung mit Nanodrähten einige Vorteile. Diese Verbindungstechnologie toleriert dank des Steckprinzips (Nanodraht-zu-Nanodraht) mehr Höhenvariationen, benötigt keine weiteren Metalle, bietet mehr Designfreiheit und gewährleistet gute mechanische Festigkeit. Zudem kann die Kontaktierung schon unter Raumtemperatur und bei geringem Bonddruck realisiert werden. Dadurch ist die ressourcenschonende Technologie auch für Low-Temperature-Bonding und somit für temperaturempfindliche und dünne Chips geeignet.

In der ersten Projektphase lag der Fokus darauf, das Wachstum der Nanodrähte an den Verbindungstellen auf dem ganzen 300 mm Wafer so homogen wie möglich zu realisieren. Das Forschungsteam nutzte dafür Membranen, die mit feinen Poren versehen sind. Der Porendurchmesser ist entscheidend für die Dicke der Nanodrähte und kann zwischen 100 nm und 1 μm variiert werden. Um leitfähige und zuverlässige Verbindung zu erzeugen, musste die Porendichte vorab evaluiert werden. In einem galvanischen Prozess wachsen die Kupfer-Nanodrähte in den Poren der Membran. Durch Prozessoptimierungen wurde eine Variation der Nanodraht-Höhen von circa 20 Prozent auf dem gesamten Wafer erreicht. Zusätzlich hat das Forschungsteam eine Prozessabfolge entwickelt, mit der die Nanodrähte während der Ätzprozesse geschützt werden, so dass die leitfähige Kupfer-Keimschicht auf dem Wafer entfernt werden kann.

Neue Verbindungtechnologie mit 200 Nanometer dünnen Drähten als Lösung für leistungsstarke Elektronik der Zukunft. - © Fraunhofer IZM
Neue Verbindungtechnologie mit 200 Nanometer dünnen Drähten als Lösung für leistungsstarke Elektronik der Zukunft. © Fraunhofer IZM

Um die Verbindungstechnologie applikationsnah zu evaluieren, demonstrierten die Forschenden die Integration des Verfahrens in die industrielle Prozessierungskette. Hierfür wurden die optimalen Parameter für das weitere Assembly solcher Aufbauten identifiziert und unter besonderer Prüfung der Reproduzierbarkeit, Homogenität, mechanischer Festigkeit und Industrietauglichkeit umgesetzt.

Am Ende des Projekts demonstrierten die Partnerinnen und Partner einen 300 mm Silizium-Wafer mit gleichmäßigen Nanodrähten als Bumps und einen Chip-zu-Chip-Aufbau mit Nanodraht-Verbindungen. Damit zeigen sie die erfolgreiche Systemintegration für 2,5D und 3D-Aufbauten ohne den Einsatz von Flussmitteln. Im Ergebnis wird die Technologie bereits für die Industrie angeboten. In anstehenden Forschungsprojekten sollen die Kontakte sogar von 10 auf unter 5 Mikrometer schrumpfen. Perspektivisch lassen sich die Anwendungsbereiche der Nanodraht-Verbindungstechnologie ausweiten, so dass sie für komplexe Packages mit Fine-Pitch und großflächigen Kontakten einsetzbar wird.

Weitere Partner im Projekt NanoInt sind die NanoWired GmbH, das Fraunhofer IMWS und die IAVT der TU Dresden.

(Quelle: Presseinformation des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM, Text: Olga Putsykina)

Schlagworte

ChipindustrieElektronikElektronikindustrieFügetechnikHochleistungselektronikNanodrähteVerbindungstechnik

Verwandte Artikel

23.09.2026

Konferenz für nachhaltige Werkstofftechnik

Das Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnik (IWW) der Technischen Universität Chemnitz veranstaltet am 17. und 18. März 2027 das 25. Werkstofftechnische K...

Additive Fertigung Auftragschweißen Fertigungstechnik Fügetechnik Kolloquium Konferenz Löten Oberflächentechnik Schweißen Wasserstoff Wasserstofftechnologien Werkstofftechnik Werkstoffwissenschaft
Mehr erfahren
21.09.2026

Fabtech 2026: EWM baut Präsenz in Nordamerika aus

EWM hat seinen ersten eigenen Stand auf Nordamerikas größter Schweißmesse Fabtech, die vom 21. bis 23. Oktober 2026 in Las Vegas stattfindet.

Automatisiertes Schweißen Fachmesse Fügetechnik Heißdrahtschweißen Kaltdrahtschweißen Lichtbogenschweißen Manuelles Schweißen Nordamerika Schweißen Schweißtechnik WIG-Schweißen
Mehr erfahren
19.09.2026

Prozess- und Schutzmaterialien für Elektronik- und Industrieanwendungen

Stannol erweitert sein Produktportfolio und ist ab sofort Distributor von Roartis. Das belgische Unternehmen entwickelt und produziert Prozess- und Schutzmaterialien für...

Automobilindustrie Elektronik Elektronische Baugruppen Fertigungsprozesse Halbleiterindustrie Leitfähige Klebstoffe Luft- und Raumfahrt Medizintechnik Schutzmaterialien
Mehr erfahren
Teilnehmer des Kurses DVS 2281/2282
18.09.2026

Internationaler Wissensaustausch am SKZ

Das Kunststoff-Zentrum SKZ empfing kürzlich zwei Fachleute aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu einem intensiven Trainings- und Qualifizierungsprogramm im Bereich K...

Fügen von Kunststoffen Fügetechnik Joining Plastics JP Kunststoffschweißen Kunststoffverarbeitung Qualifizierung Qualitätssicherung Schulungen Weiterbildung
Mehr erfahren
DVS-Präsidentin Dipl.-Betriebsw. Susanne Szczesny-Oßing
DVS Group
16.09.2026

Susanne Szczesny-Oßing erneut zur DVS-Präsidentin gewählt

Dipl.-Betriebsw. Susanne Szczesny-Oßing ist vom Vorstandsrat des DVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V. erneut zur Präsidentin gewählt worden...

Beschichtungstechnik DVS Ehrenamt Fügetechnik Modernisierung Präsidentschaft Schweißen Trenntechnik Vorstand
Mehr erfahren