Management
© stock.adobe.com/kittisak
14.08.2022

Achtung, ätzend! Sicherer Umgang mit Gefahrstoffen

Achtung, ätzend! Sicherer Umgang mit Gefahrstoffen

Über die Atmung, den Mund oder die Haut – Gefahrstoffe können auf unterschiedlichen Wegen in den menschlichen Organismus gelangen und diesen schädigen. Bereits geringe Mengen der unter anderem zum Anätzen von Glas oder als Bestandteil verschiedener Reinigungsmittel für Industrie und Handwerk verwendeten Fluorwasserstoffsäure führen auf der Haut zu starken und schmerzhaften Verätzungen, die aufgrund zusätzlicher Wirkungen auf den menschlichen Stoffwechsel sogar zum Tod führen können. Welche Arbeitsschutz-Maßnahmen gegen derartige Gefahren getroffen werden müssen und wie eine angemessene Gefährdungsbeurteilung zum Umgang mit Gefahrstoffen im Betrieb aussieht, erklärt Dr. Uwe Pucknat, Präventionsexperte bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM).

Gefährdungsbeurteilung: fachkundig und kompetent

Üben Beschäftigte an ihrem Arbeitsplatz Tätigkeiten mit Gefahrstoffen aus oder können dort Gefahrstoffe freigesetzt werden, muss es eine diesbezügliche Gefährdungsbeurteilung geben, die von einer fachkundigen Person durchgeführt wurde: „Fachkundig bedeutet, die Person muss entweder über eine geeignete Berufsausbildung, einschlägige Berufserfahrung oder eine zeitnah ausgeübte entsprechende berufliche Tätigkeit sowie Kompetenz im Arbeitsschutz verfügen“, erläutert BGHM-Fachmann Dr. Uwe Pucknat. Letzteres meint insbesondere die Kenntnis des entsprechenden technischen Regelwerks, darunter die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) und die Hilfestellungen der gesetzlichen Unfallversicherungsträger, beispielsweise die DGUV-Informationsschriften sowie die Empfehlungen zur Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger. Verfügen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber selbst nicht über diese Kenntnisse, müssen sie sich fachkundig beraten lassen – etwa von der Fachkraft für Arbeitssicherheit oder der Betriebsärztin beziehungsweise dem Betriebsarzt.

Die Gefährdungsbeurteilung umfasst die
  • Identifizierung aller Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, inklusive der Freisetzung von Rauchen, Dämpfen, Stäuben oder Aerosolen auch von Nachbararbeitsplätzen,
  • Informationsermittlung,
  • Beurteilung der Gefährdungen durch Einatmen, Verschlucken und Hautkontakt nach Art, Ausmaß und Dauer,
  • Beurteilung der Brand- und Explosionsgefahren,
  • Festlegung geeigneter Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip (siehe „Schutz mit dem STOP-Prinzip“),
  • Unterweisung der Beschäftigten anhand einer Betriebsanweisung, inklusive arbeitsmedizinisch-toxikologischer Beratung,
  • Dokumentation und Wirksamkeitskontrolle.

Hilfestellung für die Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen bietet die TRGS 400.

© pixabay.com/PublicDomainPictures
© pixabay.com/PublicDomainPictures
Schutz mit dem STOP-Prinzip

Abhängig vom Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung sind geeignete Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip zu treffen: das bedeutet die Substitution des Gefahrstoffes durch einen weniger gefährlichen Stoff oder die Optimierung von Verfahrensabläufen sowie technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen zur Reduzierung der Gefährdung für die Beschäftigten – in ebendieser Reihenfolge. Die Beschäftigten sind verpflichtet, die Schutzmaßnahmen anzuwenden. „Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen gilt zudem immer die Maßgabe, Gefahrenbereiche räumlich zu begrenzen“, so Dr. Uwe Pucknat. „Bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen der Kategorie 1A oder 1B sind zusätzlich Warn- und Sicherheitszeichen anzubringen sowie ein risikobezogenes Maßnahmenkonzept anzuwenden.“ Nähere Informationen zum risikobezogenen Maßnahmenkonzept enthält die TRGS 910.

Informationen sammeln und bündeln

Wichtige Informationen über am Arbeitsplatz vorhandene Gefahrstoffe geben die Gefahrenpiktogramme des weltweit einheitlichen Systems zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien – des Globally Harmonised System (GHS). Einstufungs- und Kennzeichnungshinweise sind den jeweiligen Sicherheitsdatenblättern zu entnehmen. Aber Achtung: „Das Fehlen einer Kennzeichnung bedeutet nicht, dass der Einsatzstoff ungefährlich ist. Denn oft werden Gefahrstoffe durch eine Tätigkeit erst freigesetzt, wie zum Beispiel Rauche bei Löt- und Schweißarbeiten oder Holzstäube beim Schleifen von Holzwerkstoffen“, warnt Dr. Uwe Pucknat. Alle in einem Arbeitsbereich auftretenden Gefahrstoffe – auch solche, die erst im Arbeitsprozess freigesetzt werden – sind mit ihren gefährlichen Eigenschaften und den verwendeten Mengenbereichen in einem Gefahrstoffverzeichnis aufzulisten.

(Quelle: Presseinformation der BGHM – Berufsgenossenschaft Holz und Metall)

Schlagworte

ArbeitsschutzArbeitssicherheitGefährdungsbeurteilungGefahrstoffeGesundheitsschutzTRGS

Verwandte Artikel

25.01.2023

Fügetechnik: Das sind die Trends für 2023

Wohin entwickelt sich die Fügetechnik in diesem Jahr? Der WELDPROF® Prof. Dr. Emil Schubert gibt eine Vorschau auf die SCHWEISSEN & SCHNEIDEN 2023.

Arbeitsschutz Beschichten Datenerfassung Digitalisierung Fügen Fügetechnik Gesundheitsschutz Handschweißen Prozessketten SCHWEISSEN & SCHNEIDEN Schweißtechnik Smart Factory Smarte Produktion Trennen Weltmesse
Mehr erfahren
20.01.2023

Neue Lösungen zur Schweißrauchabsaugung

Um das ganze Spektrum der Schweißrauchabsaugung abzudecken, bietet AL-KO Extraction Technology vier Baureihen von Filteranlagen an. Eine davon als kombinierte Einheit mit...

Arbeitsschutz Gesundheitsschutz Hochlegierte Stähle Schweißrauchabsaugung Schweißtechnik
Mehr erfahren
Das HAHN+KOLB Team PSA bietet eine fundierte Beratung und ein umfassendes PSA-Sortiment – über alle Branchen hinweg und passend zu den individuellen Schutzanforderungen des jeweiligen Arbeitsplatzes.
05.12.2022

HAHN+KOLB verstärkt Fachberatung für PSA

Mit sachkundiger Beratung unterstützt der Systemlieferant HAHN+KOLB Kunden bei ihren individuellen Fragestellungen rund um die PSA und erweitert dazu sein Team an Fachbe...

Arbeitsschutz Arbeitssicherheit Persönliche Schutzausrüstung PSA Schweißerschutz
Mehr erfahren
Sicher geschützt beim Schweißen.
01.12.2022

Multi Protect-Helm für härteste Arbeitsbedingungen

„Hard Work Never Felt So Easy – Harte Arbeit war noch nie so einfach“ ist die gute Nachricht für alle Schweißprofis im Heavy Duty-Bereich: Endlich gibt es mit der HELIX S...

Arbeitsschutz Arbeitssicherheit Heavy-Duty-Schweißen PSA Schleifen Schneiden Schweißen Schweißerschutzhelm Stahlbau
Mehr erfahren
27.11.2022

Laser sicher anwenden

Laser werden in vielen Bereichen angewendet. Daher ist es wichtig, über den sicheren Umgang mit Lasern informiert zu sein. Die baua: Praxis „Laser sicher anwenden“ gibt w...

Arbeitsschutz Arbeitssicherheit Gesundheitsschutz Laserklassifizierungen Laserstrahltechnologien
Mehr erfahren