Mit rund 140 Teilnehmern fand am 22./23. April 2026 die 23. Tagung Schweißen in der maritimen Technik und im Ingenieurbau statt. Die SLV Nord, derDVS-Bezirksverband Hamburg und die Schiffbautechnischen Gesellschaft (STG) luden zu dem Branchentreffen in Hamburg ein. Im Fokus standen hochaktuelle Themen wie der erhöhte Produktionsbedarf in der Verteidigungsindustrie, Werkstoffe für den Transport flüssigen Wasserstoffs, alternative Fügeverfahren wie Additive Fertigung und Kleben, Methoden der Nahtnachbearbeitung sowie hochfeste und nichtrostende Stähle.
Brauner Filter – weißer Filter: Rauchabsaugbrenner im Live-Test
Als Auftakt der Veranstaltung führte eine Exkursion in die Werkhallen des Schweißwerkzeug- und Schweißsystemkomponentenherstellers Dinse. In der Firmenzentrale in Nordstedt erhielten die Teilnehmer einen Einblick in das Produktportfolio, die komplexen Produktionsabläufe und eine hohe Fertigungstiefe. Neben verschiedenen Komponenten wie Drahtfördersystemen für das Laserschweißen werden dort vor allem unterschiedliche Brennertypen gefertigt, darunter zahlreiche Sonderanfertigungen, beispielsweise mit maßgeschneiderten Hälsen.
Ein großer Teil der Montage erfolgt in Handarbeit. Nach der Montage wird jedes Teil auf seine Dichtigkeit und den richtigen Gasdurchfluss getestet. Den Höhepunkt des Rundgangs durch die Werkhallen bildete die Vorführung des neuesten Rauchabsaugbrenners von Dinse. Dieser erreicht nach Unternehmensangaben einen Erfassungsgraf von 99,5 %. Die Funktionsweise wurde in einem Live-Vergleich mit einem herkömmlichen Brenner demonstriert.
Verteidigungsindustrie: Kapazität hochfahren mit Robotern
Am zweiten Veranstaltungstag eröffnete Armin Schlieter, Geschäftsführer der SLV Nord und Vorsitzender des Tagungskomitees, den Vortragstag. Er dankte Dinse für die Werksführung am Vortag und hob die zunehmende Bedeutung der maritimen Technik und des Ingenieurbaus vor dem Hintergrund der veränderten politischen Lage hervor. Zudem stellte er die ausstellenden Firmen vor und bedankte sich für die teils langjährige partnerschaftliche Zusammenarbeit.
Die Bundesregierung möchte bis 2040 355 Mrd. Euro in militärische Ausrüstung investieren. Dazu muss die Verteidigungsindustrie ihre Kapazitäten enorm hochfahren – doch seit dem Ende des Kalten Krieges wurden diese stark reduziert, hinzu kommt der Fachkräftemangel. Mit diesem aktuellen Spannungsfeld startete das Vortragsprogramm. Um die geforderte Produktionsmenge zu erreichen, so die Folgerung von Referent Heiko Hedderoth von Dinse, verbleibt der Verteidigungsindustrie allein die Investition in Automatisationssysteme. Denn nur Schweißroboter und Cobots können rund um die Uhr in Einsatz sein und bei gleichzeitiger Entlastung des Personals die hohe Qualität liefern, zu der Hersteller von Waffensystemen verpflichtet sind. Um Rüstungskonzernen den Einstieg zu erleichtern, arbeitet Dinse an „schlüsselfertigen“ Komplettlösungen, sogenannten „Turnkey-Solutions“.
Eine ebenso aktuelle Herausforderung ist das Thema Wasserstoff. Wasserstoff wird als alternativer Energieträger immer populärer. Aus diesem Grund werden vermehrt Systeme zu seinem Transport und seiner Lagerung gebraucht, vor allem in flüssiger Form als LH2. Da der Siedepunkt jedoch bei -253°C liegt, ist die Auswahl möglicher Werkstoffe für Behälter, Leitungen und Armaturen stark einschränkt. Wie Rolf Paschold von der ESAB Welding & Cutting GmbH detailliert zeigte, erweisen sich Stähle mit höherem Nickelanteil, wie 1.4404 / AISI 316L, wegen ihrer Tiefkaltzähigkeit und Beständigkeit gegen Wasserstoffversprödung als am geeignetsten. Paschold ging in seinem Vortrag ebenfalls auf entsprechende europäische Regelwerke sowie spezielle Erfordernisse beim Transport in Form von Derivaten wie z. B. Ammoniak ein.
Nichtrostend und langlebig: Edelstahl-Brücken aus aller Welt
Den Abschluss des Vortragstages bildete ein Beitrag von Dr.-Ing. Thomas Müller von Outokumpu Nirosta zum Einsatz nichtrostender Stähle im Brückenbau. Anhand internationaler Beispiele, von einer Eisenbahnbrücke in Spanien bis zu einer Fußgängerbrücke in Singapur, zeigte er die Anwendungsmöglichkeiten von Edelstahl in diesem Bereich auf. Da Brücken bei zum Teil höchst aggressiven Witterungsbedingungen für mindestens ein Jahrhundert haltbar sein sollen, gewinnen nichtrostende Stähle, vor allem Duplex-Stähle, weltweit für den Brückenbau an Bedeutung. Um korrosionsbeständig zu sein, benötigen sie weder Überzüge noch Beschichtungen – lange Lebensdauern gehen mit geringen Wartungs- und Erneuerungskosten und zugleich großen gestalterischen und konstruktiven Möglichkeiten einher.
Die Tagung ist ein Ort des Austausches, an dem alle Bereiche der Branche neue Kontakte knüpfen können und über aktuelle Themen diskurieren können. Die nächste Tagung findet am 28. und 29. April 2027 statt. Vortragsvorschläge und Exkursionsziele können der SLV Nord bereits jetzt mitgeteilt werden.
(Quelle: SLV Nord)
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