Wirtschaft
© pixabay.com/ziodanilo
18.02.2022

Aluminiumindustrie: Ausblick bleibt verhalten optimistisch

Aluminiumindustrie: Ausblick bleibt verhalten optimistisch

Die deutsche Aluminiumindustrie blickt trotz eines äußerst herausfordernden Umfelds auf ein starkes Jahr 2021 zurück. Produktion und Auftragseingang am Standort Deutschland haben gegenüber dem Jahr 2020 zugelegt. Dies unterstreicht die Lösungskompetenz und den zunehmenden Stellenwert, den der Werkstoff Aluminium bei der Transformation unserer Industrie und Gesellschaft bereits heute einnimmt. Allerdings nahmen die Risiken im Jahresverlauf deutlich zu und werden die Unternehmen auch 2022 weiter unter Druck setzen.

Fertigung am Standort Deutschland: Attraktiver Werkstoff, wettbewerbsfähige Unternehmen

Die deutschen Betriebe der Aluminiumindustrie haben im Jahr 2021 insgesamt mehr produziert als im Jahr zuvor. Vor allem der Halbzeugsektor legte im vergangenen Jahr deutlich zu. Mit rund 2 Mio. Tonnen liefen knapp 10 Prozent mehr Walzprodukte von den Bändern als 2020. Die Strangpresswerke in Deutschland erreichten mit einem Output von knapp 610.000 Tonnen und einem Zuwachs von stattlichen 20 Prozent fast das Allzeithoch aus dem Jahr 2007. Die Rohaluminiumproduktion war mit rund einer Mio. Tonnen stabil. Jedoch haben insbesondere die drastisch angestiegenen Energiepreise zu deutlichen Rückgängen bei der Produktion im vierten Quartal 2021 geführt (-16 Prozent). Der Umsatz der Betriebe erholte sich nach dem Krisenjahr 2020 deutlich (+23 Prozent) und erreichte mit einem Wert von 21,7 Mrd. Euro beinahe wieder das Niveau aus dem Jahr 2018. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Aluminiumnotierungen an der London Metal Exchange (LME) im Jahresverlauf kräftige Kursanstiege verzeichnet haben.

Dr. Hinrich Mählmann, persönlich haftender Gesellschafter der OTTO FUCHS KG und Präsident von Aluminium Deutschland unterstrich: „Die deutsche Aluminiumindustrie ist in einem schwierigen Marktumfeld erneut gewachsen. Das unterstreicht zum einen die Attraktivität des Werkstoffs in den Augen unserer Kunden, gerade auf dem Weg hin zu einer klimaneutralen Industrie. Leichtbaukompetenz und sehr hohe Recyclingfähigkeit vereinen sich bei Aluminium. Außerdem zeigt sich, dass die deutschen Werke in einem hartumkämpften Wettbewerb sehr leistungsfähig sind.“

Standort Deutschland im anhaltenden Gegenwind

Auch wenn sich die deutsche Aluminiumindustrie im zweiten Pandemiejahr 2021 vergleichsweise gut geschlagen hat, ist das Fahrwasser zuletzt deutlich unruhiger geworden. Durch den jüngsten, drastischen Anstieg der Strompreise steht die energieintensive Branche zunehmend mit dem Rücken zur Wand. Auch der anhaltende Chipmangel und volatile Abrufzahlen vonseiten der Kunden stellen die überwiegend mittelständischen Unternehmen teils an den Rand ihrer Existenz. Zudem bescheren die kürzlich ausgesetzten Anti-Dumping-Zölle auf spezielle flachgewalzte Produkte aus China den hiesigen Produzenten einen erheblichen Wettbewerbsnachteil.

Dr. Mählmann dazu: „Die pandemie- und marktbedingten Unwägbarkeiten haben wir mit erheblichen Anstrengungen meistern können. Sorge bereitet uns vor allem die politische Einflussnahme auf die Industrie in Deutschland und Europa. Die jüngste Energiepreisexplosion, die nicht überraschend kam, setzt die Unternehmen massiv unter Druck. An dieser Stelle muss sich die Politik die Frage stellen, ob sich die deutsche Volkswirtschaft bei einem zunehmend relevanten Werkstoff wie Aluminium noch stärker von Importen teils unzuverlässiger Handelspartner abhängig machen will. Die Versorgungsunsicherheit bei kritischen Legierungsmetallen hat darüber hinaus zu großer Verunsicherung in der gesamten Lieferkette geführt. Wir stehen zu den Klimaschutzzielen in Deutschland und Europa. Allerdings: Wir können nicht aus eigener Kraft die Energieerzeugung in Deutschland dekarbonisieren. Ohne den raschen und entschlossenen Ausbau der Erneuerbaren in Deutschland, ohne politische Flankierung der gesamten Industrie, wird Dekarbonisierung auf Deindustrialisierung hinauslaufen. Das ist sicher nicht das politische Ziel. Zudem ist dem Klima nicht geholfen, wenn die Produktion in Länder mit deutlich geringeren Sozialund Umweltstandards abwandert. Wir haben großes Vertrauen in die neue Bundesregierung, das ehrgeizige Projekt ganzheitlich und im Schulterschluss mit der Industrie umzusetzen.“

Ausblick 2022: Robust, mit Herausforderungen

Die Aluminiumindustrie blickt mit Optimismus ins Jahr 2022. Marius Baader, Geschäftsführer von Aluminium Deutschland, hierzu: „Die Unwägbarkeiten sind nicht verschwunden, aber wir lernen, besser damit umzugehen. Die gut gefüllten Auftragsbücher bei unseren Kunden aus der Industrie stimmen uns recht positiv für 2022. Sollten sich Versorgungsengpässe und Chipmangel im Laufe des Jahres auflösen, dürfte sich die aufgestaute Nachfrage materialisieren und einen Wachstumsschub mit sich bringen. Die deutsche Aluminiumindustrie hat eine klare Strategie und bleibt wichtiger Entwicklungspartner ihrer Kundenbranchen in Europa und in Deutschland. Aluminium ist der Enabler für „fit for 55“, darauf sind wir stolz.“

(Quelle: Presseinformation von Aluminium Deutschland e. V.)

Schlagworte

AluminiumHalbzeugeLeichtbauRecycling

Verwandte Artikel

xTool MetalFab
04.11.2026

Multifunktionales Lasersystem für verschiedene Metalle

Auf der diesjährigen Euroblech in Hannover vom 20. bis 23. Oktober präsentierte xTool den xTool MetalFab, eine Lösung für Laserstrahlschweißen und CNC-Schneiden in der Me...

Aluminium CNC-Schneidsysteme Edelstahl Gravieren Laserstrahlschweißen Metallbearbeitung Reinigen Schneiden Schweißen Verzinkte Bleche
Mehr erfahren
30.10.2026

Anwender-Tag an der MPA

Am 15. Oktober 2026 fand an der Materialprüfungsanstalt (MPA) ein Anwender-Tag zum Thema Solid-State-Fügen statt. Die Veranstaltung bildete den Auftakt einer Reihe von vi...

5-Achs-CNC-Maschine Aluminium Fräsbearbeitung Fügeverfahren Kupfer Orbitalschweißen Reibelementschweißverfahren Robotergeführtes Rührreibschweißen Roboterintegration Rührreibschweißen Rührreibschweißprozess Schweißzange Schweißzangenkonzept Solid-State-Fügen Umspannvorgänge Werkzeugauswahl
Mehr erfahren
Lorch Schweißtechnik has added a push-pull function to its iQS series. These power sources are now able to operate torches with dedicated motors that actively control the wire feed at the front.
23.10.2026

Lorch IQS Series now with Push-Pull Function

Lorch Schweißtechnik has added a push-pull function to its iQS series which allows for the torches to be operated with dedicated slave motors that actively control the wi...

Aluminium Cobots Manual Welding Metal Engineering Shipbuilding System Engineering Torch Hose Package Vehicle Construction Welding Welding Torch
Read more
22.10.2026

Call for Papers: International Congress and Exhibition on Aluminium Brazing 2027

Der DVS – Deutsche Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V. ruft Fachleute aus Firmen, Forschungseinrichtungen und Anwenderbereichen des Aluminiumlötens zum Ei...

Aluminium Aluminium Brazing Call for Papers DVS e. V. DVS Group DVS Media GmbH Hartlöten HVAC&R Industrieausstellung Konferenz Korrosion Normen Qualitätskontrolle Standards Wärmetauscher
Mehr erfahren
22.10.2026

Call for Papers: International Congress and Exhibition on Aluminium Brazing 2027

DVS – German Welding Society invites professionals from companies, research institutions and user sectors in the field of aluminium brazing to submit presentation proposa...

Aluminium Aluminium Brazing Brazing DVS e. V. DVS Events DVS Group German Welding Society Heat Exchanger HVAC&R Materials Quality Assessment Quality Control Soldering
Read more