Handwerk
© unsplash.com / Ian Baldwin
04.08.2022

Roboter, Drohnen, smarte Software: Das Handwerk wird digitaler

Roboter, Drohnen, smarte Software: Das Handwerk wird digitaler

Schon zwei Drittel (68%) aller Handwerksbetriebe in Deutschland nutzen digitale Technologien und Anwendungen. Vor zwei Jahren waren es mit 53% noch deutlich weniger. Bei über der Hälfte der Handwerksbetriebe (56%) hat die Digitalisierung insbesondere durch die Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. Und 55% der Handwerkerinnen und Handwerker sagen mittlerweile: Die Digitalisierung sichert die Existenz unseres Betriebes. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter 503 Handwerksbetrieben in Deutschland, die im Auftrag des Digitalverbands Bitkom und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) durchgeführt wurde.

Demnach nutzen aktuell 45% der Handwerksunternehmen Cloud Computing. Jedes Siebte (15%) hat Trackingsysteme im Einsatz, mit denen sich Maschinen und Betriebsmittel nachverfolgen lassen. Fast ebenso viele (14%) verwenden vorausschauende Wartung, bei der mit Sensoren und Datenanalyse drohende Ausfälle von Anlagen frühzeitig erkannt werden und 11% nutzen smarte Software, die zum Beispiel Arbeitszeiten automatisch nach Projektstatus einteilt. 3D-Technologie ist bei jedem zehnten Handwerksunternehmen im Einsatz (10%) und Drohnen bereits bei 8% – die unbemannten kleinen Fluggeräte sind insbesondere für das Bauhauptgewerbe interessant. 7% vernetzen Geräte oder Anlagen über das Internet der Dinge, das so genannte Internet of Things (IoT). Roboter (6%), Virtual oder Augmented Reality (3%) sind bisher wenig verbreitet, Künstliche Intelligenz spielt im Handwerk derzeit noch so gut wie keine Rolle (1%).

Positive Entwicklung

ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte: „Die zu beobachtende Entwicklung stimmt uns positiv. Bereits gut zwei Drittel der Handwerksbetriebe nutzen digitale Technologien. Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass der Einsatz in den vergangenen zwei Jahren enorm gestiegen ist.“ Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp ergänzt: „Die Digitalisierung ist im Handwerk deutlich vorangeschritten. Auch in Zeiten voller Auftragsbücher können digitale Tools und Anwendungen kleine wie große Unternehmen effektiv unterstützen und sie für die Zukunft stark machen.“

Die Nutzung digitaler Technologien und Anwendungen zahlt sich dabei direkt auf die tägliche Arbeit der Handwerksbetriebe aus: 83% der Befragten sehen als größten Vorteil Zeitersparnis, 78% eine optimierte Lagerung und Logistik und 73% eine flexiblere Arbeitsorganisation. Eine höhere Sichtbarkeit bei der Kundschaft (71%) sowie körperliche Entlastung (60%) spielen ebenfalls eine große Rolle.

© ZDH / Bitkom
© ZDH / Bitkom
4 von 10 Handwerksbetrieben nutzen Social Media

Einen starken Schub hat es im Handwerk auch bei der Nutzung digitaler Plattformen gegeben. 4 von 10 Betrieben machen in sozialen Medien auf sich aufmerksam (2020: 30%), wobei kleine Betriebe mit weniger als 5 Mitarbeitenden für Facebook, Instagram, LinkedIn und Co. offenbar deutlich weniger Ressourcen aufbringen können als größere Betriebe ab 5 Mitarbeitenden. Mehr als ein Viertel der Befragten (27%) hat einen Eintrag auf einer Bewertungsplattform wie Yelp und 22% nutzen Online-Plattformen für Aufträge und Termine wie MyHammer oder Treatwell.

„Plattformen und insbesondere soziale Medien gehören für viele Menschen in Deutschland zum Leben dazu. Sie machen es potenziellen Kundinnen und Kunden besonders einfach, sich zu informieren oder Termine zu buchen. Um ihre Zielgruppe anzusprechen, sollten Handwerksunternehmen prüfen, auf welchen digitalen Plattformen es sich für sie lohnt, aktiv sein“, sagt Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp. Fast alle Handwerkerinnen und Handwerker (97%) verfügen jedoch über eine eigene Website, 76% haben einen Eintrag in Online-Verzeichnissen wie gelbeseiten.de, und 23% schalten Werbeanzeigen im Netz. Ebenfalls mehr als jeder fünfte Betrieb (22%) setzt auf Marketing via E-Mail oder Newsletter.

Onlinekommunikation gewinnt auch im Handwerk deutlich an Bedeutung

Ob für Aufträge, Terminabsprachen oder den fachlichen Austausch: In der Pandemie sind digitale Tools und Lösungen für die Kommunikation Kunden, Mitarbeitenden oder Geschäftspartnern insgesamt deutlich wichtiger geworden. In der internen wie externen Kommunikation ist die Nutzung von Videokonferenzen etwa über Zoom, Skype oder GoToMeeting im Vergleich zu 2020 am stärksten gewachsen: intern von 5 auf 29% und in der externen Kommunikation von 11 auf 42%. Jeder fünfte Handwerksbetrieb (20%) setzt intern bereits auf Kollaborationstools wie MS Teams oder Slack, 18% kommunizieren auch extern darüber. Messenger-Dienste wie WhatsApp, Signal oder Telegram werden mittlerweile von den allermeisten Handwerkerinnen und Handwerkern für die interne (91%) Kommunikation genutzt – fast zwei Drittel (63%) tauschen sich auch extern beruflich darüber aus.

Gleichwohl haben die digitalen Tools auch die Beziehungen zu den Kundinnen und Kunden verändert – nicht immer zum Positiven. 97% der Handwerkerinnen und Handwerker stimmen der Aussage zu, Kunden würden durch die Digitalisierung eine schnelle Rückmeldung erwarten. 82% erleben, dass die Kundschaft eine schnelle Lieferung erwartet und 81%, dass zugleich individuellere Angebote gewünscht sind. Drei Viertel der Handwerksbetriebe stellen auch fest: Kunden erwarten ständige Erreichbarkeit auf allen Kanälen. Neben dem Alltagsgeschäft auf diese veränderten Kundenbedürfnisse und Entwicklungen entsprechend zu reagieren, stellt Handwerksbetriebe vor neue Herausforderungen. Die Digitalisierung ist hierbei Ursache und Lösung zugleich.

© ZDH / Bitkom
© ZDH / Bitkom
Drei Viertel sehen Digitalisierung als Chance

Insgesamt zeigt sich die überwiegende Mehrheit der Handwerksbetriebe der Digitalisierung gegenüber aufgeschlossen (83%). 77% sehen in ihr eine konkrete Chance für den eigenen Betrieb, 8% halten sie jedoch auch für ein Risiko. Noch 14% der Handwerksbetriebe in Deutschland sagen: Die Digitalisierung hat keinen Einfluss auf unseren Betrieb. ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte sagt hierzu: „Die Potenziale, die sich für Betriebe durch die Digitalisierung erschließen, sind vielfältig. Eine große Mehrheit unserer Betriebe hat bereits erkannt, dass die Chancen der Digitalisierung überwiegen und zur Sicherung der Existenz und Zukunftsfähigkeit beitragen. Das Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk hat in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass sich Handwerksbetriebe mit dem Thema auseinandersetzen. Es unterstützt besonders kleine Handwerksbetriebe bei der Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen.“

Dabei zeigen sich die Betriebe auch selbstkritisch und geben sich auf einer Schulnoten-Skala für den Stand der eigenen Digitalisierung ein „befriedigend“ (3,1). Am besten schätzen sich größere Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten ein, die sich im Schnitt mit 2,7 beurteilen. Sehr kleine Betriebe mit bis zu vier Beschäftigen geben sich dagegen eine 3,2 als Digitalisierungs-Note. Insgesamt nur jeder fünfte Handwerksbetrieb sagt, die Digitalisierung habe Einfluss auf das eigene Geschäftsmodell. 30% bieten aufgrund der Digitalisierung mittlerweile neue Produkte und Dienstleistungen an.

IT-Sicherheit ist für zwei Drittel der Betriebe wichtig

Die größten Hürden beim Einsatz neuer Technologien sind nach Ansicht der Betriebe hohe Investitionskosten (71%), die Sorge um IT-Sicherheit (65%) sowie hohe Anforderungen an den Datenschutz (62%). Dahinter folgen eine unzureichende Internetversorgung (61%) und die Sorge um den Verlust von Datenhoheit (59%). Zugleich betonen 67%, das Thema IT-Sicherheit habe in ihrem Betrieb einen großen Stellenwert. Lediglich 15% sorgen sich vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine vor Hackerangriffen auf ihren Betrieb.

„Die Cyberkriminalität steigt seit Jahren. Daher sollten auch Handwerksbetriebe die eigenen Sicherheitsvorkehrungen überprüfen und wo nötig nachbessern“, betont Bitkom-Geschäftsleiter Veltkamp. Karl-Sebastian Schulte ergänzt: „Cybersicherheit wird vor diesem Hintergrund eine zentrale Voraussetzung für die Digitalisierung, die jeder Betrieb von Anfang an mitdenken sollte. Unterstützung bietet hier beispielweise der Routenplaner für Cybersicherheit im Handwerk.“

Insgesamt sagen fast zwei Drittel der Handwerkerinnen und Handwerker (64%): Die Digitalisierung ist eine Herausforderung für unseren Betrieb. Damit liegt sie jedoch hinter anderen aktuellen Herausforderungen für die Branche, so etwa die hohen Energiepreise (68%), die Suche nach qualifizierten Fachkräften (77%) oder unterbrochene Lieferketten aufgrund der weltpolitischen Lage (77%).

Hürden zur Bewältigung der Digitalisierung

Allerdings hat auch jeder dritte Handwerksbetrieb (37%) konkrete Probleme, die Digitalisierung insgesamt zu bewältigen. 81% halten viele digitale Anwendungen auf dem Markt für überdimensioniert für den eigenen Betrieb, über die Hälfte (54%) kann sich viele Anwendungen nicht leisten. Die dafür vorhandenen Förderprogramme von Bund und Ländern schneiden in diesem Zusammenhang bei den Handwerksbetrieben in Deutschland eher schlecht ab: 97% halten die Beantragung von Fördergeldern für Digitalisierungsmaßnahmen oft für zu bürokratisch und 88% meinen, diese gehen am Bedarf der Betriebe vorbei. Bei lediglich 26% sind Förderprogramme ein wesentlicher Bestandteil für die Digitalisierung des eigenen Betriebs.

ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte: „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass Digitalisierungsvorhaben weiterhin von der Politik unterstützt werden. Es gibt gute Ansätze, beispielsweise die Förderprogramme „go digital“ und „digital jetzt“, die professionelle Beratungen, Mitarbeiterschulungen und die Implementierung von digitalen Technologien bezuschussen. Die Handhabbarkeit ist aber ausbaufähig: Die Antragsstellung erscheint für Kleinstbetriebe oft zu bürokratisch und aufwendig. Zugleich bietet die Bundesregierung mit der Förderung des Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk eine konkrete Anlaufstelle, die praxisnahe Informations-, Qualifizierungs- und Unterstützungsangebote für Handwerksbetriebe und KMU bereitstellt. “ Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp: „Vor allem kommt es auch auf die Handwerks-Unternehmen selbst an: Wer digitalisieren will, muss loslegen. Jetzt gilt es, den Digitalisierungs-Boost durch die Corona-Pandemie fortzuführen und zu verstetigen. Unternehmen, die digital aufgestellt sind, sind nicht nur wettbewerbsfähiger, sie kommen auch besser durch die Krise.“

(Quelle: Presseinformation von Bitkom und ZDH)

Schlagworte

Digitale TransformationDigitales ArbeitenDigitalisierungFörderprogrammFörderungHandwerkHandwerksbetriebHandwerksbetriebeSocial Media

Verwandte Artikel

Kay André Weidenmann, Leiter des Forschungsbereichs Polymer Engineering am Fraunhofer ICT in Pfinztal
14.10.2026

Prof. Dr.-Ing. Kay André Weidenmann ist neuer Leiter am Fraunhofer ICT

Prof. Dr.-Ing. Kay André Weidenmann ist seit 1. Oktober 2026 Leiter des Forschungsbereichs Polymer Engineering am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfi...

Digitalisierung Forschung Fügen von Kunststoffen Joining Plastics JP Kunstsofftechnik Nachhaltigkeit Polymere Resilienz Werkstofftechnik
Mehr erfahren
DVS Group
13.10.2026

Geplante Kürzung der For­schungs­för­de­rung zurück­nehmen

DVS Forschung und FOSTA warnen davor, im Bundeshaushalt 2027 die Mittel für die Mittelstandsforschung zu kürzen. Damit drohe der Stillstand bei neuen Forschungsprojekten...

Digitalisierung DVS Fördermittel Forschung Industrielle Gemeinschaftsforschung Innovationskraft Mittelstand Mittelstandsforschung Wettbewerbsfähigkeit Zukunftstechnologien
Mehr erfahren
Jan Birkemeyer, Präsident Deutscher Stahlbau-Verband
08.10.2026

Deutscher Stahlbautag 2026 – Impulse für die Zukunft

Der Deutsche Stahlbautag brachte am 17. und 18. September 2026 in Bielefeld Fachleute aus Stahlbau, Planung, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Zwei Tage lang standen...

Digitalisierung Forschung Mittelstand Nachhaltigkeit Stahl Stahlbau Stahlbautag Transformation Wirtschaftstsandort Deutschland Wissenschaft
Mehr erfahren
Fronius Polaris ist die Systemsteuerung der nächsten Generation. Die Plattform vereint Cybersicherheit, intuitive Bedienung, die Digitalisierung von Schweiß-Know-how und die technologische Basis für zukünftige KI-Anwendungen.
06.10.2026

Bedienkonzept vereint Cybersicherheit, intuitive Steuerung und Digitalisierung

Fronius bündelt mit Polaris verschiedene Anforderungen der Schweißautomation in einem Steuerungssystem. Dazu zählen Cybersicherheit, eine intuitive Bedienung, Schweiß-Kno...

Automation Cybersicherheit Digitalisierung Fertigung Schweißen Sicherheitsanforderungen Software
Mehr erfahren
Echt oder KI? Was auf den ersten Blick wie eine reale Fotoaufnahme wirkt, kann heute auch künstlich erzeugt sein. Seit dem 2. August 2026 regelt die EU-KI-Verordnung, wann KI-generierte Inhalte als solche kenntlich gemacht werden müssen. Dieses Bild wurde KI-generiert.
02.10.2026

Echtes Handwerk – oder KI?

Ein Bild, eine einfache Frage – und neue Regeln für den Umgang mit künstlicher Intelligenz. Seit dem 2. August 2026 gelten neue Transparenzpflichten für bestimmte KI-Anwe...

Bundesverband Metall Chatbot Handwerksbetriebe KI KI-Verordnung Metallhandwerk Transparenzpflicht
Mehr erfahren