Müller Martini Manufacturing ist ein Zulieferbetrieb für Maschinenbau-Komponenten und Baugruppen aus Hasle in der Schweiz. Der Maschinenbauer bietet Entwicklung, Fertigung, Montage und Logistik in einem Unternehmen an und hat nun seinen Maschinenpark um eine Robotik-Lösung von ABB erweitert, die mit bis zu neun Achsen ein exaktes und effizientes automatisiertes Schweißen ermöglicht.
Tochterunternehmen der Müller Martini Gruppe
Müller Martini mit Hauptsitz in Zofingen ist ein globaler Hersteller von Systemen für die Druckweiterverarbeitung. Die Müller Martini Manufacturing AG ist ein Tochterunternehmen der Müller Martini Gruppe. „Fertigungsaufträge aus unserer Firmengruppe machen aktuell rund 50 Prozent unserer Geschäftstätigkeit aus“, erklärt Herbert Wicki, Managing Director von Müller Martini Manufacturing. „Als Komplettanbieter für Maschinenbau-Komponenten vereinen wir sämtliche fachlichen Kompetenzen unter einem Dach – vom Engineering über die Fertigung mit Laserschneiden, Biegen, Schweißen, Fräsen bis hin zu Beschichtung, Montage und selbst Logistik“, so Wicki.
Über 120 Schweißvorgänge für Abwickler-Ständer
Automatisierte Schweißarbeiten wurden in der Vergangenheit von einer Roboterzelle ausgeführt, deren technische Lebensdauer sich dem Ende nähert und die im Vergleich zu modernen Lösungen eine geringere Leistung und Flexibilität aufweist. „Die Suche nach einer neuen, leistungsfähigeren Robotiklösung für das Schweißen wurde durch den Umstand beschleunigt, dass wir aus der Firmengruppe den Auftrag erhielten, ab Mai 2025 Ständer für einen Abwickler zu fertigen. Das ist eine rund 270 Kilogramm schwere Stahlblechkonstruktion für große Papierrollen, deren Fertigung über 120 Schweißvorgänge benötigt“, erklärt Michael Mahler, Leiter Produktion und Montage bei Müller Martini Manufacturing. Rund 300 dieser Ständer sollen zukünftig in Hasle pro Jahr automatisiert geschweißt werden.
Für die Evaluation einer Lösung kontaktierten sie im zweiten Quartal 2024 neben weiteren Herstellern auch ABB Robotics Schweiz. „Ziel war, dass die neue Lösung alle bisherigen Aufgaben der Roboterzelle übernimmt, den neuen Ständer schweißen kann, und offen für künftige Aufgaben ist“, so Mahler. „Bis Mai 2025 musste sie einsatzbereit sein – und in unser Budget passen.“
Besprechung der Lösungsvarianten
Mit den Fachleuten von ABB Robotics diskutierte das Projektteam von Müller Martini Manufacturing verschiedene Lösungsvarianten. „Deren Visualisierung mit der Software RobotStudio half dabei sehr“, sagt Olivier Keck, Verkaufsingenieur ABB Robotics Schweiz AG. In zwei, drei Runden erarbeiteten sie die passende Lösung. „Wir gelangten zur Überzeugung, dass wir mit ABB eine zukunftsweisende Roboterzelle in der vorgegebenen Zeit zum passenden Preis realisieren können – und erteilten den Auftrag“, so Herbert Wicki.
Kernstück der Lösung ist ein Roboter des Typs IRB 2600-12/1.85 mit einem Schweißsystem von Fronius. Er ist auf einer acht Meter langen Verfahrachse IRBT 2005 mit sechs Meter langem Fahrweg montiert. Der IRB 2600 ist mit zwei Positionierern ausgestattet: Der IRBP L-2000 verfügt über eine rotierende Achse und kann Werkstücke bis zu zwei Tonnen aufnehmen. Der zweite Positionierer, der IRB B-750, ist zweiachsig und trägt bis zu 750 Kilogramm. „Mit dem Roboter, dem zweiten Positionierer und der Verfahrachse verfügt die Zelle über neun Achsen“, erklärt Keck. „So kann der Schweißbrenner auch bei komplexen Werkstücken in der der Vertikalen – der sogenannten Wannenlage – arbeiten, was für das Schweißen ideal ist, da das Schweißbad durch die Schwerkraft kontrolliert nach unten fließt.“ Auf dem IRBP B-750 schweißt Müller Martini Manufacturing den Ständer mit seinen 120 Schweißnähten.
Schulung vor Ort in Hasle
Die Installation und Inbetriebnahme der neuen Roboterzelle übernahm der Projektingenieur und Schweißtechniker Jerry Jämsä von ABB Robotics. Anschließend schulte er drei Mitarbeiter von Müller Martini Manufacturing vor Ort in der Bedienung und Programmierung der Schweißzelle. Die Schulung erfolgte anhand der laufenden Fertigung der Ständer mit dem neuen Roboter.
„Die Roboterzelle konnten wir mit diesem Vorgehen termingerecht im Mai 2025 zum Start der Fertigung der Ständer in Betrieb nehmen“, so Michael Mahler. „Die Präzision passte von Beginn an. Inzwischen konnten unsere Spezialisten die Programmabläufe weiter rationalisieren und den gesamten Produktionsablauf optimieren.“
(Quelle: ABB Robotics Deutschland GmbH)
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