Forschung
Dipl.-Ing. Jens Jerzembeck, Geschäftsführer der DVS Forschung - © DVS, Fotografie Neuhaus
03.09.2026

Regierung droht Mittelstandsforschung weiter auszubremsen - Forschungsvereinigungen fordern Kurskorrektur im Bundeshaushalt

Sie interessieren sich für Neuigkeiten aus dem DVS-Verband oder seinen Tochtergesellschaften? Dann orientieren Sie sich einfach am Logo der DVS-Group. Alle Artikel mit diesem Logo haben inhaltlich einen direkten Bezug zum DVS oder zu mit ihm verwandten Unternehmen.
DVS Group

DVS Forschung und FOSTA fordern, die geplanten Kürzungen der Mittel für die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) im Bundeshaushalt zurückzunehmen. Dieser sieht im aktuellen Entwurf für 2027 die Reduktion der Fördermittel vor. Damit droht der Stillstand der Mittelstandsförderung bei neuen Forschungsprojekten. Angesichts der aktuellen Herausforderungen in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung, Netzumbau, KI und Digitalisierung stoßen die geplanten Einsparungen bei beiden Forschungsvereinigungen auf Unverständnis. „Wer hier kürzt, entzieht dem Mittelstand die Forschung, die Deutschland für die Transformation von Industrie und Wirtschaft braucht“, sagt Dipl.-Ing. Jens Jerzembeck, Geschäftsführer der DVS Forschung.

Derzeit sieht der Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 vor, die Mittel für die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) von 178,5 auf 167 Millionen Euro zu kürzen. Damit würde der Forschungsetat gegenüber 2020 um ein Sechstel sinken. Die erneute Kürzung würde den finanziellen Spielraum für neue IGF-Forschungsprojekte ab 2027 drastisch verringern. Deshalb fordern vor Beginn der Haushaltsberatungen die Forschungsvereinigung Schweißen und verwandte Verfahren e. V. des DVS, kurz DVS Forschung, und die Forschungsvereinigung Stahlanwendung e. V. (FOSTA) im laufenden Haushaltsverfahren eine Kurskorrektur und Rücknahme der vorgesehenen Kürzungen.

 

 

„Wer die Infrastruktur in Deutschland modernisieren, die Industrie dekarbonisieren und die Grundlagen für Zukunftstechnologien legen will, der kann in der aktuellen Situation nicht darauf verzichten, die entsprechenden Forschungsmittel für den Mittelstand bereitzustellen“, so Dipl.-Ing. Rainer Salomon, Geschäftsführer der FOSTA. Denn gerade die IGF stärkt die technologische Handlungs- und Wettbewerbsfähigkeit mittelständischer Unternehmen. Laufende Forschungsprojekte, beispielsweise zu „grünem Stahl“, resilienten Versorgungsleitungen oder ermüdungssicheren Brückenkonstruktionen, liefern genau die technologischen Grundlagen, die Deutschland für die Infrastrukturerneuerung und Dekarbonisierung braucht.

Dipl.-Ing. Rainer Salomon, Geschäftsführer der FOSTA - © FOSTA
Dipl.-Ing. Rainer Salomon, Geschäftsführer der FOSTA © FOSTA

„Das sind zentrale Kernvorhaben der Wirtschaftspolitik, die den Standort Deutschland zukunftsfähig machen. Die im Regierungsentwurf vorgesehenen Kürzungen drohen ein seit Jahrzehnten bewährtes und in dieser Form einzigartiges Modell der vorwettbewerblichen Gemeinschaftsforschung erheblich zu schwächen“, erklärt Jens Jerzembeck. In diesem Zusammenhang verweist er auch auf den Koalitionsvertrag, der die Stärkung und Beschleunigung des Forschungstransfers als Ziel formuliert hat.

Die Forschungsprojekte der DVS Forschung und der FOSTA liefern seit Jahrzehnten praxisnahe Lösungen für zentrale Zukunftsfragen der deutschen Industrie. Dazu zählen angewandte Forschungsprojekte in den Bereichen:

  • Verkehr und Brücken: Forschung zu ermüdungsbeständigen Schweißverbindungen für die Sanierung alternder Stahlbrücken.
  • Kritische Infrastruktur: Forschung zur Wasserstofftauglichkeit von Leitungen und Schweißverbindungen sowie zur Bewertung und Beherrschung wasserstoffbedingter Schädigungsmechanismen. Diese Leitungen sind relevant für die Resilienz von Energie-, Leitungs- und Verkehrsnetzen.
  • Strategische Rohstoffsubstitution: Forschung zum Ersatz kritischer oder schwer verfügbarer Rohstoffe durch alternative Werkstoffe und Verfahren, mit dem Ziel, Versorgungsrisiken zu reduzieren und Wertschöpfungsketten resilienter zu machen.
  • Dekarbonisierung: Forschung zum Werkstoff- und Fügeverhalten CO2-reduziert erzeugter Stähle und zur Anpassung industrieller Verarbeitungsprozesse; sie schaffen die technologischen Grundlagen für die Stahl- und Bauwirtschaft auf dem Weg zur Klimaneutralität.

„Diese Bandbreite zeigt, wie eng vorwettbewerbliche Gemeinschaftsforschung mit den großen wirtschaftspolitischen Zielen der Bundesregierung verknüpft ist – von der Verkehrssicherheit über die Wasserstoff- und Mobilitätswende bis zur Digitalisierung der Produktion“, erklären DVS Forschung und FOSTA, „Wer hier kürzt, bremst genau die Transformation, die er politisch selbst vorantreiben will.“

Die vorwettbewerbliche Gemeinschaftsforschung ist eine zentrale Säule der Innovationsförderung für den industriellen Mittelstand, speziell für kleinere und mittlere Unternehmen ohne eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Die dafür eigentlich notwendigen Mittel beziffern beide Forschungsvereinigungen allein für die IGF auf jährlich rund 300 Millionen Euro. IGF, INNO-KOM und ZIM adressieren unterschiedliche Stufen und Akteure des Innovationsprozesses und ergänzen sich damit in der Mittelstandsförderung. Aber auch INNO-KOM und ZIM sind von geplanten Kürzungen
betroffen. Die Mittelstandsforschungsförderung gerät damit an mehreren Stellen gleichzeitig unter Druck.

„Das ist ein fatales Signal“, so Jerzembeck. DVS Forschung und FOSTA appellieren an die Haushalts-, Finanz- und Wirtschaftspolitiker im Bundestag: Das Fördervolumen der IGF muss im weiteren Verfahren mindestens auf dem Niveau von 2026 bleiben. Mittelfristig ist ein verlässlicher, planbarer Aufwuchs erforderlich.

(Quelle: DVS Forschung + FOSTA)

Schlagworte

DekarbonisierungDVSFördermittelForschungForschungsvereinigungGrüner StahlIndustrielle GemeinschaftsforschungMittelstandsforschungWettbewerbsfähigkeitZukunftstechnologien

Verwandte Artikel

Eröffnung DVS CONGRESS
DVS Group
06.10.2026

Rückblick DVS CONGRESS 2026 in Erlangen

Kompaktes Fachwissen, moderierte Diskussionen und persönlicher Austausch: Rund 300 Fachleute und zwölf ausstellende Unternehmen sprachen vom 14. bis 15. September in Erla...

Additive Fertigung Automatisierung Defense DVS DVS CONGRESS Forschungsvereinigung Künstliche Intelligenz Schweißen Schweißtechnik Stahlbau
Mehr erfahren
05.10.2026

Neuerscheinung Merkblatt DVS 2902-1

Mit Ausgabedatum Oktober 2026 ist das Merkblatt DVS 2902-1 „Widerstandspunktschweißen von Stählen bis 3 mm Einzeldicke – Übersicht“ erschienen.

DVS Merkblatt Punktschweißen Regelwerk Schweißen Stahl Widerstandspunktschweißen
Mehr erfahren
04.10.2026

Mehr Innovation, weniger Abhängigkeit durch Circular Economy

Nordrhein-Westfalen will Drehscheibe für Circular Economy in Europa werden. Schon jetzt arbeiten mehr als 240.000 Menschen in der Kreislaufwirtschaft. Die Landesregierung...

Circular Economy Klimaschutz Kreislaufwirtschaft Kreislaufwirtschaftsstrategie Kritische Rohstoffe Maschinen- und Anlagenbau NRW Recycling Resilienz Ressourcenschonung Rohstoffe Wertschöpfung Wettbewerbsfähigkeit
Mehr erfahren
Die Brüder (von links) Patrick, Tobias und Christian Olma vor dem neuen Unternehmenssitz in Nagold.
03.10.2026

Boysen Gruppe übernimmt Mehrheitsbeteiligung an Olmatic

Die Boysen Gruppe mit Sitz in Altensteig übernimmt eine Mehrheitsbeteiligung an dem Stuttgarter Unternehmen Olmatic. Das 2016 von der Familie Olma gegründete Unternehmen...

Dekarbonisierung Energieoptimierung Industrie KI Schlüsseltechnologie Software Stromkosten
Mehr erfahren
DVS Group
30.09.2026

Rückblick: 7. Abend der Schweißtechnik

Am 10. September 2026 kamen rund 400 Gäste an die SLV Nord, um zusammen mit dem DVS-Bezirksverband Hamburg den 7. Abend der Schweißtechnik sowie das 100-jährige Bestehen...

Ausbildung Cobot DVS-Bezirksverband Forschung Jubiläum Jugend schweißt Kunststoffzentrum Laserstrahlschweißen Qualitätssicherung Schweißausbildung Schweißen Schweißtechnik Weiterbildung Werkstofftechnik Wettbewerbsfähigkeit
Mehr erfahren