Forschung
SMaC ermöglicht eine simultane additive Fertigung und mechanische Bearbeitung von Bauteilen. Dadurch ist unter anderem eine werkzeugschonendere und schnellere Herstellung von Korrosions- und Verschleißschutzschichten sowie funktionaler Oberflächen möglich. - © Fraunhofer ILT, Aachen
22.04.2023

Schnell und effektiv: Mit SMaC gleichzeitig beschichten und fertig bearbeiten

Schnell und effektiv: Mit SMaC gleichzeitig beschichten und fertig bearbeiten

Das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT hat das sogenannte SMaCVerfahren entwickelt, ein neues Beschichtungsverfahren, das Laserauftragschweißen und mechanische Bearbeitung kombiniert. Damit lassen sich hochfeste Beschichtungswerkstoffe schnell und effizient auftragen und simultan zerspanend bearbeiten. SMaC ermöglicht die Herstellung von Bauteilen mit verlängerter Lebensdauer und erweiterten Einsatzzyklen, was gerade in der Energiewirtschaft, der Mobilitätsbranche und der chemischen Industrie höchst interessant ist.

Beschichtungen sind sowas wie Hidden Champions: Sie werden kaum wahrgenommen und leisten dennoch Großartiges. Sie tragen dazu bei, Bauteile vor unterschiedlichsten Arten von Schäden und Verschleiß zu schützen. Beschichtungen verbessern die physikalischen oder chemischen Eigenschaften von Bauteiloberflächen oder verleihen ihnen bestimmte Funktionen. Sie können auch dazu beitragen, Energie zu sparen, indem eine Beschichtung isoliert oder reflektiert.

Ein neues, patentiertes Kombinationsverfahren, das am Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT entwickelt wurde,  verbessert die Energiebilanz darüber hinaus auf eine weitere Art: das sogenannte Simultane Beschichten und Zerspanen, auf Englisch Simultaneous Machining and Coating, kurz SMaC. „Wir haben die mechanische Bearbeitung mit dem Extremen Hochgeschwindigkeits-Laserauftragschweißen (EHLA) in einem Bearbeitungsschritt kombiniert“, erklärt Viktor Glushych, Leiter der Gruppe Beschichtung LMD und Wärmebehandlung am Fraunhofer ILT. „Damit verkürzen wir die Bearbeitungszeiten erheblich.“ Je nach Anforderungsprofil und Beschichtungswerkstoff kann die Prozessdauer um mehr als 60 Prozent reduziert werden.

Schematische Darstellung von Simultaneous Machining and Coating (SMaC). Hochharte Beschichtungswerkstoffe werden unmittelbar nach dem Laserauftragschweißen mechanisch bearbeitet. Das neue Verfahren ist schneller und wirtschaftlicher als konventionelle Methoden. - © Fraunhofer ILT, Aachen
Schematische Darstellung von Simultaneous Machining and Coating (SMaC). Hochharte Beschichtungswerkstoffe werden unmittelbar nach dem Laserauftragschweißen mechanisch bearbeitet. Das neue Verfahren ist schneller und wirtschaftlicher als konventionelle Methoden. © Fraunhofer ILT, Aachen

SMaC löst ein grundlegendes Problem von hochfesten Schutzschichten gegen Korrosion und Verschleiß: Je härter die Beschichtung, desto besser der Schutz aber desto aufwändiger auch die Bearbeitung. Der Clou bei SMaC ist, dass es die im EHLA-Prozess entstehende Prozesswärme nutzt. Unmittelbar nach dem Laserauftragschweißen besitzen die Beschichtungswerkstoffe bei mehreren Hundert Grad Celsius Restwärme nur einen Bruchteil ihrer Härte. In der mechanischen Bearbeitung, die zeitparallel stattfindet, verschleißt das Werkzeug somit erheblich weniger und arbeitet gleichzeitig schneller.

„Mit SMaC können wir korrosions- und verschleißbeständige Beschichtungen wirtschaftlich aufbringen. Wir erzielen signifikant höhere Oberflächenqualitäten und potenziell höhere Werkzeugstandzeiten als mit der üblichen, sequenziellen Bearbeitung“, verdeutlicht Glushych. Im EHLA-Prozess können hochfeste Beschichtungswerkstoffe verarbeitet werden – sogar Hochentropie-Legierungen oder metallische Gläser, die mit konventionellen Methoden kaum mechanisch bearbeitet werden können.

Großes Anwendungsspektrum für SMaC

SMaC erlaubt eine hochproduktive, wirtschaftliche und vielseitige Beschichtung von Bauteilen. Das neue Verfahren ist aber auch unter ökologischen Gesichtspunkten interessant, weil Komponenten deutlich länger unbeschädigt im Einsatz bleiben können und seltener ausgetauscht werden müssen. „SMaC verlängert entscheidend die Lebensdauer, Einsatzzyklen und Wartungsintervalle von Bauteilen, Baugruppen und ganzen Maschinen“, erläutert Glushych. „Das erhöht die Rohstoff- und Energieeffizienz der Bauteile und minimiert Maschinenstillstände.“

Weniger Ersatzteile bedeuten weniger Rohstoffeinsatz, weniger Wartung, weniger Transport und Lagerhaltung. Für viele Unternehmen bedeutet dies mehr Unabhängigkeit und mehr Planungssicherheit – das heißt eine höhere Resilienz der Produktion. Insbesondere in den letzten Jahren wurden einige Unternehmen schon häufiger durch sehr lange Lieferzeiten für metallische Funktionsbauteile ausgebremst.

Insbesondere beim Auftragen schwer zerspanbarer, hochfester Beschichtungen ergeben sich durch die SMaC-Technologie erhebliche wirtschaftliche und technologische Vorteile. - © Fraunhofer ILT, Aachen
Insbesondere beim Auftragen schwer zerspanbarer, hochfester Beschichtungen ergeben sich durch die SMaC-Technologie erhebliche wirtschaftliche und technologische Vorteile. © Fraunhofer ILT, Aachen

„SMaC ist effizient, energie-, zeit- und ressourcenschonend“, beschreibt Glushych die Vorteile. Das Verfahren eignet sich prinzipiell für alle Anwendungen, bei denen bisher Bauteile nacheinander beschichtet und zerspant wurden. Es lässt sich beispielsweise zur Herstellung von Beschichtungen für Korrosions- und Verschleißschutz, Beschichtungen mit hart und weichmagnetischen Eigenschaften oder zur Herstellung von enorm widerstandsfähigen Gleitlagerbeschichtungen und weiteren funktionalen Oberflächen einsetzen.

Anwendungen finden sich beispielsweise in der Energiewirtschaft und der gesamten Mobilitätsbranche, überall, wo hoch belastete, rotationssymmetrische Bauteile zum Einsatz kommen. In der chemischen Industrie beispielsweise müssen Oberflächen aggressiveren Medien standhalten. Im Bergbau oder bei Werkzeugen schützt SMaC erfolgreich gegen Verschleiß. Die Anwendungsbereiche sind zahlreich sowie vielfältig.

Glushych denkt einen Schritt weiter: „Mit dem Simultanen Beschichten und Zerspanen könnten wir beispielsweise bestimmte feinstaubreduzierende Bremsscheibenbeschichtungen schneller und produktiver fertigen“, überlegt er. „Eine andere Anwendung, die wir testen wollen, ist die Herstellung von Multimaterialschichten in der Batterietechnik.“ Das neue Kombinationsverfahren wird in der nächsten Zeit viele neue Anwendungsfelder für die laserbasierte Beschichtungstechnologie eröffnen, ist sich der Wissenschaftler sicher.

Ankündigung: Machen Sie sich selbst ein Bild von SMaC

Besuchen Sie das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT auf der LASER World of PHOTONICS in München vom 27. bis zum 30. Juni 2023, Stand: A3.441 sowie World of Quantum: A1.521.

(Quelle: Presseinformation des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT)

Schlagworte

Additive FertigungBeschichtenEHLAHochgeschwindigkeits-LaserauftragschweißenMetallbearbeitungOberflächenbehandlungSpanende Fertigung

Verwandte Artikel

23.09.2026

Konferenz für nachhaltige Werkstofftechnik

Das Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnik (IWW) der Technischen Universität Chemnitz veranstaltet am 17. und 18. März 2027 das 25. Werkstofftechnische K...

Additive Fertigung Auftragschweißen Fertigungstechnik Fügetechnik Kolloquium Konferenz Löten Oberflächentechnik Schweißen Wasserstoff Wasserstofftechnologien Werkstofftechnik Werkstoffwissenschaft
Mehr erfahren
RD1004C: Rotationsdüse zur umweltfreundlichen Beschichtung breiter Kunststoffoberflächen und -profile für eine verbesserte Adhäsion beim Verkleben.
20.09.2026

Plasmatechnologie: Oberflächenbeschaffenheit entscheidet über den Prozesserfolg

Steigende Qualitätsanforderungen, neue Materialkombinationen, der wachsende Einsatz von Recyclingkunststoffen und anhaltender Kostendruck stellen die Kunststoffindustrie...

Fügen von Kunststoffen Joining Plastics JP Kunststoffe Kunststoffindustrie Kunststoffverarbeitung Oberflächenbehandlung Plasmaoberflächenbehandlung Plasmatechnologie Rezyklate
Mehr erfahren
17.09.2026

SCHWEISSEN & SCHNEIDEN 2029 verzeichnet hohe Nachfrage

Drei Jahre vor ihrer nächsten Ausgabe sind aktuell mehr als 85 Prozent der Ausstellungsfläche der SCHWEISSEN & SCHNEIDEN belegt.

Beschichten DVS Fachmesse Fügen Innovation Schneiden Schweißen SCHWEISSEN & SCHNEIDEN Trennen Weltleitmesse
Mehr erfahren
Die Fronius Additive Cell ist ein perfekt abgestimmtes Gesamtsystem für die additive Fertigung.
14.09.2026

Neue Schweißzelle vereint Additive Fertigung, Software und Automatisierung

Ob Ersatzteil, Prototyp oder komplexes Einzelstück: Directed Energy Deposition-Arc gewinnt in der Industrie zunehmend an Bedeutung. Fronius vereint mit der neuen Additive...

Abschmelzleistung Additive Fertigung Automobilindustrie Cold Metal Transfer DED-Arc Druckbehälterbau Fertigung Luft- und Raumfahrt Schweißen Schweißroboter Schweißzelle Wärmeeinbringung
Mehr erfahren
DVS Group
11.09.2026

DVS CONGRESS: Ausgewählte Forschungsergebnisse aus erster Hand

Live, kostenlos und direkt vom Arbeitsplatz aus: Verfolgen Sie aktuelle Forschungsergebnisse aus der Fügetechnik, noch bevor diese den Weg in die Praxis finden.

Additive Fertigung Arbeitsschutz DVS DVS CONGRESS Forschung Forschungsergebnisse Fügetechnik Hybridschweißen Laserstrahlschweißen Lichtbogenschweißen Livestream Schweißen Stahlbauteile Unterwasserschweißen
Mehr erfahren