Wirtschaft
© Formnext Mesago Messe Frankfurt GmbH
20.09.2025

Änderung der deutschen Förderstrategie für Additive Fertigung gefordert

Die Formnext sowie führende Experten im Bereich Additive Fertigung (AM) in Deutschland fordern ein Überdenken der staatlichen AM-Förderung. In der aktuellen Vorlage des Haushaltsentwurfs der Bundesregierung sind keine neuen Förderungen für AM und Leichtbau geplant.

„Wir vermissen hier ein klares Bekenntnis zu dieser Zukunftstechnologie, insbesondere nachdem dies im Koalitionsvertrag bereits in Aussicht gestellt wurde“, so Sascha Wenzler, der als Vice President Formnext bei Mesago Messe Frankfurt die weltweit wichtigste Messe für die Additive Fertigung und die nächste Generation der industriellen Produktion verantwortet. Auch weitere führende deutsche AM-Experten zeigen sich enttäuscht und fordern eine Aktualisierung der politischen Strategie.

Sascha F. Wenzler, Vice President Formnext - © Formnext Mesago Messe Frankfurt GmbH
Sascha F. Wenzler, Vice President Formnext © Formnext Mesago Messe Frankfurt GmbH

Noch vor wenigen Wochen hatte die neue deutsche Regierung in Aussicht gestellt, sich stärker um Zukunftstechnologien wie die Additive Fertigung zu kümmern. Der 3D-Druck wurde als förderungswürdige Technologie explizit im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD auf Seite 4 genannt. Unter dem Titel „Verantwortung für Deutschland“ hieß es: „Wir fördern Leichtbau-Technologie, additive Fertigung und 3D-Druck.“ Diese Position wurde Anfang Juni bestätigt, als die Wirtschaftsminister der Bundesländer für zwei Tage in Stuttgart zusammenkamen: „Die Wirtschaftsministerkonferenz begrüßt, dass die Förderung von Leichtbautechnologien, additiver Fertigung und 3D-Druck auch weiterhin zu den politischen Zielsetzungen auf Bundesebene zählt – ein wichtiges Signal, das nun mit konkreten Maßnahmen hinterlegt werden sollte“, hieß es im Ergebnisprotokoll.

Nur noch abwickeln

Im aktuellen Haushaltsentwurf der Bundesregierung von 26.06.2025 findet sich die Additive Fertigung (die bisher unter dem Begriff Leichtbau mitgefördert wurde) dagegen nicht wieder. Auf Seite 3364 werden dagegen für den Bereich Leichtbau statt neuer Projekte nur noch Mittel eingeplant, die „ausschließlich zur Ausfinanzierung der in Vorjahren eingegangenen Verpflichtungen und zur Abwicklung des Programms Leichtbau“ dienen.

Auswirkungen auf AM-Industrie und andere Branchen

Sollte dieser Entwurf umgesetzt werden, sieht Sascha Wenzler „die weltweit führende Position der deutschen AM-Industrie langfristig auf dem Spiel. Dies hätte sicherlich auch Auswirkungen auf die Innovationsfähigkeit zahlreicher deutscher Industriebereiche.“ Denn die Additive Fertigung ist eine junge und gleichzeitig extrem innovative Technologie. Additiv gefertigte Bauteile und Komponenten machen bereits heute in zahlreichen Branchen neue, leistungsfähigere und oftmals auch nachhaltigere Produkte und Lösungen möglich. Das betrifft unter anderem die Automobilindustrie, die Medizin, die Energiewirtschaft sowie sicherheitsrelevante Branchen wie Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung.

„Diese große Bedeutung für Innovationen haben Staaten wie USA, China und zahlreiche andere erkannt und in entsprechenden Förderprogrammen umgesetzt“, ergänzt Christoph Stüker, ebenso Vice President Formnext bei Mesago Messe Frankfurt. „Die deutsche AM-Industrie spielt in der führenden Liga weltweit. Die Innovationen, die deutsche Unternehmen und Forschungsinstitute regelmäßig erfolgreich entwickeln, reichen von neuen AM-Systemen über Materialien bis hin zu Lösungen für die Nachbearbeitung.“ Dies zeigt sich auch jedes Jahr auf der Formnext, die als international wichtigstes Branchenevent die weltweite AM-Szene nach Frankfurt holt. „Damit die Lösungen deutscher AM-Unternehmen auch in Zukunft Innovationen in weiten Teilen der Industrie ermöglichen können, brauchen wir ebenso eine staatliche Unterstützung dieser für die gesamte Industrie so wichtigen Branche“, so Stüker.

Christoph Stüker, Vice President Formnext - © Formnext Mesago Messe Frankfurt GmbH
Christoph Stüker, Vice President Formnext © Formnext Mesago Messe Frankfurt GmbH
„Strategie dringend aktualisieren“

Auch wichtige deutsche AM-Experten sehen die aktuelle Entwicklung kritisch. „Wir hatten mit dem neuen Koalitionsvertrag die Hoffnung verbunden, dass die Additive Fertigung systematisch sowohl kurzfristig als auch mittelfristig Unterstützung erfährt, um im globalen Wettbewerb in der Führungsgruppe bleiben zu können“, so Prof. Christian Seidel von der Hochschule München University of Applied Sciences und von Wohlers Associates. Die Folgen für die AM-Landschaft in Deutschland sind für Seidel nicht absehbar „Während andere Länder das Vorankommen in der Additiven Fertigung mit hohen Beträgen fördern, gilt es in Deutschland nun dringend, die eigene Strategie zu aktualisieren und gemeinsam zwischen Politik und Wirtschaft umzusetzen. Ein „Weiter so“ kann ins Mittelmaß führen.“

Ähnliche Bedenken äußert Markus Heering, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing im VDMA: „Wir sehen die aktuelle wirtschaftspolitische Entwicklung in Deutschland rund um neue Produktionstechnologien, insbesondere Additive Manufacturing kritisch. Für den heimischen Maschinen- und Anlagenbau sind Innovationen aus der Industrie und der Forschung auch mit leistungsfähigen AM-Lösungen enorm wichtig. Das ist ein Schlüssel zur Entwicklung von Technologieführerschaft und Erhaltung der technologischen Souveränität des Standortes Deutschland. Dazu fordern wir ein starkes Engagement aus der Politik.“

(Quelle: Formnext Mesago Messe Frankfurt)

Schlagworte

Additive FertigungBundesregierungFörderungLeichtbauZukunftstechnologien

Verwandte Artikel

Der am Fraunhofer ILT entwickelte Fluidic Powder Switch stoppt den Pulverstrom in Millisekunden direkt an der Düse, verschleißfrei und ohne bewegliche Teile.
17.10.2026

Innovationen für die additive Fertigung auf der Formnext

Auf der Formnext vom 17. bis 20. November 2026 in Frankfurt/Main zeigt das Fraunhofer ILT am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand D31 in Halle 11.0 Lösungen, die die additive Fe...

Additive Fertigung Bauteile Innovationen Laser Powder Bed Fusion Laserstrahlauftragschweißen LPBF Wasserstoffwirtschaft
Mehr erfahren
DVS Group
13.10.2026

Geplante Kürzung der For­schungs­för­de­rung zurück­nehmen

DVS Forschung und FOSTA warnen davor, im Bundeshaushalt 2027 die Mittel für die Mittelstandsforschung zu kürzen. Damit drohe der Stillstand bei neuen Forschungsprojekten...

Digitalisierung DVS Fördermittel Forschung Industrielle Gemeinschaftsforschung Innovationskraft Mittelstand Mittelstandsforschung Wettbewerbsfähigkeit Zukunftstechnologien
Mehr erfahren
Additiv gefertigtes Einspritzsystem für die saubere Verbrennung alternativer und fossiler Kraftstoffe in Gasturbinen.
10.10.2026

Saubere Gasturbinen aus dem 3D-Drucker

Gemeinsam mit zwei anderen Forschenden entwickelt Dr. Fabian Hampp, Nachwuchsgruppenleiter am Institut für Verbrennungstechnik der Luft- und Raumfahrt (IVLR) der Universi...

3D-Druck Additive Fertigung Brennstoffe EFuels Gasturbinen Injektor Laser Powder Bed Fusion Metallpulver Verbrennungstechnik Wasserstoff
Mehr erfahren
Prozessschritte der neuen thermo-mechanischen Gewindeintegration.
09.10.2026

Neue thermo-mechanische Verbindungstechnik für additiv gefertigte Kunststoffbauteile

Die additive Fertigung (AM), insbesondere die Materialextrusion (MEX) mit thermoplastischen Kunststoffen, entwickelt sich zunehmend zur Technologie für leistungsfähige Fu...

3D Druck Additive Fertigung Automatisierung Bauteile Fügen von Kunststoffen Gewinde Gewindehülsen Joining Plastics JP Kunststoffe Thermoplastische Kunststoffe Verbindungstechnik
Mehr erfahren
Eröffnung DVS CONGRESS
DVS Group
06.10.2026

Rückblick DVS CONGRESS 2026 in Erlangen

Kompaktes Fachwissen, moderierte Diskussionen und persönlicher Austausch: Rund 300 Fachleute und zwölf ausstellende Unternehmen sprachen vom 14. bis 15. September in Erla...

Additive Fertigung Automatisierung Defense DVS DVS CONGRESS Forschungsvereinigung Künstliche Intelligenz Schweißen Schweißtechnik Stahlbau
Mehr erfahren