Research
CFK-Materialien bieten einen entscheidenden Vorteil für die Effizienz in der Luftfahrtproduktion. - © Fraunhofer IWU
23.05.2025

Neues Werkstoff- und Produktionskonzept reduziert Fertigungszeiten von Flugzeugtüren

Die Herstellung von Türen für Passagierflugzeuge ist überwiegend Handarbeit. Besonders zeitaufwendig ist die Montage der Türstrukturen mit ihren Schraub- und Nietverbindungen. Viele Zwischenschritte sind erforderlich, um den direkten Kontakt unterschiedlicher Werkstoffe zu vermeiden, der zu Korrosion führt. Werden statt Aluminium, Titan und Duroplasten hauptsächlich thermoplastische Kohlefaserverbundmaterialien (CFK) eingesetzt, die ohne Trennlagen automatisiert miteinander verschweißt werden können, geht es wesentlich schneller – die Fertigungszeit für die Türstruktur sinkt von 110 auf 4 Stunden. Dies zeigt das Forschungsprojekt TAVieDA von Fraunhofer IWU, Fraunhofer LBF, Trelleborg und Airbus Helicopters.
 
Ein Schlüssel zu kürzeren Montagezeiten liegt außerdem in der modularen Bauweise für unterschiedliche Flugzeugtürvarianten. Das Projektteam machte sich dafür gezielt auf die Suche nach Bauteilen in verschiedenen Türmodellen, die vereinheitlicht werden können. Fündig wurde das Team beispielsweise beim Querträger. Die Forscher entwarfen eine vollautomatische Montagelinie für die gängigsten Modelle und entwickelten Vorrichtungen sowie Spannelemente, die für die Fügetechnologien Widerstandsschweißen und Ultraschallschweißen geeignet sind.
Am Fraunhofer IWU entwickeltes Spannelement für das automatisierte Spannen und Fügen von thermoplastischen Kohlefaserverbundmaterialien bei Flugzeugtüren (z. B. Querträger). - © Fraunhofer IWU
Am Fraunhofer IWU entwickeltes Spannelement für das automatisierte Spannen und Fügen von thermoplastischen Kohlefaserverbundmaterialien bei Flugzeugtüren (z. B. Querträger). © Fraunhofer IWU
Von der Manufaktur zum industriellen Fertigungsprozess

Dr. Rayk Fritzsche, Projektleiter am Fraunhofer IWU: „Gemeinsam mit den Kollegen von Airbus haben wir uns alle Türstrukturen genau angesehen, um die Geometrien für ein automatisches Spannen und Fügen anzupassen. Im Ergebnis konnten wir die einzelnen Montageschritte neu organisieren und durchgehend automatisieren. Damit wird nur noch ein Bruchteil der bisherigen Durchlaufzeit benötigt.“ Lediglich für den Einbau der Verriegelungsmechanik ist noch Handarbeit erforderlich.

Vorgesehen sind nun zwei weitgehend identische Montage- bzw. Fügelinien, damit bei Ausfall einer Linie Ersatzkapazität zur Verfügung steht (Redundanz). Je 10 Türen können als Ergebnis verschiedener Vereinheitlichungsmaßnahmen in ein Los (Batch) zusammengefasst werden, bevor am Schichtende die Linie vollautomatisch für die nächste Modellreihe umgerüstet wird. Bezogen auf die Kapazität von 4000 Türen pro Jahr ergibt sich durch das neue Werkstoff- und Produktionskonzept ein erheblicher Skaleneffekt.

Das Fraunhofer LBF entwickelte und validierte im Projekt TAVieDa experimentell Messtechnik für sensorintegrierte Flugzeugtürdichtungen. Die neue Dichtungsgeometrie wurde vom Projektpartner Trelleborg u. a. mit Hilfe von Finite-Elemente-Simulationen entwickelt. Dabei wird das Bauteil virtuell betrachtet – in einer endlichen Anzahl kleiner, einfacher geometrischer Elemente (finite Elemente). - © Fraunhofer IWU
Das Fraunhofer LBF entwickelte und validierte im Projekt TAVieDa experimentell Messtechnik für sensorintegrierte Flugzeugtürdichtungen. Die neue Dichtungsgeometrie wurde vom Projektpartner Trelleborg u. a. mit Hilfe von Finite-Elemente-Simulationen entwickelt. Dabei wird das Bauteil virtuell betrachtet – in einer endlichen Anzahl kleiner, einfacher geometrischer Elemente (finite Elemente). © Fraunhofer IWU
Lohnt sich die Investition in neue Produktionsanlagen?

Maxi Grobis aus dem IWU-Team Fabrikplanung, Simulation und Bewertung simulierte alle technischen und betriebswirtschaftlichen Aspekte der neuen Montagelinie – die sich meist wechselseitig bedingen. Zu den wichtigsten technischen Bewertungskriterien zählen die Komplexität von Produkt und Produktionsprozess, Automatisierungschancen und -risiken auch aus dem Blickwinkel von Flexibilität und Wandlungsfähigkeit oder die Gesamtanlagenverfügbarkeit in einer Kette verschiedener Einzelautomatisierungen.

Eine Automatisierung, um der Automatisierung willen, war keine Option. Grobis betont: „Damit eine Lösung aus einem Guss herauskommen konnte, haben wir den Gesamtprozess von Produktion und Montage der Tür betrachtet und in eine dynamische Kostenrechnung überführt. Was technisch funktioniert, soll schließlich auch hinsichtlich Anschaffungskosten, Maschinenstundensätzen, Instandhaltungsaufwänden, Energiekosten, Kapitalbindung und Abschreibung stimmig sein. Allein das Einsparpotenzial bei den Lohnkosten oder durch kürzere Durchlaufzeiten aufzuzeigen, wäre zu kurz gesprungen.“

Unter Berücksichtigung aller technischen, logistischen und betriebswirtschaftlichen Kriterien sollte die neu entwickelte Automatisierungslösung umgesetzt werden. Besonders stolz ist Grobis, dass sie mit ihrem integrierten Simulationsansatz auch die Planungszeiten um rund ein Viertel reduzieren konnte: Wer die Betriebswirtschaft von vornherein mitdenkt, spart sich bereits bei der Planung unnötige Änderungsschleifen.

(Quelle: Fraunhofer IWU)

Schlagworte

AutomatisierungCFKFaserverbundwerkstoffeFertigungSchweißenUltraschallschweißenWiderstandsschweißen

Verwandte Artikel

02.04.2026

Neuerscheinung Richtlinie DVS 1619-1

Mit Ausgabedatum April 2026 ist die Richtlinie DVS 1619-1 „Nachweis der Konformität als Schweißbetrieb im Schienenfahrzeugbau zur Normenreihe EN 15085“ erschienen.

DVS Konformität Konformitätsnachweis Regelwerke Richtlinie Schienenfahrzeugbau Schweißarbeiten Schweißbetriebe Schweißen
Read more
01.04.2026

Cloos lädt ein zum Tech Day

Beim Cloos Tech Day am 18. Juni 2026 erwartet die Besucher Fachvorträge, Einblicke in die Praxis und der Austausch zu moderner Schweißtechnik und Automation.

Automation Digitalisierung Effizienzsteigerung Schweißen Schweißtechnik
Read more
31.03.2026

Karosserie Schweißarbeiten

Mit dem P3 GYS AUTO steht ein synergisches MIG/MAG-Schweißsystem für professionelle Karosseriearbeiten zur Verfügung.

Karosserie MAG-Schweißen MIG Schweißen Parameter Schweißen Schweißgerät Werkstatt
Read more
Präzises Metallschweißen mit Ultraschall: Hochfeste Verbindungen ohne Hitzeeinwirkung für maximale Materialschonung.
31.03.2026

Ultraschalltechnologie bei „Welt der Wunder“-Dokumenation

Die Sonotronic GmbH zeigt in einer neuen Dokumentation auf Welt der Wunder TV die Ultraschalltechnik als GreenTech-Schlüsseltechnologie.

Green Tech Kreislaufwirtschaft Kunststoffe Schlüsseltechnologien Schweißen Ultraschall Ultraschallschweißen
Read more
Pem Einpressbefestiger
30.03.2026

Vorteile der Einpresstechnik bei dünnen Blechen

Schweißen, Einpresstechnik oder Clinchen, das ist häufig die Frage, wenn es darum geht, Bauteile aus Metall miteinander zu verbinden.

Automobilindustrie Bolzenschweißen Clinchen Einpresstechnik Fertigung Schweißen Serienfertigung Verbindungstechnik
Read more