Commentary
V. l. Dr. Jennifer Plath (Vorstand Stiftung Jugend forscht e.V.), Dr. Katja Pähle (Vorsitzende SPD-Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalt), Jürgen Böhm (Bildungsstaatssekretär des Landes Sachsen-Anhalt), Steffen Wagner (Geschäftsführer SLV Halle GmbH), Harald Adler (Wettbewerbsleiter Regionalwettbewerb) vorn: Vincent Keller und Anna Vetterke - © Falk Wenzel
08.03.2026

Interview mit Dr. Jennifer Plath von der Stiftung Jugend forscht

Seit März 2025 ist Dr. Jennifer Plath stellvertretende Geschäftsführerin und Mitglied im Vorstand der Stiftung Jugend forscht e. V. in Hamburg. Im Interview spricht sie über Nachwuchsförderung, die Zusammenarbeit mit Industriepartnern und den Übergang von Schule in technische Berufe. Beim Regionalwettbewerb in Halle (Saale) 2026 besuchte sie das Veranstaltungszentrum der SLV Halle GmbH. 

Wie ist Jugend forscht organisatorisch aufgebaut?

Dr. Jennifer Plath: Jugend forscht gliedert sich in drei Wettbewerbsebenen. In der aktuellen Wettbewerbsrunde haben sich 11.327 Teilnehmende angemeldet, die zunächst bei einem der 99 Regionalwettbewerbe antreten. Die Regionalsieger qualifizieren sich für die Teilnahme an einem der 30 Landeswettbewerbe. Die Alterssparte Jugend forscht junior endet auf der Landesebene, während die restlichen Landessieger im Mai für ihr Bundesland beim Bundesfinale starten.

Was erleben Sie bei den Wettbewerben als besonders wertvoll?

Ich schätze es besonders, viele Projekte kennenzulernen und zu erfahren, welchen Alltagsbezug oder welches Interesse die Jugendlichen zu ihrer Forschung motiviert hat. Auf den Wettbewerben ist es spannend zu beobachten, wie Kontakte zu anderen Schulen, Unternehmen oder Hochschulen geknüpft oder vertieft werden.

Welche Bedeutung hat die SLV Halle GmbH als Austragungsort?

Seit zehn Jahren stellt die SLV Halle ihre Infrastruktur und fachliche Expertise als Patenunternehmen zur Verfügung. Die Jungforschenden präsentieren ihre Projekte in einem Umfeld, das von technischer Aus- und Weiterbildung sowie industrienaher Forschung geprägt ist. Dadurch entsteht eine direkte Verbindung zwischen schulischer Projektarbeit und technischer Praxis. Bei meinem Besuch des Regionalwettbewerbs konnte ich erleben, wie die Kinder und Jugendliche in den direkten Austausch mit Mitarbeitenden des Unternehmens kamen und beim virtuellen Schweißen mit viel Spaß einen ersten Einblick in die Schweißtechnik erhalten konnten.

Was können Unternehmen konkret zur Nachwuchsförderung beitragen?

Wenn Unternehmen die Patenschaft für einen Jugend forscht Wettbewerb übernehmen, können sie neben der Ausrichtung des Wettbewerbs jungen Menschen einen Einblick in die technischen Prozesse und die Berufsbilder des eigenen Unternehmens ermöglichen. Besonders empfehlenswert ist es hier, verschiedene Personen in Bezug auf Alter, Geschlecht oder Bildungshintergrund einzubinden, die für die Teilnehmenden Role Models darstellen, mit denen sie sich identifizieren. Das macht es viel einfacher, sich einen eigenen beruflichen Werdegang vorstellen zu können.

Unternehmen eröffnet sich damit die Möglichkeit, potenzielle Fachkräfte bereits in einer frühen Phase kennenzulernen.

Dr. Jennifer Plath heißt die Schüler von Jugend forscht (junior) herzlich willkommen zum Regionalwettbewerb Halle - © Falk Wenzel
Dr. Jennifer Plath heißt die Schüler von Jugend forscht (junior) herzlich willkommen zum Regionalwettbewerb Halle © Falk Wenzel
Welche Rolle spielen Lehrkräfte im Wettbewerb?

Lehrkräfte erkennen Interessen früh und begleiten Projekte oft zusätzlich zum regulären Unterricht. Dieses freiwillige Engagement verdient Anerkennung. Es bildet eine wichtige Grundlage für erfolgreiche Projektarbeit.
Perspektivisch halte ich Formate für sinnvoll, die Lehrkräfte dabei unterstützen, forschungsorientierte Ansätze stärker in den Unterricht zu integrieren. Neben den Grundkompetenzen im MINT-Bereich sollte es das Ziel sein, junge Menschen zu unterstützen, eigenen Forschungsfragen und -interessen nachzugehen. Das fördert analytisches Denken, Problemlösungsfähigkeit und ein fundiertes Verständnis technologischer, ökologischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge. Damit leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Vorbereitung künftiger Fach- und Führungskräfte.

Sie sind seit einem guten Jahr bei Jugend forscht. Welche Ziele verfolgen Sie?

Unser Ziel ist es, die Grundstruktur von Jugend forscht zu stabilisieren und weiterzuentwickeln. Dazu gehört der enge Austausch mit den rund 190 Patenunternehmen und 8000 Ehrenamtlichen. Dieses Engagement bildet eine zentrale Grundlage des Wettbewerbs.
Gleichzeitig sollen künftig noch mehr junge Menschen erreicht werden, die ihre eigene Neugier und ihre Fähigkeiten noch nicht als förderwürdig wahrnehmen. Hier braucht es eine breite Sichtbarkeit des Wettbewerbs und gezielte Ansprache. Jugend forscht steht Schülern aller Schulformen offen. Auch Azubis, Berufsschüler sowie Erstsemester von Hochschulen und im dualen Studium können teilnehmen, sofern sie unter 21 Jahre alt sind.

Parallel dazu arbeiten wir in enger Abstimmung mit den Ländern daran, die regionale Wettbewerbsstruktur auszubauen. In einigen Regionen gibt es bislang keinen eigenen Regionalwettbewerb und die Jungforschenden haben lange Fahrtwege. Diese strukturellen Lücken möchten wir schrittweise schließen, damit interessierte junge Menschen unabhängig vom Wohnort und Bildungsweg teilnehmen können.

Was möchten Sie den Jungforschenden mit auf den Weg geben?

Wettbewerbe leben vom Austausch. Ein erfolgreiches Abschneiden ist nicht das alleinige Ziel. Ebenso wichtig ist das Netzwerk, das entsteht. Kontakte zu Gleichgesinnten und Fachinstitutionen ermöglichen Feedback und Weiterentwicklung. Neugier, Ausdauer und die Bereitschaft zur Kooperation sind langfristig fruchtbarer als Platzierungen. Sie bilden eine stabile Grundlage für weitere Schritte in Ausbildung, Studium oder Beruf.

Vielen Dank für das Gespräch und Ihre klaren Perspektiven zur Nachwuchsförderung.

(Quelle: SLV Halle GmbH)

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IndustrieInterviewJugend forschtMINTNachwuchsförderungSchweißenSchweißtechnikTechnische BerufeVirtuelles SchweißenWettbewerb

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