Wissenswertes
© DEKRA e.V
20.02.2026

Arbeitsunfall – was ist zu tun?

Was ist zu tun, wenn es zu einem Arbeitsunfall kommt? Darüber sind viele Beschäftigte nicht ausreichend informiert, beobachten Arbeitsschutzexperten von DEKRA in ihrer täglichen Praxis. Dabei müssen Mitarbeitende in der jährlichen Unterweisung zum Arbeitsschutz erfahren, welche Schritte zur Ersten Hilfe gehören, wozu das Verbandbuch dient und wann ein Durchgangsarzt aufzusuchen ist. Unternehmen und Beschäftigte riskieren rechtliche, finanzielle oder gesundheitliche Nachteile, wenn sie die geltenden Vorgaben nicht einhalten.

„Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, ihre Beschäftigten zu unterweisen, was bei einem Arbeitsunfall zu tun ist“, sagt Jörg Lobe, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Gesundheitsschutz bei DEKRA. „Wer von einem Arbeitsunfall selbst betroffen ist oder als Ersthelfer vor Ort ist, muss diese Basics unbedingt kennen. Sonst riskiert er seinen Versicherungsschutz oder gar gesundheitliche Spätfolgen.“

Häufig wird die Unterweisung zum Arbeits- und Gesundheitsschutz vernachlässigt, wie der DEKRA Arbeitssicherheitsreport 2025 beschreibt. Laut einer forsa-Befragung für DEKRA führen nur 75 % der befragten Betriebe eine regelmäßige jährliche Unterweisung durch. In Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitenden liegt dieser Anteil sogar nur bei 45 %.

© Pixabay.com/Golda
© Pixabay.com/Golda
Arbeitgeber informieren

Wichtig nach einem Arbeitsunfall: Erste Hilfe leisten, bei Bedarf den Notruf absetzen und den Vorfall sofort dem Vorgesetzten bzw. Arbeitgeber melden. Führt der Unfall zu einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Kalendertagen, muss der Arbeitgeber ihn der zuständigen Berufsgenossenschaft melden; in Deutschland gibt es laut DGUV jährlich rund 750.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle (2024).

Außerdem muss der Arbeitgeber die Unfallursache untersuchen und bei Bedarf die Gefährdungsbeurteilung und Arbeitsabläufe anpassen.

Vielen Beschäftigten ist die Funktion des Durchgangsarztes nicht bekannt. Dabei handelt es sich um einen Arzt, der für die Behandlung nach Arbeits- und Wegeunfällen im Auftrag der Berufsgenossenschaft (BG) zuständig ist und nach einem Unfall von den Verletzten aufgesucht werden muss. Das Ziel ist die bestmögliche Behandlung für den Versicherten, um die Arbeitsfähigkeit so schnell wie möglich wieder herzustellen.

Augenärzte und HNO-Ärzte sind grundsätzlich Durchgangsärzte. Über den nächstgelegenen Durchgangsarzt hat der Arbeitgeber zu informieren. Bei ernsten Unfällen müssen Beschäftigte wie alle anderen auch die nächste Klinik aufsuchen.

Verbandbucheintrag als Nachweis

Nach dem Unfall muss der Eintrag ins sogenannte Verbandbuch erfolgen. Er wird entweder vom Ersthelfer oder bei kleineren Verletzungen von der betroffenen Person selbst vorgenommen. Dokumentiert werden Zeitpunkt, Unfallhergang, Verletzungen, Zeugen und durchgeführte Maßnahmen. Das Verbandbuch dient gegenüber dem Versicherungsträger als Nachweis und kann besonders bei späteren gesundheitlichen Folgen wichtig sein, um den Versicherungsschutz zu gewährleisten.

© stock.adobe.com/Gabrieuskal
© stock.adobe.com/Gabrieuskal

Ein Verbandbucheintrag liefert zudem wichtige Informationen. „Das Verbandbuch ist für den Arbeitgeber eine wertvolle Quelle, um Gefährdungen und Unfallursachen und -abläufe zu erkennen und zu analysieren“, erinnert DEKRA Experte Lobe. Der DEKRA Arbeitsschutzexperte empfiehlt, Verbandbucheinträge in einem digitalen Tool vorzunehmen und dort auch die so genannten Beinaheunfälle zu erfassen. Denn auch Beinaheunfälle liefern wichtige Hinweise auf Gefahrenstellen, gefährliche Arbeitsabläufe oder mangelndes Sicherheitsbewusstsein. „Damit können Beschäftigte und Arbeitgeber gemeinsam den Arbeits- und Gesundheitsschutz als Chance sehen“, sagt Arbeitsschutzexperte Lobe. „Sind diese Abläufe etabliert, fördert das die Sicherheitskultur, verringert Unfälle und senkt die Ausfallzeiten.“

Arbeitsunfall: Was tun?
  • Erste Hilfe: Selbst- und Fremdschutz beachten, absichern, Verunfallte betreuen, bei Notfällen Notruf 112 wählen.
  • Vorgesetzten informieren: Sofort den direkten Vorgesetzten informieren.
  • Verbandbuch führen: Unfallzeitpunkt, -hergang und Verletzung im Verbandbuch sorgfältig dokumentieren.
  • Durchgangsarzt oder Klinik aufsuchen.
  • Notfall: Bei schweren Verletzungen Notruf wählen und direkt ins Krankenhaus.

(Quelle: DEKRA e.V.)

Schlagworte

ArbeitsschutzArbeitssicherheitArbeitsunfallBerufsgenossenschaftGefährdungsbeurteilungGesundheitsschutz

Verwandte Artikel

09.08.2026

Arbeitsdruck und Fachkräftemangel belasten Sicherheit auf Baustellen

Wachsende Baukosten, fehlende Fachkräfte und enge Zeitpläne erhöhen den Druck auf Baustellen in Deutschland. Laut der Studie „Bauindex 2026“ von Boels Rental wirkt sich d...

AM Arbeitssicherheit Baustellen Fachkräfte Fachkräftemangel
Mehr erfahren
Baustelle mit Sonne
04.08.2026

Hitze gefährdet die Gesundheit von Beschäftigten am Bau

Beschäftigte, die im Freien arbeiten, sind durch Hitzeperioden wie derzeit besonders gefährdet: Das Risiko für Erkrankungen und Arbeitsunfälle steigt nachweislich. Die Be...

Arbeitsschutz Arbeitsunfälle Bau Baustellen Bauwirtschaft Berufsgenossenschaft DIN Hitzeschutz Norm Schutzbrillen Schutzkleidung Schutzmaßnahmen
Mehr erfahren
31.07.2026

Lärmbelastung gezielt reduzieren

Lärmschwerhörigkeit entwickelt sich oft schleichend und ist nicht rückgängig zu machen. Deshalb sollten Betriebe Lärmrisiken im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung erfassen...

Arbeitsschutz Arbeitsschutzverordnung Gefährdungsbeurteilung Gesundheitsschutz Lärm Lärmbelastung Lärmmessung
Mehr erfahren
25.07.2026

Gesundheitsrisiko Fachkräftemangel

Trotz der aktuellen konjunkturellen Schwäche bleibt der Fachkräftemangel in Deutschland bestehen. Laut dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) fehlten im Jahresdu...

Arbeitsbedingungen Arbeitskräfte Fachkräftemangel Führungskräfte Gesundheitsschutz Personalmangel Whitepaper
Mehr erfahren
07.07.2026

Augen verblitzt, was tun?

Ein Moment der Unachtsamkeit in der Werkstatt führt zu starken Augenschmerzen durch den Kontakt mit dem Lichtbogen und verdeutlicht damit die Risiken bei der Arbeit mit S...

Augenschutz Gesundheitsschutz Lichtbogen Lichtbogenschweißen Persönliche Schutzausrüstung PSA Schutzgasschweißen Schweißen Schweißgeräte Verblitzen
Mehr erfahren