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28.12.2021

Studie: Fachkräftecheck Chemie

Studie: Fachkräftecheck Chemie

Die chemische Industrie beschäftigt überwiegend Mitarbeitende in Chemie-Kernberufen. Sie konkurriert aber auch in weiteren Berufen als Arbeitgeber mit anderen Branchen um Fachkräfte.

In der chemischen Industrie werden zum einen Fachkräfte in zentralen Chemie-relevanten Kernberufen benötigt, wie etwa in der Forschung und Entwicklung, in Labor- und Produktionsberufen. Zum anderen sind auch Fachkräfte aus anderen Berufen relevant, die für viele Branchen wichtig sind, wie beispielsweise die kaufmännischen Berufe, Berufe der IT und Softwareentwicklung sowie der Technik und Instandhaltung. Hier konkurrieren die Chemie-Unternehmen als attraktive Arbeitgeber mit Unternehmen anderer Branchen.

In der Forschung und Entwicklung sowie in den Laborberufen bestehen kaum Engpässe, in Berufen der IT und Softwareentwicklung sowie der Technik und Instandhaltung hingegen große

Zu den Kernberufsfeldern der chemischen Industrie gehören die Laborberufe sowie Berufe im Bereich Forschung und Entwicklung. Hier sind im gesamten Beobachtungszeitraum seit dem Jahr 2010 nur geringfügige oder auf einzelne Regionen beschränkte Fachkräfteengpässe zu verzeichnen. Gleiches gilt für die kaufmännischen Berufe. Vereinzelte regionale Engpässe könnten hier durch überregionale Rekrutierung behoben werden.

In den drei weiteren Chemie-relevanten Berufsfeldern IT und Softwareentwicklung, Produktion sowie Technik und Instandhaltung entwickelten sich im Beobachtungszeitraum seit 2010 teils gravierende Engpässe. So konnten zwischen Juli 2018 und Juni 2019 in der Produktion knapp die Hälfte und in der Technik und Instandhaltung sowie der IT und Softwareentwicklung etwa 7 von 10 der offenen Stellen rein rechnerisch nicht besetzt werden, weil es bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen gab.

Durch die schwächere konjunkturelle Entwicklung ab 2019 und den Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 haben sich einige dieser Engpässe wieder deutlich verringert oder sogar aufgelöst. Es ist jedoch zu erwarten, dass in den Produktionsberufen sowie in der Technik und Instandhaltung bei anziehender Konjunktur auch die Engpässe wieder deutlich zunehmen werden. In der IT und Softwareentwicklung bestehen – ebenso wie in der Technik und Instandhaltung – auch aktuell deutliche Engpässe.

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Die Chemie-relevanten Berufsfelder sind unterschiedlich stark von der Corona-Pandemie betroffen

Die Corona-Pandemie hat alle Chemie-relevanten Berufsfelder beeinflusst. Es lassen sich jedoch Unterschiede in Ausmaß und Verlauf erkennen. Zu Beginn der Krise ist die Zahl offener Stellen in allen Berufsfeldern der chemischen Industrie gesunken, wenn auch unterschiedlich stark. Am stärksten zurückgegangen ist die Zahl der offenen Stellen in den kaufmännischen Berufen sowie in der Technik und Instandhaltung. Berufe der Forschung und Entwicklung waren hier am wenigsten von der Corona-Pandemie betroffen. Spätestens seit Beginn des Jahres 2021 steigt die Zahl offener Stellen in allen Chemie-relevanten Berufsfeldern wieder an und liegt – wie auch in anderen Bereichen – bereits wieder über dem Vorkrisenniveau.

In einigen Chemie-relevanten Berufen besteht großer demografisch bedingter Ersatzbedarf

Innerhalb der Chemie-relevanten Berufsfelder gibt es einige Berufe, in denen der Anteil älterer Beschäftigter besonders hoch ist. Wenn diese Beschäftigten in den nächsten Jahren in Rente gehen, ergeben sich große Ersatzbedarfe, die zu Engpässen führen können. In den Top-10-Berufen mit dem größten Anteil älterer Beschäftigter ist mindestens die Hälfte der Belegschaft 50 Jahre oder älter. Dies betrifft insbesondere Berufe aus der Technik und Instandhaltung sowie Produktionsfachkräfte, aber auch Führungskräfte der Chemie und Expert/-innen in der Unternehmensorganisation und Strategie. Ob und in welchem Ausmaß Fachkräfteengpässe zunehmen, hängt jedoch auch davon ab, inwieweit die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung in der Produktion sowie der Technik und Instandhaltung zur Abfederung von Engpässen beitragen können.

Unternehmen engagieren sich kontinuierlich in der Ausbildung

Unternehmen sehen die betriebliche Ausbildung als zentrales Instrument zur Fachkräftesicherung und versuchen durch die Erhöhung des Ausbildungsplatzangebots Fachkräfteengpässen entgegenzuwirken. Von 2011 bis 2019 haben die Unternehmen das Ausbildungsplatzangebot insbesondere in den Berufen der IT und Softwareentwicklung um etwa zwei Drittel erhöht, während es im kaufmännischen Bereich um 18 Prozent zurückgegangen ist.

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Bei der Besetzung der Ausbildungsplätze tun sich jedoch zunehmende Herausforderungen auf, denn die Passung zwischen Bewerber- und Unternehmensseite hat sich in den vergangenen Jahren in einigen Chemie-relevanten Berufen verschlechtert. Aufgrund der unterschiedlich gelagerten Herausforderungen, die für die einzelnen Berufe bestehen, ergeben sich differenzierte Handlungsempfehlungen: So kann für Fachkräfte im Brandschutz eine Ausweitung des Ausbildungsplatzangebots angedacht werden, während Unternehmen und Verbände im Bereich der Kunststoff- und Kautschuktechnik mithilfe von gezieltem Berufsmarketing und Engagement in der Berufsorientierung auf eine höhere Bekanntheit der Berufe hingewirkt werden können. In wieder anderen Berufen, wie beispielsweise der Technik und Instandhaltung, wäre zudem eine Steigerung der überregionalen Mobilität hilfreich, um mehr angebotene Ausbildungsplätze zu besetzen.

In Chemie-relevanten Berufsfeldern werden insbesondere für höherqualifizierte Tätigkeiten vermehrt Frauen gewonnen

Viele der Chemie-relevanten Berufe zählen zu den sogenannten MINT-Berufen, in denen Frauen in der Regel unterrepräsentiert sind. In den letzten Jahren zeigt sich jedoch auch hier ein positiver Trend beim Frauenanteil, insbesondere bei den höherqualifizierten Tätigkeiten. Der größte Anstieg ist bei Spezialist/-innen und Expert/-innen der Forschung und Entwicklung zu beobachten. Hier ist die Frauenquote um über drei Prozentpunkte gestiegen. Auch in der IT- und Softwareentwicklung, in der Produktion sowie der Technik und Instandhaltung hat der Frauenanteil bei den höheren Qualifikationsniveaus leicht zugelegt. Lediglich bei Spezialist/-innen der Produktion ist der Frauenanteil an den Beschäftigten um zwei Prozentpunkte gesunken.

Insbesondere in der Produktion sowie in der IT- und Softwareentwicklung wird auch das Potenzial internationaler Fachkräfte genutzt

Internationale Fachkräfte werden in Chemie-relevanten Berufsfeldern auf allen Anforderungsniveaus eingesetzt: In der IT und Softwareentwicklung ist der Anteil internationaler Fachkräfte bei den Akademiker/-innen am höchsten; in Berufen der Technik und Instandhaltung sowie in den Produktionsberufen werden sie dagegen vermehrt auf Fachkraftstellen eingesetzt, die typischerweise eine abgeschlossener Berufsausbildung erfordern. In allen chemie-relevanten Berufsfeldern werden internationale Fachkräfte überwiegend dort eingesetzt, wo anhaltende Fachkräfteengpässe bestehen oder drohen.

Die KOFA-Studie zum Fachkräftecheck Chemie können Sie sich nachfolgend als PDF-Datei herunterladen:

(Quelle: KOFA – Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung)

Schlagworte

ChemieindustrieFachkräftemangelFachkräftequalifizierungFachkräftesicherung

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