Technologien
© Fraunhofer ILT, Aachen
07.09.2025

Geballtes Dioden-Know-how für US-geführten Fusionsenergie-Hub

Der Starfire Hub – eine vom US-Energieministerium geförderte Initiative zur Entwicklung von Fusionsenergie-Lösungen unter der Leitung des Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) – begrüßt fünf Neumitglieder in seiner Arbeitsgruppe für Diodenlaser-Technologie. Zwei deutsche Forschungsinstitute und drei global führende Unternehmen verstärken Starfire mit erstklassigem Diodenlaser-Know-how bei der Entwicklung der technologischen Grundlagen für die laserbasierte Trägheitsfusion.

„Wir freuen uns sehr, eine Gruppe renommierter Organisationen im Starfire Hub willkommen zu heißen. Ihr gebündeltes Fachwissen wird entscheidend dazu beitragen, die Entwicklung jener Diodenlaser-Technologie voranzutreiben, die für die Realisierung von Kraftwerken auf Basis der Trägheitsfusion erforderlich ist“, erklärt Will Fenwick, Leiter der Starfire-Arbeitsgruppe für Diodenlaser-Technologie. Hintergrund: Um die Trägheitsfusion (Inertial Confinement Fusion, ICF) für Kraftwerke nutzbar zu machen, sind grundlegend neue, auf Diodentechnologie basierende Anlagenkonzepte gefragt. Zwar hat die National Ignition Facility (NIF) am LLNL seit Dezember 2022 in vielfach wiederholten Experimenten nachgewiesen, dass es möglich ist, per Laser ein Fusionsplasma aus den Wasserstoff-Isotopen Deuterium und Tritium mit Energiegewinn zu zünden. Doch in der Versuchsanlage dienen Blitzlampen zum Pumpen des weltweit größten und stärksten Lasersystems. Diese Aufgabe sollen in Fusionskraftwerken der Zukunft hocheffiziente Diodenlaser übernehmen. Mit minimiertem Energieeinsatz und hohem Energieoutput müssen diese eine Frequenz von 10 bis 20 Pumppulsen pro Sekunde (10-20 Hz) gewährleisten, ohne zu überhitzen. Das Pumplicht stellt dabei die Energie bereit, um die Laserstrahlung zur Zündung des Fusionsplasmas bis in den Megajoule-Bereich zu verstärken.

Querschnitt der Fusionskammer in der Visualisierung eines Trägheitsfusionskraftwerks. Darin werden mithilfe von Lasern zehnmal pro Sekunde etwa pfefferkorngroße Pellets mit dem Brennstoff Deuterium Tritium gezündet, um klimaneutrale Energie zu erzeugen. - © Fraunhofer ILT, Aachen
Querschnitt der Fusionskammer in der Visualisierung eines Trägheitsfusionskraftwerks. Darin werden mithilfe von Lasern zehnmal pro Sekunde etwa pfefferkorngroße Pellets mit dem Brennstoff Deuterium Tritium gezündet, um klimaneutrale Energie zu erzeugen. © Fraunhofer ILT, Aachen
Roadmap für Hochleistungs-Laserdioden der nächsten Generation

Die nun erweiterte Arbeitsgruppe wird sich mit technischen Anforderungen befassen, Machbarkeitsstudien und Versuchsreihen durchführen und Innovationen vorantreiben, um die Weiterentwicklung von Hochleistungsdioden branchenweit zu unterstützen. Ein Ziel ist die Harmonisierung der Anforderungen an IFE-Lasertreiber und -dioden. Auch die Verständigung auf definierte Zuverlässigkeitskriterien sowie eine Norm für deren Prüfungen stehen auf der Agenda. Dafür sind unter anderem laborübergreifende Tests zum Vergleich der Dioden Performance an mehreren Standorten geplant, welche die Arbeitsgruppe koordinieren wird.

Paul Crump, Leiter des High-Power Diode Lasers Labs am Ferdinand-Braun-Institut – Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH) in Berlin, übernimmt zusammen mit Will Fenwick vom LLNL die Leitung der neu gegründeten Arbeitsgruppe. Neben dem FBH arbeitet mit dem Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT in Aachen ein weiteres Forschungsinstitut in der Starfire-Arbeitsgruppe für Dioden-Technologie mit. Es war ebenso wie Trumpf Photonics und Leonardo Electronics bereits Mitglied des Starfire-Hubs. Nun stoßen mit Coherent, Hamamatsu Photonics K.K. und Lumibird im Rahmen der neuen Arbeitsgruppe drei weitere international führende Unternehmen aus dem Bereich der Diodenlaser-Technologie dazu.

Lieferketten für die nächste Generation von Fusionsenergielösungen

„Die Aufnahme der neuen Mitglieder unterstreicht das Engagement des Starfire Hubs für ein verstärktes Miteinander in der Industrie und Forschung. Gemeinsam legen wir den Grundstein für die nächste Generation von Fusionsenergielösungen. Dafür gilt es, die Lieferketten gezielt zu stärken“, sagt Tammy Ma, Leiterin der Inertial Fusion Energy Institutional Initiative des LLNL. Beim IFE-Starfire-Hub handelt es sich um eine vom US-Energieministerium, Abteilung Fusion Energy Sciences, geförderte Initiative.

(Quelle: Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT)

Schlagworte

DiodenlaserFusionsenergieInnovationKraftwerkeTechnologie

Verwandte Artikel

MicroStep Europa und eco Verband vertiefen ihre Partnerschaft
25.04.2026

MicroStep Europa wird Mitglied im eco‑Verband

MicroStep Europa möchte die Zusammenarbeit in einem starken Netzwerk intensivieren und die Internetwirtschaft aktiv mitgestalten.

Automatisierung CNC-Schneidsysteme Digitalisierung Industrielle Fertigung Industrielle Wertschöpfung Innovation Internetwirtschaft
Mehr erfahren
v. l. n. r.: Dr. Claus Schnitzler, Ulrich Berners, Dr. Jochen Stollenwerk, Dr. Lutz Aschke, Gwenn Pallier, Dr. Tobias Dyck, Dr. Oliver Haupt, Kristina zur Mühlen, Dr. Markus Kogel-Hollacher
24.04.2026

Innovationen aus der Lasertechnik für die Industrie

Alle zwei Jahre zeichnet der Arbeitskreis Lasertechnik e. V. Innovationen im Bereich der Lasertechnik aus. Am 22. April wurde der Preis im Rahmen des „AKL’26 – Internati...

Auszeichnung Award CO2 CO2 Emission Industrie Innovation Lasertechnik Luftfahrt Mikrostruktur UKP-Laser Ultrakurzpulslaser
Mehr erfahren
23.04.2026

Aktuelle Umfrage: Welche Roboter arbeiten in der Fabrik der Zukunft?

Eine Umfrage im Auftrag von reichelt elektronik zeigt, welche Roboter besonders beliebt sind und wie sie eingesetzt werden.

Automatisierung Dark Factory Industrie Löten Palettieren Roboter Robotik Schneiden Schweißen Technologie Umfrage
Mehr erfahren
20.04.2026

Hannover Messe 2026: Maschinenbau fordert Reformen

Auf der Hannover Messe 2026 schlägt der VDMA Alarm: Der Maschinen- und Anlagenbau sieht seine Belastungsgrenze erreicht. Präsident Bertram Kawlath warnt vor einer zunehme...

AR Arbeitszeit Brasilien Digitalisierung DIN Energiepreise Erosion Fluidtechnik GSI Lieferketten Maschinen- und Anlagenbau Maschinenbau Politik Raw Materials Reformen Ressourcen Robotik Technik Technologie VDMA Verpackungsindustrie Verteidigung Wirtschaft
Mehr erfahren
DVS Group
14.04.2026

DVS unterstützt die Reform der deutschen Akkreditierungspraxis

Eine Allianz aus insgesamt 40 Verbänden hat im Januar 2026 ein gemeinsames Positionspapier zur Weiterentwicklung der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) und der...

Akkreditierung Beschichten DVS DVS PersZert DVS Zert Fügen Innovation Positionspapier Trennen Wettbewerbsfähigkeit Wirtschaftsstandort Deutschland
Mehr erfahren