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09.01.2022

Ob live oder online: Reden halten, die ankommen

Reden halten, die ankommen – 12 Tipps

Inhaber und Manager von Unternehmen müssen oft Reden halten zu ganz unterschiedlichen Anlässen sowie im Rahmen von (Vertriebs-)Kick-offs, Verbands- und Händlertagungen. Bei Reden erlahmt das Interesse der Zuhörer jedoch oft schon nach wenigen Minuten. Dabei blicken sie der Rede – beispielsweise ihres Chefs – meist durchaus gespannt entgegen . Entsprechend leicht könnten Redner ihr Publikum begeistern. Zwölf Tipps, wie Ihnen dies gelingt.

Tipp 1: Glaubwürdig und authentisch sein.

Der Erfolg einer Rede hängt stark davon ab, wie sympathisch der Redner den Zuhörern ist. Doch wie gewinnt er deren Sympathie? Vor allem dadurch, dass er authentisch wirkt. Die Rede sollte ihm also auf den Leib geschneidert sein. Unglaubwürdig wirkt es, wenn ein Erbsenzähler sich als Witzbold präsentiert oder sich ein Einzelkämpfer sich verbal mit den Anwesenden verbrüdert. Dann gehen die Zuhörer auf Distanz.

Tipp 2: Die Zuhörer auf eine Gedankenreise mitnehmen.

Ein Redner gleicht einem Reiseführer. Er nimmt seine Zuhörer mit auf eine Gedankenreise – zum Beispiel durch das kommende Geschäftsjahr. Also sollte er sich im Vorfeld überlegen: Was ist der Anlass der Reise? Wohin soll sie gehen? Und: Wer nimmt an der Reise teil? Erst danach sollte er das Reiseprogramm, also den Inhalt und Ablauf der Rede, planen.

Tipp 3: Sich vorab überlegen: Wer ist mein Gegenüber?

Beim Planen Ihrer Rede sollten Sie wissen: Wer sitzt mir gegenüber? Und: Welche Beziehung besteht zwischen den Zuhörern? Kennen sie sich gut oder sehen sie sich nur einmal jährlich? Gehören sie derselben Organisation an oder nicht? Denn wenn Ihre Zuhörer Tag für Tag zusammenarbeiten, haben sie gemeinsame Erfahrungen: Auf diese können Sie sich beziehen. Sehen sie sich hingegen nur einmal pro Jahr, sollten Sie auf andere Elemente zurückgreifen, um ihr Gehör zu finden. Zum Beispiel die Entwicklung in der Branche. Oder solche branchenübergreifenden Themen wie die Digitalisierung oder die aktuellen Corona-Folgen.

Tipp 4: Mit den Zuhörern kommunizieren.

Ein guter Redner kommuniziert mit seinen Zuhörern – auch mit den Augen. Tragen Sie deshalb Ihre Rede so frei wie möglich vor. Sprechen Sie das Publikum auch persönlich an – jedoch nicht, indem Sie alle zwei, drei Minuten die Floskel „Meine sehr verehrten Damen und Herren“ verwenden. Stellen Sie den Zuhörern vielmehr rhetorische Fragen wie „Kennen Sie folgende Situation, ...?“ oder „Geht es auch Ihnen so, dass ...?“. Integrieren Sie zudem Beispiele aus der Erfahrungswelt der Zuhörer in Ihre Rede. Auch etwas Humor und Selbstironie schaden nie.

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Tipp 5: Sich kurz fassen.

Je kürzer eine Rede ist, umso besser ist sie meist. Eine Festrede zur Weihnachtsfeier sollte beispielsweise maximal fünfzehn Minuten dauern. Denn bei diesem Event steht das gemeinsame Feiern zentral. Anders ist dies bei einer Rede zum Beispiel bei einem Vertriebs-Kick-off zu Jahresbeginn. Sie soll die Zuhörer auf die Herausforderungen im neuen Jahr einstimmen. Also kann die Rede mehr Infos enthalten und einen appellativeren Charakter haben.

Tipp 6: Auf die Kernbotschaften konzentrieren.

Eine Rede sollte höchstens drei Kernbotschaften enthalten. Zum Beispiel: Die Arbeitsplätze sind sicher. Unser Unternehmen sieht trotz Corona einer rosigen Zukunft entgegen. Und: Dass es ihm gut geht, verdanken wir dem Engagement aller Mitarbeiter.

Tipp 7: Die Gedankenreise planen.

Für das inhaltliche Planen Ihrer Rede können Sie die Mindmapping-Methode nutzen. Sie funktioniert wie folgt: Schreiben Sie in die Mitte eines Blatt Papiers das Thema oder den Anlass der Rede. Zum Beispiel: „Unternehmensstrategie 2022“. Notieren Sie dann entlang von Linien, die von diesem Zentrum ausgehen, alles, was Ihnen hierzu einfällt. Zum Beispiel: „Innovation“, „Digitalisierung“, „New Work“, „Vertrieb“. So bekommen Sie einen Überblick über die möglichen Redeinhalte. Und wenn Sie merken, es wird zu viel? Dann streichen Sie einfach einige (Seiten-)Arme.

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Tipp 8: Knackig einsteigen, feurig enden.

Planen Sie den Beginn und Schluss Ihrer Rede besonders sorgfältig. Wie aufmerksam das Publikum Ihnen zuhört, hängt weitgehend vom Einstieg ab. Gute Einstiege sind Anekdoten. Bauen Sie Ihre Rede dramaturgisch auf. Alles sollte auf ein Finale zustreben, das dafür sorgt, dass Ihre Rede dem Publikum im Gedächtnis bleibt – wie bei einem Feuerwerk.

Tipp 9: Kurze, aussagekräftige Sätze.

Eine Rede sollte aus möglichst kurzen Sätzen bestehen. Bei Schachtelsätzen besteht die Gefahr, dass der Redner sich verheddert. Dann werden ungeübte Redner oft nervös und verhaspeln sich immer häufiger. Und irgendwann wartet das Publikum nur noch auf Versprecher.

Tipp 10: Eine aktive, bildhafte Sprache. Wichtig ist eine aktive Sprache.

Also zum Beispiel „Wir planen ...“ statt „Unsere Planung sieht vor ...“ Durchforsten Sie Ihr Manuskript nach substantivierten Verben wie „Durchführung“ und „Neuorientierung“. Taucht ein solches Wort auf, können Sie die Aussage meist „knackiger“ formulieren.

Tipp 11: Die Rede laut üben.

Sicherheit gewinnen Sie durch eine gute Vorbereitung. Hierzu zählt das laute Üben der Rede. Speziell den Einstieg, das Ende und die Übergänge zwischen den Redepassagen sollten Sie so lange üben, bis Sie diese sozusagen auswendig kennen. Stoppen Sie beim Üben die Dauer der Rede, damit Sie die vorgesehene Zeit nicht überschreiten.

Tipp 12: Bei Pannen Ruhe bewahren.

Geraten Sie nicht in Panik, wenn Sie bei Ihrer Rede – trotz guter Vorbereitung – sich mal versprechen oder den roten Faden verlieren. Denn das Reden-halten ist nicht Ihr Haupt-Job. Deshalb tragen kleine Patzer eher dazu bei, dass Sie authentisch wirken.

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10 Tipps für eine souveräne Online-Rede

Folgende Tipps sollten Sie als Führungskraft unter anderem beherzigen, wenn Sie online eine Rede halten.

Tipp 1: Nie sitzen!

Wenn wir sitzen, gestikulieren wir kaum und unterstreichen somit auch die Bedeutung unserer Worte weniger. Wenn Sie als Redner stehen und sich bewegen, senden Sie an Ihre Zuhörer mehr körpersprachliche Signale. Das erhöht Ihre Wirkung und die Ihrer Aussagen.

Tipp 2: So aktiv wie bei Präsenz-Vorträgen agieren!

Wenn wir mit einem nicht sichtbaren Publikum kommunizieren, zeigen wir meist auch weniger Mimik. Dann wirken unsere Worte schnell fad. Puschen Sie sich vor Ihrem Auftritt also energetisch – ähnlich wie ein Schauspieler.

Tipp 3: Auf eine gute Beleuchtung achten!

Achten Sie auf eine gute Ausleuchtung des Raums. Insbesondere auf Ihr Gesicht sollten keine Schatten fallen, damit man auch Ihre Mimik und Augensprache gut sieht.

Tipp 4: Die Kernbotschaften grafisch unterstreichen!

Online ist es schwieriger, Botschaften glaubhaft und eindrücklich zu vermitteln als in Präsenz-Veranstaltungen. Heben Sie deshalb Ihre Kernbotschaften heraus – zum Beispiel mit Grafiken oder kurzen Videos.

Tipp 5: Vorsicht mit der Technik!

Je instabiler die Verbindung ist, umso unprofessioneller wirkt Ihr Vortrag. Je stärker Sie während Ihrer Rede mit der Technik beschäftigt sind, umso unpersönlicher kommen Sie rüber. Sorgen Sie vor und bei wichtigen Reden – mit einem grösseren Auditorium – für eine personelle, technische Unterstützung.

Tipp 6: Für Abwechslung sorgen!

Probieren Sie auch mal neue Dinge aus, wie Musik im Hintergrund oder Comics. Alles was für eine spannende Dramaturgie sorgt, ist erlaubt.

Tipp 7: Mit Storytelling arbeiten!

Nehmen Sie Ihre Zuhörer mit auf eine Gedankenreise. Zum Beispiel durch das kommende Geschäftsjahr. Überlegen Sie vorab: Was ist der Anlass der Reise? Wohin soll sie gehen? Und: Wer nimmt an der Reise teil?

Tipp 8: Auf die Umgebung achten!

Es ist zwar menschlich, wenn zum Beispiel die Unordnung in Ihrem Arbeitszimmer auch einen persönlichen Eindruck von Ihnen vermittelt. Doch entspricht dies der Botschaft, die Sie vermitteln möchten? Checken Sie dies vor Ihrem Online-Auftritt.

Tipp 9: Auf ein gepflegtes Äußeres achten!

Dasselbe gilt für Ihr Aussehen. Es wirkt zwar lässig, wenn man den Chef mit Dreitage-Bart oder die Chefin im Schlapper-T-Shirt sieht. Doch geht davon die gewünschte Wirkung aus?

Tipp 10: Die Menschen nicht vergessen!

Bei Online-Reden sieht der Redner in der Regel die Gesichter der Zuhörer nicht. Zumindest kann er mit ihnen nicht per Blickkontakt kommunizieren. Sprechen Sie deshalb regelmässig einzelne Personen persönlich oder Personengruppen wie die Techniker, die Auszubildenden oder die Mitarbeiter im Homeoffice direkt an.

(Autorin: Barbara Liebermeister, Leiterin des Instituts für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ), Frankfurt (www.ifidz.de). Die Managementberaterin und Buchautorin ist eine gefragte Vortragsrednerin u.a. zu den Themen Leadership, (Selbst-)Führung und Networking.)

Schlagworte

Führungskompetenz

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