Pultrusion zählt zu den effizientesten Verfahren zur Herstellung von Faserverbundprofilen. Die Technologie ermöglicht leichte, korrosionsbeständige und hochfeste Bauteile für Solaranlagen, Windkraft, Infrastruktur, Schienenfahrzeuge und E-Mobilität. Das Fraunhofer IWU entwickelt dabei innovative Pultrusionsverfahren mit Thermoplasten, Hybridprofilen und recycelbaren Werkstoffen für die Industrie von morgen.
Durch die Kombination verschiedener Fasern und Harzsysteme lassen sich die Eigenschaften der Profile gezielt an die jeweilige Anwendung anpassen. Zudem können pultrudierte Profile direkt in der gewünschten Geometrie gefertigt werden – auch mit unterschiedlichen Wandstärken, Hohlkammern oder Hinterschneidungen. Hohe Produktionsgeschwindigkeiten und vergleichsweise niedrige Herstellkosten machen das Verfahren für zahlreiche Branchen interessant.
Was sind die Vorteile der Pultrusion?
Pultrudierte Profile vereinen mehrere Eigenschaften, die sie für moderne Industrieanwendungen attraktiv machen:
- hohe mechanische Festigkeit bei geringem Gewicht
- korrosions- und witterungsbeständige Werkstoffe
- konstante Qualität durch automatisierte Fertigung
- wirtschaftliche Herstellung auch großer Stückzahlen
- flexible Anpassung von Geometrie und Materialeigenschaften
- Möglichkeit zur Integration zusätzlicher Funktionen und Komponenten
Dadurch eröffnen sich Einsatzmöglichkeiten in Bereichen, in denen langlebige und gleichzeitig leichte Konstruktionen gefragt sind.
Anwendungen von Pultrusionsprofilen
Pultrudierte Faserverbundprofile kommen bereits heute in unterschiedlichen Branchen zum Einsatz. Besonders gefragt sind sie dort, wo Korrosionsbeständigkeit, geringes Gewicht und hohe Steifigkeit erforderlich sind.
Erneuerbare Energien
Bei Unterkonstruktionen von Solaranlagen müssen Bauteile dauerhaft Wind- und Witterungseinflüssen standhalten. Pultrudierte Profile bieten hierfür eine hohe Korrosionsbeständigkeit und die notwendige Stabilität. Auch in Rotorblättern von Windkraftanlagen sind verwindungssteife Strukturen gefragt.
Infrastruktur und Bauwesen
Im Tiefbau gewinnen pultrudierte Betonarmierungen (GFK-Rebars) an Bedeutung. Im Vergleich zu klassischem Baustahl sind sie salz- und korrosionsbeständig. Dadurch können sie die Lebensdauer von Brücken, Tunneln und anderen Bauwerken erhöhen. Darüber hinaus sind die Werkstoffe beständig gegenüber Chemikalien sowie witterungsbedingten Einflüssen.
E-Mobilität und Transport
In Batteriegehäusen und Unterbodenschutzsystemen bieten pultrudierte Profile Vorteile durch ihr geringes Gewicht, ihre elektrische Isolationsfähigkeit und ihre crashrelevanten Eigenschaften. Im Schienenfahrzeugbau lassen sich zudem Kabelführungen und Elektronik direkt in komplexe, multifunktionale Profile integrieren.
Nachhaltigkeit: Trend zu thermoplastischen Matrixsystemen
Ein wichtiger Treiber für neue Anwendungen der Pultrusion sind alternative Matrixsysteme. Neben klassischen duroplastischen Harzen gewinnen thermoplastische Lösungen zunehmend an Bedeutung.
Thermoplastische Pultrusionsprofile können am Ende ihres Lebenszyklus recycelt werden. Darüber hinaus lassen sie sich nach der Herstellung unter Wärmeeinwirkung nachträglich umformen. Damit eröffnen sich zusätzliche Möglichkeiten für nachhaltige Leichtbaulösungen in Industrie und Infrastruktur.
Pultrusionsforschung am Fraunhofer IWU
Das Fraunhofer IWU hat das Pultrusionsverfahren in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Zu den Kompetenzen des Instituts zählen die Herstellung komplexer Profilstrukturen im industriellen Maßstab sowie die Verarbeitung unterschiedlichster Materialsysteme – von klassischen Harzbädern über hochreaktive 2K-Systeme bis hin zur thermoplastischen Pultrusion in reaktiver und schmelzebasierter Ausführung.
Die Forschenden decken die gesamte Wertschöpfungskette ab: von der Auslegung und Simulation über die Fertigung bis hin zur Analytik. Zum Materialspektrum gehören neben hochreaktiven Harzsystemen auch Thermoplaste sowie Kohlenstoff- und Naturfasern.
Darüber hinaus arbeitet das Fraunhofer IWU an querschnittsveränderlichen Profilen und gradierten Strukturen. Auch die Integration von Metallen oder Sensoren in pultrudierte Bauteile gehört zum Forschungsspektrum. Begleitprozesse wie Imprägnierung, Aushärtung und Verzug können simuliert und optimiert werden.
Nach Angaben des Instituts ist das Fraunhofer IWU weltweit die einzige Forschungseinrichtung, die gekrümmte Pultrusionsprofile herstellen kann.
Symposium „Leichtbau ein Profil geben“ 2026
Am 16. und 17. Juni 2026 veranstaltet das Fraunhofer IWU die sechste Ausgabe des Symposiums „Leichtbau ein Profil geben“. Gleichzeitig markiert die Veranstaltung das zehnjährige Jubiläum der Pultrusionsforschung am Institut.
Im Fokus stehen der fachliche Austausch sowie aktuelle Entwicklungen in der Pultrusion. Vorgestellt werden unter anderem:
- eine Live-Pultrusion mit einem ProxximaHarzsystem zur Herstellung einer neuen Klasse duroplastischer Polyolefine,
- Forschungsergebnisse zur Inline-Herstellung hybrider Pultrusionsprofile,
- Entwicklungen zur Energieabsorption von Hybridprofilen im Crashfall sowie deren Kompatibilität mit klassischen Fügeverfahren.
Pultrusion ermöglicht die wirtschaftliche Herstellung hochfester, leichter und korrosionsbeständiger Faserverbundprofile. Mit Anwendungen in den Bereichen erneuerbare Energien, Infrastruktur, Bauwesen, Schienenverkehr und E-Mobilität gehört das Verfahren zu den wichtigen Technologien des modernen Leichtbaus. Fortschritte bei thermoplastischen Matrixsystemen und hybriden Profilstrukturen erweitern das Einsatzspektrum zusätzlich und schaffen neue Perspektiven für nachhaltige Konstruktionen.
INFO
Kurz erklärt: Pultrusion ist ein automatisiertes Verfahren zur Herstellung hochfester Faserverbundprofile. Die Technologie ermöglicht leichte, korrosionsbeständige und kosteneffiziente Bauteile für Bauwesen, Energietechnik, Infrastruktur und E-Mobilität. Das Fraunhofer IWU entwickelt dabei innovative Lösungen wie thermoplastische Pultrusion, Hybridprofile und gekrümmte Faserverbundstrukturen.
(Quelle: Fraunhofer IWU)
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