Management
Arbeitssicherheit muss ein Teil der Unternehmenskultur werden - © TÜV Rheinland/Shutterstock
14.08.2025

Arbeitssicherheit muss ein Teil der Unternehmenskultur werden

Arbeitssicherheit hängt eng mit der Unternehmenskultur und den Werten in einem Unternehmen zusammen. Um zu einer gelebten Sicherheitskultur zu gelangen, nehmen die Unternehmensleitung und die Führungskräfte eine Schlüsselrolle ein

„Mal eben über eine rote Ampel gehen, zum Wechseln eines Leuchtmittels auf einen Stuhl klettern – meist passiert bei unsicheren Verhaltensweisen nichts. Dass nur selten etwas passiert, verstärkt dieses Vorgehen und das Bewusstsein für die Gefahr sinkt. Genauso ist es bei unsicheren Verhaltensweisen bei der Arbeit“, weiß Maja Zeller, die als Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologin bei TÜV Rheinland Unternehmen und Organisationen berät. Begünstig wird riskantes Arbeiten, wenn im Unternehmen das Bewusstsein für Arbeitssicherheit gering ist und die Beschäftigten das Gefühl haben, dass eine hohe Produktion in kurzer Zeit wichtiger ist als sicheres Arbeiten. „Um von dieser Einstellung zu einer positiv ausgeprägten Sicherheitskultur im Unternehmen zu gelangen, genügen Unterweisungen und Sicherheitsgespräche nicht. Es ist ein Wertewandel auf allen Hierarchieebenen erforderlich, für den bei uns die Bereiche Arbeitssicherheit und Betriebspsychologie eng zusammenarbeiten“, betont Elena Sax, Sicherheitsingenieurin bei TÜV Rheinland.

Gelebte Arbeitssicherheit beugt Unfällen vor

Arbeitssicherheit hängt eng mit der Unternehmenskultur und den Werten in einem Unternehmen zusammen. Um zu einer gelebten Sicherheitskultur zu gelangen, nehmen die Unternehmensleitung und die Führungskräfte eine Schlüsselrolle ein: Sie sind mit ihrem Verhalten Vorbilder für die Beschäftigten. „Wenn Führungskräfte die Sicherheitsmaßnahmen konsequent einhalten, beispielsweise wenn auch die Unternehmensleitung beim schellen Gang in die Werkhalle die erforderliche Schutzkleidung trägt, signalisiert das den Mitarbeitenden: Sicherheit geht vor, ein sicheres Verhalten ist von allen erwünscht“, erläutert Sax.

Ebenso wichtig wie die Vorbildfunktion der Führungskräfte ist die Kommunikation von Sicherheitsthemen. „Eine lange, einmal im Jahr durchgeführte Sicherheitsunterweisung führt nicht dazu, dass die Beschäftigten sich mit dem Thema identifizieren und die Inhalte aus Überzeugung umsetzen“, erklärt Zeller. Stattdessen empfiehlt sie, Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an passender Stelle regelmäßig aufzugreifen. „Unser Ziel ist es, dass Beschäftigte ein Bewusstsein für die Themen entwickeln, den Nutzen für sich und ihre Kolleginnen und Kollegen erkennen und dadurch von sich aus auf sicheres Arbeiten achten“, erläutert Zeller.

Fehler als Chance zur Verbesserung erkennen

„Unternehmen mit einer hoch entwickelten Sicherheitskultur sehen Fehler als Chancen zur Verbesserung“, weiß Sax. Statt nach Schuldigen suchen die Führungskräfte mit ihrem Team nach den Ursachen für den Fehler. Nur so kann dieser in Zukunft vermieden und eine erneute Gefährdung ausgeschlossen werden. Diese positive Fehlerkultur ist die Voraussetzung dafür, dass Mitarbeitende Fehler zeitnah und offen berichten. Sie ist zugleich Grundlage für eine gelebte Sicherheitskultur im Unternehmen. Denn Mitarbeitende sind nicht nur für sich selbst verantwortlich, sondern auch für die Sicherheit und Gesundheit ihrer Kolleginnen und Kollegen. Das beinhaltet, sich gegenseitig auf Fehler oder Nachlässigkeiten wie einen vergessenen Helm beim Betreten der Baustelle aufmerksam zu machen.

Kommunikation als Schlüsselwerkzeug zur Verankerung von Arbeitssicherheit

Für gegenseitiges Feedback und die Etablierung einer sicherheitsorientierten Unternehmenskultur ist Kommunikation der Schlüssel. Zum einen muss die Unternehmensleitung gemeinsam mit den Führungskräften die Vision der Unternehmenskultur und die damit verbundenen Werte klar mitteilen. Zum anderen ist ein wertschätzender und offener Umgang miteinander wichtig.

„Um die Sicherheitskultur in einem Unternehmen zu verbessern, analysieren wir, welche Gefährdungen vorliegen und welche Maßnahmen sich daraus ableiten“, betont Sax. „Doch damit aus diesen Erkenntnissen eine sicherheitsbewusste Unternehmenskultur entsteht, ist es wichtig, dass alle im Unternehmen daran beteiligt sind. Daher sollten die Beschäftigten einbezogen werden, sobald die Vision herausgearbeitet ist. Sie sind Experten für ihre Bereiche. Wir Betriebspsychologen und -psychologinnen unterstützen die Etablierung und Weiterentwicklung der Sicherheitskultur im Unternehmen zusammen mit den Expertinnen und Experten für Arbeitssicherheit durch unterschiedliche Maßnahmen wie Workshops oder Coachings“, erklärt Zeller.

Unternehmen und Beschäftigte können sich über das Angebot zur Arbeitssicherheit von TÜV Rheinland informieren:

Beratung durch den betriebspsychologischen Dienst von TÜV Rheinland www.tuv.com/abo-psychologie

Beratung durch Experten für Arbeitssicherheit www.tuv.com/arbeitssicherheit

(Quelle: TÜV Rheinland)

Schlagworte

AMEWAGesundheitsschutzIngenieurKRichtenSchutzkleidungSicherheitSicherheitsunterweisungTIGUnternehmenskulturUnterweisungenWerkzeug

Verwandte Artikel

08.03.2026

New State-of-the-Art WAAM Cell

PolyWAAM is a fully automated Wire Arc Additive Manufacturing (WAAM) cell presented by Polycontrols for large-scale metal part production and industrial repair. The compa...

AM Components In-situ robotic machining ITSC Metal production WAAM WAAM cell Wire Arc Additive Manufacturing
Read more
02.03.2026

Technologieforum: Sicherheit beim Schweißen

Am 16. April 2026 findet ein Forum im SchweisserCampus Krefeld zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz beim Schweißen statt.

Arbeitssicherheit Gesundheitsschutz Laserstrahlhandschweißen Metallverarbeitung Schutzgase Schweißen Schweißrauch Schweißrauchemissionen
Mehr erfahren
20.02.2026

Arbeitsunfall – was ist zu tun?

Was zu tun ist, wenn es zu einem Arbeitsunfall kommt – darüber sind viele Beschäftigte nicht richtig informiert.

Arbeitsschutz Arbeitssicherheit Arbeitsunfall Berufsgenossenschaft Gefährdungsbeurteilung Gesundheitsschutz
Mehr erfahren
17.02.2026

5 Trends für die Fertigungssimulation

Die Zukunft der Fertigung ist vernetzter, schneller, digitaler. Das Jahr 2026 wird bei dieser Entwicklung eine entscheidende Rolle spielen, weil Fachkräfte, Anlagen, Robo...

Automatisierung Digitalisierung Fertigung Fertigungssimulation KI Prozessketten Roboter Simulation Werkbank Werkzeug
Mehr erfahren