Wirtschaft
© pixabay.com/LEEROY Agency
05.01.2024

Versetzungsgefahr für den Industriestandort Deutschland

Versetzungsgefahr für den Industriestandort Deutschland: DIHK-Umfrage im Netzwerk Industrie zeichnet ein düsteres Bild

Die Unternehmen aus dem Netzwerk Industrie stellen dem Standort Deutschland ein sehr negatives Zeugnis aus. Das zeigt die aktuelle Standort-Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), die auf den Antworten von mehr als 2.200 Betrieben verschiedener Industriebranchen und Unternehmensgrößen aus allen Regionen basiert.

Noch nie seit der ersten Erhebung im Jahr 2008 waren die Rahmenbedingungen für die industrielle Produktion nach Ansicht der betroffenen Unternehmen so schlecht wie derzeit. Nahezu alle Standortfaktoren erhalten von den Betrieben eine niedrigere Bewertung als bei der letzten Befragung vor drei Jahren. Der Mittelwert rutscht mit 4,0 – also nur noch „ausreichend“ – auf einen historischen Tiefpunkt (2020: 3,6; 2017: 3,3).

© DIHK
© DIHK
Probleme oft hausgemacht

„Stärker denn je belasten strukturelle und oft hausgemachte Probleme unseren Industriestandort. Zunehmende bürokratische Auflagen, hohe Energiekosten und langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren prägen die betriebliche Praxis“, so DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Daher werden diese Faktoren in der Umfrage von den Unternehmen mit „mangelhaft“ bewertet – beim letzten Mal lagen die Werte noch deutlich höher. Auch die Komplexität und Praxistauglichkeit des Steuerrechts kommt bei den Betrieben äußerst schlecht weg (4,8 nach 4,6 im Jahr 2020).
Standortattraktivität schwindet rapide

„Der Standort Deutschland verliert für die Industrie und ihre Partnerbranchen rapide an Attraktivität“, warnt Wansleben. „Die Folge ist, dass notwendige Investitionen unterbleiben oder an anderen Standorten getätigt werden. Das kann sich unser Land nicht leisten, wenn wir es mit der Zukunft der Industrie am Standort Deutschland und deren Transformation in Richtung Digitalisierung und Dekarbonisierung ernst meinen.“

Die Unternehmen zeigen aktuell wenig Zuversicht, dass die Bundespolitik zu einer spürbaren Verbesserung der Rahmenbedingungen beiträgt. Die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung stufen die Unternehmen als so schlecht ein (4,8) wie nie zuvor. Bei der Vorumfrage 2020 hatten die Betriebe die Wirtschaftspolitik zumindest noch als „ausreichend“ (3,9) empfunden, 2017 sogar als „befriedigend“ (2,9).

© DIHK
© DIHK
Pakt für Beschleunigung könnte ein Hoffnungszeichen sein

„Die Politik hat es weiterhin in der Hand, das Vertrauen der Unternehmen in den Standort Deutschland wieder zu stärken“, stellt der DIHK-Hauptgeschäftsführer klar. „Konkret sollte der ‚Pakt für Beschleunigung‘ rasch in den Fachgesetzen umgesetzt werden.“ Mit der Novelle des Bundes-Immissionsschutzgesetzes könne die Regierung „gleich im Januar beweisen, dass sie hier Taten folgen lässt.“

Solche Hoffnungszeichen seien in der schwierigen wirtschaftlichen Lage ganz wichtig, so Wansleben. "Dazu gehört auch, dass wir schnell zu einem möglichst noch deutlich ausgeweiteten Bürokratieentlastungsgesetz kommen. Für Wachstumsimpulse ist es zudem notwendig, dass das Wachstumschancengesetz mit degressiver Abschreibung und Investitionsprämie für Energieeffizienz zum Jahresbeginn kommt."

Die detaillierten Ergebnisse der Untersuchung können Sie nachfolgend abrufen:

(Quelle: Presseinformation der DIHK – Deutsche Industrie- und Handelskammer)

Schlagworte

HandelIndustrieIndustrielle ProduktionWertschöpfungWirtschaftsstandort Deutschland

Verwandte Artikel

03.05.2026

Handelsupdate 1. Quartal 2026

Oerlikon ist erfolgreich ins Jahr 2026 gestartet: Bestellungseingang und Umsatz legten zu konstanten Wechselkursen deutlich zu. Die Finanzprognose für 2026 wurde bestätig...

Finanzprognose Industrie Kritische Rohstoffe Luftfahrt Luftfahrtindustrie
Mehr erfahren
29.04.2026

Forschungsbeirat stellt Strategiepapier mit Zielbild für die Industrie 4.0 im Jahr 2035 vor

Der Forschungsbeirat stellt Strategiepapier mit Zielbild für die Industrie 4.0 im Jahr 2035 vor. Vier Roadmaps geben Orientierung für Forschungs- und Entwicklungsbedarfe.

Digitalisierung Entwicklung Forschung Industrie 4.0 Industriestandort Deutschland Nachhaltigkeit Smart Factory Wertschöpfung Wettbewerbsfähigkeit Wissenschaft
Mehr erfahren
27.04.2026

HANNOVER MESSE: Industrie zeigt Wege in eine wettbewerbsfähige Zukunft

Ein Rückblick auf die HANNOVER MESSE 2026 zeigt, dass die Industrie auch in herausfordernden Zeiten konkrete Lösungen liefert.

Assistenzsysteme Automatisierung Digitalisierung Energieeffizienz Humanoide Roboter Industrie Innovationen KI Künstliche Intelligenz Netzausbau Robotik Schlüsseltechnologien Wettbewerbsfähigkeit
Mehr erfahren
v. l. n. r.: Dr. Claus Schnitzler, Ulrich Berners, Dr. Jochen Stollenwerk, Dr. Lutz Aschke, Gwenn Pallier, Dr. Tobias Dyck, Dr. Oliver Haupt, Kristina zur Mühlen, Dr. Markus Kogel-Hollacher
24.04.2026

Innovationen aus der Lasertechnik für die Industrie

Alle zwei Jahre zeichnet der Arbeitskreis Lasertechnik e. V. Innovationen im Bereich der Lasertechnik aus. Am 22. April wurde der Preis im Rahmen des „AKL’26 – Internati...

Auszeichnung Award CO2 CO2 Emission Industrie Innovation Lasertechnik Luftfahrt Mikrostruktur UKP-Laser Ultrakurzpulslaser
Mehr erfahren
23.04.2026

Aktuelle Umfrage: Welche Roboter arbeiten in der Fabrik der Zukunft?

Eine Umfrage im Auftrag von reichelt elektronik zeigt, welche Roboter besonders beliebt sind und wie sie eingesetzt werden.

Automatisierung Dark Factory Industrie Löten Palettieren Roboter Robotik Schneiden Schweißen Technologie Umfrage
Mehr erfahren