Forschung
Kunststofffolie mit stabiler Antihaftbeschichtung, hergestellt nach dem zweistufigen niederenergetischen Ebeam-induzierten Beschichtungsverfahren „Ebeam-Grafting“ . - © Fraunhofer FEP
07.11.2022

Niederenergetischer Elektronenstrahl für Antifouling-Beschichtungen

Niederenergetischer Elektronenstrahl als multifunktionales Werkzeug für Antifouling-Beschichtungen

Mit der Elektronenstrahltechnologie können Oberflächen zuverlässig behandelt und funktionalisiert werden. Jetzt gelang am Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP die Erzeugung von Antihaftbeschichtungen auf Kunststofffolien durch die Beaufschlagung mit niederenergetisch-beschleunigten Elektronen ohne Einsatz zusätzlicher chemischer Vernetzer.

Antifouling-Beschichtungen verhindern die Ansiedlung unerwünschter Organismen an Oberflächen. Dies ist besonders beim Schiffsbau nötig, aber auch bei medizinischen Geräten und Implantaten wichtig. Die niederenergetische  Elektronenstrahltechnologie (Ebeam) ist ein multifunktionales Werkzeug mit einem breiten Anwendungsspektrum, das gezielt zur Modifizierung von Oberflächen eingesetzt werden kann. Durch den Einsatz der niederenergetischen Elektronenstrahltechnologie können Oberflächen entweder schonend desinfiziert bzw. sterilisiert, Materialien durch Vernetzungsprozesse oberflächensensitiv gehärtet oder Oberflächeneigenschaften, wie Benetzbarkeit, effektiv moduliert werden. Innovative oberflächensensitive Funktionalisierungstechnologien garantieren den Erhalt der Materialeigenschaften, während gleichzeitig die Oberflächeneigenschaften angepasst werden können. Die Verwendung von geringen Beschleunigungsspannungen (< 300 Kilo-Elektronenvolt, keV) bei niederenergetischen, nicht-thermischen Elektronenstrahlprozessen garantiert die sehr gute Materialverträglichkeit und einen nachhaltigen Materialerhalt.

Was kann ganz konkret bewirkt werden?

Nic Gürtler, Doktorand im Bereich Medizinische und Biotechnologische Applikationen am Fraunhofer FEP erklärt im Detail: „Die Oberflächenfunktionalisierung mit beschleunigten Elektronen ist schnell und kommt ganz ohne umweltschädliche Chemie aus. Durch die niederenergetisch beschleunigten Elektronen können oberflächennah chemische Bindungen umstrukturiert, vernetzt, gebrochen oder neu gebildet werden. Treffen beschleunigte Elektronen auf eine Oberfläche,  entstehen verschiedene reaktive Spezies wie Ionen und Radikale, die bei oberflächenspezifischen Modifikationsprozessen eine wichtige Rolle spielen. Die atmosphärischen Umgebungsbedingungen während des Elektronenstrahlprozesses können individuell an das Material angepasst werden und beeinflussen so den gewünschten Grad der Funktionalisierung. Konkret konnten wir eine stabile, nicht-toxische Hydrogelbeschichtung auf hydrophoben Polyethylen (PE)- und Polyethylenterephthalat (PET)-Folien erreichen.“

Kunststofffolie mit stabiler Antihaftbeschichtung, hergestellt nach dem zweistufigen niederenergetischen Ebeam-induzierten Beschichtungsverfahren „Ebeam-Grafting“ . - © Fraunhofer FEP
Kunststofffolie mit stabiler Antihaftbeschichtung, hergestellt nach dem zweistufigen niederenergetischen Ebeam-induzierten Beschichtungsverfahren „Ebeam-Grafting“ . © Fraunhofer FEP

Das Ebeam-gestützte Beschichtungsverfahren Ebeam-Grafting (Pfropfung) bietet die Chance, Materialien mit selektiven Oberflächenfunktionen auszustatten, so dass je nach Anforderungsprofil biozide, biokompatible oder Antifouling-Eigenschaften erzielt werden können. Alle Prozessparameter des nicht-thermischen Ebeam-induzierten
Beschichtungsvorganges können individuell überwacht und modular angepasst werden.

Im Rahmen von verschiedenen Forschungsarbeiten am Fraunhofer FEP konnte das Ebeam-Grafting bereits als zweistufiges Beschichtungsverfahren erfolgreich zur Ausrüstung von verschiedenen hydrophoben Kunststoffoberflächen mit Antifouling-Attributen etabliert werden. Die nach dem Ebeam-Grafting zellabweisenden und proteinabweisenden Oberflächeneigenschaften können sowohl in technischen Branchen sowie speziell  im Bereich der Biomaterialforschung als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer medizinischer Geräte oder Implantate genutzt werden, wo eine unkontrollierte Biofilmbildung verhindert werden soll. Diese Ebeam-Funktionalisierungsprozesse können beispielsweise in der Dentalmedizin helfen, Zahnimplantate zu optimieren.

Die niederenergetische Elektronenstrahltechnologie und damit auch das Ebeam-Grafting ist inline-fähig, das heißt einfach in industrielle Prozesse kundenspezifisch integrierbar. Um beispielsweise eine Modifizierung großer flexibler Flächen, wie bei Verpackungen, zu realisieren, kann die Technologie auch in Rolle-zu-Rolle-Anlagen implementiert werden. Frau Dr. Ulla König, Leiterin des Bereiches Medizinische und Biotechnologische Applikationen, fasst zusammen: „Eine der Kernkompetenzen des Fraunhofer FEP ist die Entwicklung spezieller niederenergetischer Elektronenstrahlquellen und -systeme für ein breites Anwendungsspektrum. Der Arbeitsschwerpunkt konzentriert sich auf die technologische Entwicklung individueller kundenspezifischer Anlagenkonzepte.“

(Quelle: Presseinformation des Fraunhofer-Instituts für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP)

Schlagworte

ElektronenstrahlKunststoffeKunststofffolieOberflächenbehandlungSchiffbau

Verwandte Artikel

19.06.2026

SCHWEISSEN & SCHNEIDEN präsentiert sich auf Gemeinschaftsstand der EURO DEFENCE EXPO

Vom 22. bis 25. September 2026 findet in Essen erstmals die EURO DEFENCE EXPO (EUDEX) parallel zur Security Essen statt. Auch die SCHWEISSEN & SCHNEIDEN ist mit einem Ge...

Beschichtungstechnik Defence Fahrzeugbau Fügetechnik Luft- und Raumfahrt Militär Schiffbau Schneiden Schneidtechnik Schweißen SCHWEISSEN & SCHNEIDEN Schweißtechnik Sicherheitslösungen Trenntechnik Verteidigungsindustrie
Mehr erfahren
13.06.2026

Strategische Partnerschaft stärkt globale Fertigungstechnologien

Frimo Innovative Technologies und die Chango Group haben eine strategische globale Technologiepartnerschaft geschlossen.

Automatisierung Fertigungstechnologien Fügen von Kunststoffen Joining Plastics Kunststoffe Partnerschaft Schweißtechnologien
Mehr erfahren
Probenvorbereitung für ortsaufgelöste OIT-Messungen mittels Rotationsmikrotom.
08.06.2026

Zustandsbewertung von PE‑Gasrohren mit Kleinstproben

Das Kunststoff‑Zentrum SKZ hat gemeinsam mit Partnern aus der Gaswirtschaft ein neues Prüf‑ und Bewertungskonzept zur Zustandsbewertung erdverlegter Polyethylen‑Gasrohre...

Bewertung Fügen von Kunststoffen Gasrohre Joining Plastics JP Kunststoffe Polyethylen Rohre Zustandsbewertung
Mehr erfahren
06.06.2026

Lernen formt Zukunft – KIMW startet Branchen-Initiative

Mit einem regionalen Austauschformat startet das Kunststoff-Institut Lüdenscheid eine Branchen-Initiative, um Unternehmen gezielt bei der Einordnung relevanter Entwicklun...

Fachkräftemangel Fügen von Kunststoffen Joining Plastics JP Kunststoffbranche Kunststoffe Weiterbildung
Mehr erfahren
Faseroptische Komponenten basierend auf Spezialfasern, wie so genannten Triple-Clad-Fasern, ermöglichen die Herstellung optimierter Lasersysteme für den Wellenlängenbereich von 2 µm.
06.06.2026

Faseroptische Komponenten ermöglichen leistungsstarke 2 µm Faserlaser

Im Eurostars-Projekt Decomp hat das LZH neuartige faseroptische Komponenten entwickelt, die bisherige technische Hürden überwinden.

Faserlaser Fügen von Kunststoffen Joining Plastics JP Kunststoffbearbeitung Kunststoffe Lasersysteme
Mehr erfahren