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Beim Entschichten von Compound-Bipolarplatten gelingt es am Fraunhofer ILT bereits, das Leistungspotenzial des 1kW UKP-Lasers auszuschöpfen. - © Fraunhofer ILT, Aachen / Ralf Baumgarten
28.03.2026

Die Ära der Multi-Kilowatt-Laser ist eingeläutet

Die Lasertechnik entwickelt sich weiter: Ultrakurzpuls- und Dauerstrichlaser mit mittleren Leistungen im Multi-Kilowatt-Bereich erweitern die Möglichkeiten in der Materialbearbeitung und erschließen zusätzliche Anwendungsfelder. Auf dem AKL’26 – International Laser Technology Congress vom 22. bis 24. April 2026 in Aachen werden mehrere Sessions diesem Themenfeld gewidmet sein.

„Die mittlere Leistung von UKP-Lasern stößt mit den Entwicklungen im Fraunhofer Cluster of Excellence Advanced Photon Sources – CAPS in den zweistelligen Kilowatt-(kW)-Bereich vor“, sagt Dr. Jochen Stollenwerk, kommissarischer Leiter des Fraunhofer ILT in Aachen. Bei cw-Lasern seien es schon einige hundert kW. Solche Leistungen machen den Laser für bislang unerreichbare Zielmärkte interessant. Bei Tunnel- und Tiefenbohrungen oder im Bergbau könnten Hochleistungslaser helfen, Gestein zu zertrümmern und bisherige Verfahren damit massiv beschleunigen. Im Schiffs- und Anlagenbau ermöglichten hohe mittlere Leistungen effizientere und präzisere Bohr-, Schneide- und Fügeprozesse bei großer Materialdicke und hochfesten Stählen. 

Dr. Jochen Stollenwerk, kommissarischer Leiter des Fraunhofer ILT in Aachen. - © Fraunhofer ILT, Aachen
Dr. Jochen Stollenwerk, kommissarischer Leiter des Fraunhofer ILT in Aachen. © Fraunhofer ILT, Aachen

Auch für die parallelisierte Bearbeitung und Funktionalisierung großer metallischer, gläserner und keramischer Oberflächen mit Multi-Beam-Verfahren oder mit optischen Stempeln brauche es Hochleistungslaser. „Diese Verfahren werden einen Effizienzschub in der Lasermaterialbearbeitung auslösen“, ist Stollenwerk überzeugt. Laserverfahren kämen dann auch für die Instandhaltung von Schienennetzen oder Pipelines infrage.

Dr. Hagen Zimer, CEO Laser Technology und Vorstandsmitglied der Trumpf SE + Co. KG, spricht von einer „neuen Ära der Lasertechnologie“. Industrielaser mit 50 kW und mehr seien Realität und erste 100+ kW-Applikationen bereits in Sichtweite. Die dafür bereitgestellten Ultra-High-Power-(UHP)-Laser würden Prozesse nicht nur beschleunigen, sondern grundlegend verändern. Der Experte sieht Anwender von Lasertechnik an einem strategischen Wendepunkt: „Vieles, was bisher an den Grenzen der Machbarkeit scheiterte, wird nun Wirklichkeit“, sagt er. Dies gelte auch mit Blick auf die Kostenstrukturen infolge sinkender Preise der Lasersysteme.

AKL’26 beleuchtet Marktpotenzial

Beide Experten werden auf dem AKL’26 - International Laser Technology Congress in Aachen näher auf den Trend eingehen und in der Gerd Herziger Session gemeinsam mit Managern von Coherent, IPG Photonics und Amplitude Laser das ökonomische und technologische Potenzial von Hochleistungs- und Hochenergielasern erörtern.

Hochenergielaser, insbesondere dioden-gepumpte Festkörperlaser (DPSSL), sind wegen ihrer hohen Pulsenergie, Energieeffizienz und Strahlqualität eine Schlüsseltechnologie für künftige Fusionskraftwerke. Auch als Treiber für kompakte Sekundärquellen, mit denen sich Extreme-Ultraviolett-(EUV)-, Röntgen- oder Neutronenstrahlung erzeugen lässt, sind sie zunehmend gefragt. Angesichts der Fülle an neuen Anwendungsfeldern für Laser mit hohen Leistungen und hoher Pulsenergie sieht Prof. Constantin Häfner, Vorstand für Forschung und Transfer der Fraunhofer-Gesellschaft, „riesige, noch völlig unerschlossene Märkte für die Photonik“. Deren Umsatzpotenzial schätzt er langfristig auf einige hundert Milliarden Euro. „Der Laser ist nicht ausgeforscht. Im Gegenteil – 60 Jahre nach seiner Erfindung geht es nun erst richtig los!“, hatte er auf dem AKL‘24 erklärt. Den AKL’26 vom 22.–24 April 2026 wird der ausgewiesene Fusions-Experte für eine erste Zwischenbilanz nutzen und dabei den Status der Fusionsforschung und des Aufbaus industrieller Liefer- und Prozessketten beleuchten.

Prof. Constantin Häfner, Vorstand für Forschung und Transfer der Fraunhofer-Gesellschaft (links) und Dr. Hagen Zimer, Chief Executive Officer Laser Technology und Mitglied des Vorstands der Trumpf SE + Co. KG. - © Fraunhofer ILT, Aachen / Andreas Steindl
Prof. Constantin Häfner, Vorstand für Forschung und Transfer der Fraunhofer-Gesellschaft (links) und Dr. Hagen Zimer, Chief Executive Officer Laser Technology und Mitglied des Vorstands der Trumpf SE + Co. KG. © Fraunhofer ILT, Aachen / Andreas Steindl
Hohe Laserleistung setzt Prozess- und Anwendungs-Know-how voraus

Während Fusionskraftwerke und Sekundärquellen hohe Pulsenergie und hohe mittlere Leistung bei hoher Effizienz und hohem Pulskontrast erfordern, brauchen industrielle Produktionsverfahren zuverlässige UKP- und cw-Laser mit hoher mittlerer Leistung und brillanter Strahlqualität bei moderaten Pulsenergien. Im Zusammenspiel mit neuartigen – teils KI-gestützten – Prozessstrategien sowie robusten Fasern, Optiken und Coatings sind diese Wegbereiter der effizienteren Laserstrahlbearbeitung. Gerade die Parallelisierung verspricht große Produktivitätszuwächse. Dafür wird der Strahl der Hochleistungsquelle in Dutzende unabhängig voneinander lenkbare Einzelstrahlen gesplittet. Um solche Multi-Beam-Ansätze umzusetzen, braucht es schnelle, präzise Strahllenksysteme. Hier kommt ein neuartiger, am Fraunhofer ILT entwickelter planarer Galvanometerscanner in Spiel, den das jüngste Spin-off des Instituts auf dem AKL’26 vorstellen wird. Das miniaturisierte System eignet sich besonders für Multi-Scanner-Systeme und arbeitet dabei deutlich schneller und präziser als bisher verfügbare Lösungen.

Dr. Dennis Haasler vom Fraunhofer ILT (links) und Steffen Rübling von Trumpf mit dem ersten industriellen 1kW-UKP-Laser von TRUMPF. Um dessen volles Potenzial nutzbar zu machen, entwickelt das Aachener Institut aktuell geeignete Prozessstrategien. - © Fraunhofer ILT, Aachen / Ralf Baumgarten
Dr. Dennis Haasler vom Fraunhofer ILT (links) und Steffen Rübling von Trumpf mit dem ersten industriellen 1kW-UKP-Laser von TRUMPF. Um dessen volles Potenzial nutzbar zu machen, entwickelt das Aachener Institut aktuell geeignete Prozessstrategien. © Fraunhofer ILT, Aachen / Ralf Baumgarten

Zudem treibt das Fraunhofer ILT neue Beam-Shaping-Ansätze voran, um Strahlformen optimal an Bauteile und Bearbeitungsprozesse anpassen zu können. Unter anderem auf Basis von optischen neuronalen Netzen sind die Aachener in der Lage, nahezu beliebige dreidimensionale Strahlprofile oder auch optische Stempel zu realisieren. Hierbei fährt der Laserspot die Werkstücke nicht mehr in feinen Linien ab. Vielmehr strukturiert das Licht ganze Areale, was die Bearbeitung teils um ein Fünffaches beschleunigt. „Das Besondere am optischen Stempeln ist die Kombination aus Geschwindigkeit, Präzision und Flexibilität“, erklärt Sönke Vogel, Teamleiter 3D-Strukturabtrag am Fraunhofer ILT. Prinzipiell sei das UKP-Verfahren, bei dem ein Spatial Light Modulator (SLM) den Strahl zum optischen Stempel formt, für jegliche Anwendung geeignet, bei der periodische Mikrostrukturen benötigt werden – sei es in Metall, keramischen Hartstoffen oder Glas. Neben der Multi-Beam-Verfahren und dem Optischen Stempeln verfolgt das Aachener Institut weitere Ansätze, um die hohen mittleren Laserleistungen in eine produktivere Materialbearbeitung umzumünzen: Darunter präzise gesteuerte Pulsdauern, um den Energieeintrag und die Strahlintensität optimieren zu können oder das periodische Erzeugen von Laserstrahlsalven – so genannten Bursts – für einen hocheffizienten Materialabtrag bei minimierter thermischer Belastung der Werkstücke. Die winzigen Pausen zwischen den Bursts helfen zudem, entstehenden Rauch und abgetragenes Material effektiv abzusaugen, damit es sich bei der nächsten Salve nicht zwischen Laser und Werkstück legt.

Beim Entschichten von Compound-Bipolarplatten gelingt es am Fraunhofer ILT bereits, das Leistungspotenzial des 1kW UKP-Lasers auszuschöpfen. - © Fraunhofer ILT, Aachen / Ralf Baumgarten
Beim Entschichten von Compound-Bipolarplatten gelingt es am Fraunhofer ILT bereits, das Leistungspotenzial des 1kW UKP-Lasers auszuschöpfen. © Fraunhofer ILT, Aachen / Ralf Baumgarten
Fraunhofer ILT unterstützt Industrie mit Know-how

Zwar bricht die neue Ära der Multi-kW-Laser gerade erst an, doch in den Labors des Fraunhofer ILT arbeiten die Forschenden bereits mit Hochdruck an Prozessstrategien, die industriellen Anwendern in Zukunft helfen werden, das Potenzial der UHP-Laser auszuschöpfen. „Die Lasermaterialbearbeitung wird künftig auf einem weit höheren Produktivitätsniveau stattfinden als bisher“, betont Institutsleiter Stollenwerk, „und es ist absehbar, dass KI und anderen Computational Methods dabei eine zentrale Rolle zukommt“. Das Fraunhofer ILT baue seine digitale Kompetenz seit Jahren systematisch auf und aus, um sein in über vier Jahrzehnten generiertes lasertechnisches Know-how für künftige industrielle Prozesse nutzbar zu machen. Das Ziel sei eine hochproduktive, laserbasierte First-Time-Right-Produktion. „Wo die Lasertechnik in neue Dimensionen vorstößt – etwa mit einem Schuss 1.000 Löcher bohrt, pro Minute quadratmeterweise Metall- und Glasfläche funktionalisiert oder zentimeterstarke Stähle präzise schneidet und fügt – wird sie auch in neue Märkte vorstoßen“, ist er überzeugt. Das Fraunhofer ILT stehe mit seinem Know-how bereit, um industrielle Anwender bei diesem Aufbruch zu unterstützen.

(Quelle: Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT)

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BohrenEnergieeffizienzFügenFügeprozesseHochfeste StähleLasermaterialbearbeitungLaserstrahlLasertechnikPhotonikSchneiden

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