Forschung
Wie Künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten für die Qualitätssicherung im Rohrleitungsbau eröffnen kann, wurde im Projekt "PipeSafe" des SKZ erforscht. - © Luca Hoffmannbeck, SKZ
13.10.2026

Künstliche Intelligenz bewertet Qualität von Stumpfschweißverbindungen im Rohrleitungsbau

Die Qualität von Schweißverbindungen ist ein entscheidender Faktor für die Sicherheit und Langlebigkeit von Kunststoffrohrleitungssystemen. Im Forschungsprojekt „PipeSafe“ untersuchte das Kunststoff-Zentrum SKZ gemeinsam mit Industrievertretern, wie sich moderne Sensorik und Methoden des maschinellen Lernens nutzen lassen, um die Qualität von Schweißverbindungen bereits während des Fertigungsprozesses vorherzusagen.

Das Projekt wurde von einem Begleitgremium unterstützt, in dem Vertreter verschiedener Branchen eingebunden waren. Dazu gehörten Hersteller von Rohrleitungssystemen, Schweißgeräten und Messtechnik ebenso wie Prüfdienstleister und Verteilnetzbetreiber. Der regelmäßige Austausch mit den Beteiligten stellte sicher, dass die Forschungsarbeiten praxisnah ausgerichtet waren und industrielle Anforderungen berücksichtigten.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stand eine Technikumsmaschine zum Heizelementstumpfschweißen, die mit einem Wärmestromsensor ausgestattet war. Im Rahmen einer systematischen Versuchsreihe mit dem Werkstoff PE100-RC wurden während jedes Schweißvorgangs die zeitlichen Verläufe der Prozessparameter Weg, Kraft und Wärmestrom aufgezeichnet. Die Qualität der erzeugten Schweißnähte wurde anschließend anhand von Biege- und Kurzzeit-Zugversuchen sowie bei ausgewählten Proben durch Zeitstand-Zugversuche bewertet. Die Ergebnisse wurden anschließend mit den erfassten Prozessdaten in Beziehung gesetzt.

Entwicklung verschiedener Machine-Learning-Modelle

Auf Basis dieser Daten entwickelte das Projektteam verschiedene Machine-Learning-Modelle zur Prognose der Schweißnahtqualität. Die Modelle erzielten für die quantitative Bewertung der Schweißqualität ein Bestimmtheitsmaß von R2 = 82,9 Prozent. Für eine praxisnahe, kategorische Bewertung nach einem Ampelsystem wurde sogar ein Bestimmtheitsmaß von R2 = 89,5 Prozent erreicht. Die Ergebnisse zeigen, dass sich relevante Qualitätsmerkmale von Schweißverbindungen bereits während des Fügevorgangs mit hoher Zuverlässigkeit prognostizieren lassen.

„Mit PipeSafe konnten wir erstmals zeigen, dass sich Prozessdaten wie Kraft, Weg und insbesondere der Wärmestrom erfolgreich mit Methoden des maschinellen Lernens verknüpfen lassen, um die Qualität von Schweißverbindungen zu prognostizieren. Die erzielten Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt hin zu intelligenteren und sichereren Schweißprozessen im Rohrleitungsbau“, erklärt Mingo Kübert, Scientist in der Forschungsgruppe Digitalisierung am SKZ.

Gleichzeitig machte das Projekt auch die Herausforderungen bei der Entwicklung datengetriebener Qualitätsmodelle deutlich. Für eine weitere Verbesserung der Modellgenauigkeit wären deutlich größere Datensätze erforderlich gewesen. Zudem konnten im Rahmen des Projekts keine umfangreichen Langzeitfestigkeitsprüfungen durchgeführt werden, da diese mit einem hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden sind. Nach Einschätzung des Begleitgremiums wären gerade diese Langzeituntersuchungen für viele industrielle Anwendungen von besonderer Bedeutung und könnten zukünftig zusätzliche Erkenntnisse liefern.

Richtungsweisende Ergebnisse

Trotz dieser Einschränkungen bewertet das Projektteam die Ergebnisse als richtungsweisend für die weitere Digitalisierung von Schweißprozessen. Die Kombination aus moderner Sensorik, Prozessdatenanalyse und Künstlicher Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten für die Qualitätssicherung im Rohrleitungsbau. Daher besteht großes Interesse, die Arbeiten in einem vertiefenden Folgeprojekt gemeinsam mit Maschinenherstellern und weiteren Industriepartnern fortzuführen.

(Quelle: FSKZ e. V.)

 

 

 

 

Schlagworte

ForschungFügen von KunststoffenHeizelementstumpfschweißenJoining PlasticsJPKünstliche IntelligenzKunststoffrohreRohrleitungsbauSchweißenSchweißnähteStumpfschweißen

Verwandte Artikel

DVS Group
13.10.2026

Geplante Kürzung der For­schungs­för­de­rung zurück­nehmen

DVS Forschung und FOSTA warnen davor, im Bundeshaushalt 2027 die Mittel für die Mittelstandsforschung zu kürzen. Damit drohe der Stillstand bei neuen Forschungsprojekten...

Digitalisierung DVS Fördermittel Forschung Industrielle Gemeinschaftsforschung Innovationskraft Mittelstand Mittelstandsforschung Wettbewerbsfähigkeit Zukunftstechnologien
Mehr erfahren
13.10.2026

Plast Eurasia 35th Edition Approaches

Tüyap will host the 35th edition of Plast Eurasia in Istanbul from December 2 through 5 in Istanbul, Türkiye. It will bring plastics machinery, raw materials and producti...

Exhibition International Joining Plastics JP Plast Eurasia Plastic Plastics Plastics Processing Polymer PU Raw Materials Trade Fair
Read more
DVS Group
12.10.2026

Neuerscheinung Merkblatt DVS 2902-2

Mit Ausgabedatum Oktober 2026 ist das Merkblatt DVS 2902-2 „Widerstandspunktschweißen von Stählen bis 3 mm Einzeldicke – Punktschweißeignung“ erschienen.

DVS Merkblatt Punktschweißen Schweißen Stahlbau Widerstandspunktschweißen
Mehr erfahren
10.10.2026

Unternehmensübernahme der Metallit GmbH

Aus Metallit wird Metallit Plus. Mit dem Abschluss der Unternehmensübertragung setzt das Bielefelder Unternehmen seine Entwicklung unter neuen Rahmenbedingungen fort.

Arbeitsschutz Bohren Fräsen Oberflächenbehandlung Sägen Schweißen Schweißmaschinen Unternehmensübernahme
Mehr erfahren