Technologien
© VW Sachsen
02.12.2025

Thermografieprüfung für die Qualitätssicherung von Karosserien

Für die Qualitätsprüfung von mittels Widerstandspunktschweißen (WSP) gefügten Blechen wurde ein bestehender Indu-Scan-Prüfstand unter Verwendung vorhandener Technik angepasst und durch den Einsatz von Algorithmen und Robotik weiterentwickelt. Nach einer erfolgreichen Erprobungsphase kommt die Lösung nun serienmäßig in der E-Auto-Produktion des Zwickauer Fahrzeugwerks zum Einsatz.

Praxisbewährtes Prüfsystem trifft auf neues Fügeverfahren

Seit 2007 arbeiten InfraTec und Volkswagen Sachsen an zerstörungsfreien Verfahren zur Qualitätssicherung im Karosseriebau. Gemeinsam mit weiteren Partnern entstand dabei eine Prüfstation zur thermografischen Qualitätskontrolle von Laserstrahlschweißnähten. Ab 2018 stellte Volkswagen (VW) das Werk in Zwickau-Mosel auf die Produktion einer neuen Generation von Elektroautos um, die auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten basieren. Im Zuge dieser Umstellung wurde entschieden, die Karosserieteile künftig nicht mehr per Laserstrahl, sondern mit dem Widerstandspunktschweißen zu fügen. Damit stellte sich die Frage, ob die bestehende Thermografieanlage weiterhin genutzt werden kann.

Modernisierung mit Thermografiekamera und intelligenten Algorithmen

In der Folgezeit modernisierten VW und InfraTec gemeinsam die bestehende Thermografie-Prüfanlage, die ursprünglich für die Qualitätssicherung beim Laserstrahlschweißen bestimmt war. Die Anlage wurde mit technischen Komponenten nach dem neuen Stand der Technik ergänzt und die Blitzanlage wurde an die neuen Anforderungen angepasst. Dazu gehört z. B. die Thermografiekamera vom Typ ImageIR 8300 hp. Zusätzlich wurden Algorithmen integriert, die die großen Datenmengen verarbeiten, die bei den zunehmend komplexen Thermogrammen entstehen.

Die Wärmebildkamera ImageIR® 8300 hp - © InfraTec GmbH
Die Wärmebildkamera ImageIR® 8300 hp © InfraTec GmbH
Widerstandspunktschweißen für Karosserien

Beim Widerstandspunktschweißen werden zwei Elektroden mit hoher Kraft von beiden Seiten auf die zu verbindenden Karosserieteile aufgepresst und elektrische Energie mit mehreren Tausend Ampere Stromstärke in den Stahl eingeleitet. Aufgrund des ohmschen Widerstands, den das Metall dem Stromfluss entgegensetzt, kommt es zu einer Wärmeentwicklung, die das Metall an den Kontaktstellen linsenförmig aufschmilzt. Werden die Elektroden entfernt, erkaltet diese Linse nach wenigen Sekunden und die Bleche sind punktförmig miteinander verbunden.

Aktivthermografie überwacht Verbindungsqualität

Die Qualitätsprüfung der Verbindung erfolgt mittels Aktivthermografie im transmissiven Modus: Die durch Blitzanregung in das Werkstück eingetragene thermische Energie wird durch Wärmeleitung im Material transportiert und die Temperatur auf der gegenüberliegenden Seite der verbundenen Karosseriebleche gemessen. Die Thermografiekamera ermittelt dabei Pixel für Pixel die Wärmeverlaufskurven für den flächigen Schweißpunkt.

Die Verbindungsqualität der Punktschweißung ist gewährleistet, wenn die Temperatur zu einem festgelegten Auswertezeitpunkt über einem vorab definierten Schwellenwert liegt. Die entwickelte Software liefert dann ein möglichst einheitliches Bild des Schweißpunktes. Dessen Grenzen sind in der Darstellung deutlich zu erkennen aber auch Einschlüsse, Verunreinigungen und andere Fehler.

Prüfstand mit Thermografiekamera ImageIR 8300 hp, Blitzanregung und Industrierobotern - © VW Sachsen
Prüfstand mit Thermografiekamera ImageIR 8300 hp, Blitzanregung und Industrierobotern © VW Sachsen
Messzelle mit Industrierobotern

Damit komplette Fahrzeuge mit der Methode geprüft werden können, wurde die INDU-SCAN-Messstation um zwei Industrieroboter ergänzt, die sich auf Verfahrachsen positionieren lassen. Am beweglichen Arm des einen Roboters ist die Thermografiekamera angebracht, am Arm des anderen der Blitzkopf. Der zur Blitzerzeugung benötigte Generator fährt auf dem Fuß des zweiten Roboters mit.

Thermografische Qualitätssicherung schlägt manuellen Ultraschall-Prüfung

Die hochautomatisierte thermografische Prüfung der Schweißpunkte bietet gegenüber der manuellen Ultraschallprüfung mehrere Vorteile. Die Ultraschallprüfung kann nur stichprobenartig durchgeführt werden und ist für den Prüfer anstrengend, da häufig über Kopf gearbeitet werden muss. Bisherige Ansätze zur Automatisierung dieser Prüfmethode konnten sich nicht durchsetzen.

Die Indu-Scan-Prüfanlage arbeitet zudem schneller als die manuelle Ultraschallprüfung: Statt 30 bis 40 Sekunden pro Schweißpunkt benötigt sie etwa fünf bis zehn Sekunden. Dadurch können pro Schicht rund 1.500 statt etwa 500 bis 600 Punkte geprüft werden. Dies ermöglicht mehr Stichproben und eine frühere Erkennung von Abweichungen im Fertigungsprozess.

(Quelle: InfraTec GmbH Infrarotsensorik und Messtechnik)

Schlagworte

AutomobilbauElektroautosFügeverfahrenKarosseriePunktschweißenQualitätssicherungRobotikSchweißenThermografieWiderstandspunktschweißen

Verwandte Artikel

Automatisierte Schweißzelle mit sensorisch überwachtem Prozess
29.09.2026

KI gestützte Schweißautomation mit klaren Freigabegrenzen

KI kann Schweißprozesse beobachten, Abweichungen priorisieren und Bediener bei der Diagnose unterstützen. Handlungsfähig wird sie jedoch erst durch eine klar getrennte Ke...

Automation Freigabelogik KI Agenten Prozessüberwachung Schweißautomation Schweißen Wiederanlauf
Mehr erfahren
Der KR Fortec ultra MT wurde speziell für Anwendungen entwickelt, die hohe Prozesskräfte, Steifigkeit und Präzision erfordern.
28.09.2026

Forschungsplattform für robotergestütztes Rührreibschweißen

Die Hochschule Magdeburg-Stendal setzt auf KUKA Technologie für die Entwicklung industrieller FSW-Anwendungen der nächsten Generation.

Entwicklung Fertigungsprozesse Forschung FSW Hochschulen Maschinenbau Roboter Roboterschweißen Roboterzelle Rührreibschweißen Schweißen Universität
Mehr erfahren
EQU30-Balancer mit abnehmbarem Drahtvorschub
26.09.2026

Mehr Ergonomie beim Schweißen mit abnehmbarem Drahtvorschub

Auf der EuroBLECH 2026 zeigt Engmar den patentierten EQU30 für den Einsatz mit Absaugbrennern. Der Balancer unterstützt den Schweißer bei Arbeiten an stationären Arbeitsp...

Absaugbrenner Drahtvorschub Ergonomie Euroblech Gesundheitsschutz Schweißbrenner Schweißen
Mehr erfahren
Das Berliner Architekturbüro Barkow Leibinger entwarf die neue Frankreichzentrale, die in Holz-Betonbauweise errichtet wurde.
24.09.2026

Eröffnung der neuen Frankreichzentrale

Trumpf hat seinen neuen französischen Hauptsitz eröffnet. Er liegt in Villepinte, rund zwanzig Kilometer nordöstlich von Paris. Das Unternehmen investierte 16,1 Millionen...

Automobilindustrie Blechbearbeitung Bohren Halbleiterindustrie Lasertechnik Luft- und Raumfahrt Schneiden Schweißen Werkzeugmaschinen
Mehr erfahren
23.09.2026

Konferenz für nachhaltige Werkstofftechnik

Das Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnik (IWW) der Technischen Universität Chemnitz veranstaltet am 17. und 18. März 2027 das 25. Werkstofftechnische K...

Additive Fertigung Auftragschweißen Fertigungstechnik Fügetechnik Kolloquium Konferenz Löten Oberflächentechnik Schweißen Wasserstoff Wasserstofftechnologien Werkstofftechnik Werkstoffwissenschaft
Mehr erfahren