Wirtschaft
Photo by chuttersnap on Unsplash
01.07.2020

Gefahr einer Stahl-Importkrise nicht gebannt

Gefahr einer Stahl-Importkrise nicht gebannt

Mit der Veröffentlichung im Amtsblatt treten heute neue Regelungen für die EU-Schutzmaßnahmen im Außenhandel in Kraft. Die EU-Mitgliedsstaaten hatten am 12. Juni einem Vorschlag der EU-Kommission zur Anpassung der sogenannten EU-Safeguards zugestimmt. Der zentralen Forderung der Stahlindustrie, die Kontingentmengen zu reduzieren, um eine erneute Stahl-Importkrise zu verhindern, ist man nicht nachgekommen.

„Die EU-Kommission hat bei der Anpassung der Schutzmaßnahmen im Außenhandel nicht im erforderlichen Maß die konjunkturelle Situation in Folge der Corona-Pandemie berücksichtigt. Die EU-Safeguards verfehlen in dieser Form ihr angedachtes Ziel, die Stahlindustrie in Europa und die damit verbundenen Wertschöpfungsketten vor gravierenden Schäden zu bewahren“, bewertet Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, die geänderten Maßnahmen.

Die Corona-Krise hat die Stahlnachfrage in Deutschland, aber auch weltweit drastisch einbrechen lassen. Während die Stahlunternehmen in Europa ihre Produktion krisenbedingt angepasst haben, wurde in anderen Regionen weiterproduziert oder die Stahlerzeugung teilweise noch weiter ausgebaut. Diese Mengen drohen nun weiterhin Europa zu überschwemmen. „Die EU-Kommission muss jetzt andere Wege und Mittel finden, um eine erneute schwere Importkrise auf dem EU-Stahlmarkt zu verhindern. Wir erwarten, dass die Entwicklung der Stahlimporte eng überwacht und bei ersten Anzeichen einer Verschärfung der Importsituation Maßnahmen ergriffen werden, um die Stahlindustrie zu schützen“, so der Verbandspräsident.

Auch mit Blick auf die Mammutaufgabe der Transformation der Stahlproduktion hin zu CO2-armen Verfahren, ist ein wirksamer Schutz im Außenhandel unverzichtbar. Dazu Kerkhoff: „Ohne ausreichenden Schutz vor Dumpingimporten und Handelsumlenkungen wird die Stahlindustrie nicht in der Lage sein, die gewaltige Aufgabe der Transformation, besonders vor dem Hintergrund der schweren Wirtschaftskrise, meistern zu können. Damit ist das zentrale Ziel des Green Deals, die Etablierung einer klimaneutralen Wirtschaft in Europa, in ernsthafter Gefahr. Denn erst die Umstellung auf CO2-arme Stahlproduktionsverfahren ermöglicht es stahlverarbeitenden Industrien, klimaneutrale Produkte für die Endverbraucher herzustellen.“

(Quelle: Presseinformation der Wirtschaftsvereinigung Stahl)

Schlagworte

ExportStahlStahlhandel

Verwandte Artikel

Trotz verhaltener Erwartungen will die Automobilindustrie wieder mehr investieren.
05.04.2021

DIHK-Umfrage: Industrieunternehmen optimistischer als Gesamtwirtschaft

Die deutsche Industrie blickt wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft als noch im Herbst – das zeigt eine Sonderauswertung der jüngsten DIHK-Konjunkturumfrage.

Bruttoinlandsprodukt Corona-Krise Export Exporte Fahrzeugbau Handel Industrie Innovationen Konjunktur Mittelstand Trend Unternehmen Wirtschaft Wirtschaftliche Entwicklung
Mehr erfahren
Der schmale Grat entsteht, wenn Aluminium während der Umformung in Werkzeug-Spalte gepresst wird.
16.02.2021

Flittergrat vermeiden: IPH und Otto Fuchs entwickeln Dichtungskonzept

Wie lässt sich der störende Flittergrat beim Präzisionsschmieden von Aluminium vermeiden? Wissenschaftler und ein Schmiedeunternehmen untersuchen, welche Prozessparameter...

Aluminium Schmieden Spanen Stahl Umformen
Mehr erfahren
Hochpräzise, gratarm beschnittene und abgestapelte Schichtblechtafeln aus Stahl, Edelstahl, Messing oder Aluminium fertigt MARTIN auf seiner neuen Besäumungsanlage.
26.01.2021

Erhöhter Automationsgrad in der Schichtblech-Bearbeitung

Der Zulieferer MARTIN hat eine vollautomatische Besäumungsanlage mit hydraulischer Tafelschere in Betrieb genommen. In der neuen Anlage lassen sich alle Schichtmetallblec...

Aluminium Automatisierung Blechbearbeitung Edelstahl Messing Schneiden Schneidtechnik Stahl Umformen
Mehr erfahren
25.01.2021

Neues Regelwerk: Brandschutz durch Feuerverzinken

Die neue DASt-Richtlinie 027 versteht sich als Ergänzung zu den Eurocodes 3 und 4 und ermöglicht die Bestimmung der Bauteiltemperatur ungeschützter, nach DIN EN ISO 1461...

Brandschutz DIN EN 1090 Feuerverzinken Stahl Stahlbau
Mehr erfahren
22.01.2021

Antriebsretrofit ermöglicht hohe Stahlqualität

Die Firma Wiederholt in Holzwickede fertigt Präzisionsstahlrohre von höchster Qualität. Das war der Hauptgrund für die Modernisierung der Antriebstechnik einer Rohrschwei...

Fügetechnik Retrofitting Rohre Rohrschweißen Schweißen Schweißtechnik Stahl Umformung
Mehr erfahren