Wenn das IKV am 4. und 5. März 2026 zum 33. Internationalen Kolloquium Kunststofftechnik nach Aachen einlädt, rückt das Kunststofffügen gleich mehrfach in den Mittelpunkt. Besonders das Laserstrahlschweißen zeigt sich als Entwicklungsfeld mit hoher Dynamik – von neuen Materialpaarungen bis hin zu belastbarer Prozessmodellierung. Darüber hinaus adressiert das Programm hybride Leichtbaustrukturen, polymerbasierte Komponenten für die Wasserstoffwirtschaft sowie neue Ansätze für das werkstoffliche Recycling von CFK.
Laserstrahlschweißen: ATA-Fügen, Prozessmodelle und Schäume
Ein Programm-Highlight ist die thematische Einheit „Neue Entwicklungen in Prozesstechnik und Modellierung beim Laserstrahlschweißen“. Im Fokus stehen neue Möglichkeiten des Laserkunststoffschweißens für absorbierende Materialkombinationen (absorbing-to-absorbing, ATA). Ergänzend wird das Laserdurchstrahlschweißen teilkristalliner Thermoplaste über Simulationen detailliert analysiert, um das Prozessverständnis gezielt zu vertiefen. Auch physikalisch geschäumte Thermoplaste werden aufgegriffen – hier stehen technologische Grenzen und robuste Prozessfenster im Vordergrund.
Moderation: Tobias Jaus, LPKF WeldingQuipment GmbH
Hybridstrukturen: Mikroformschluss als Leistungshebel
Hybridverbindungen gelten als Schlüssel für leichten, zugleich hochbelastbaren Strukturaufbau. Das Kolloquium greift hierzu sowohl den Hinterspritzprozess faserverstärkter thermoplastischer Strukturen als auch das Hinterspritzen und induktive Fügen metallischer Substrate mit laserstrukturierten Oberflächen auf. Im Zentrum stehen mikroformschlüssige Verbindungsmechanismen. Sie sollen mechanische Kennwerte erhöhen, die Prozessstabilität verbessern und gleichzeitig die Material- und Strukturantwort der erzeugten Mikrostrukturen besser beherrschbar machen.
Moderation: Dr.-Ing. Jan Krollmann, Lilium GmbH / Hyjoin GmbH
Polymere für die Wasserstoffwirtschaft: Permeation, Medienbeständigkeit, Leichtbau
Für die Skalierung von Wasserstofftechnologien werden Kunststoffe und Faserverbunde zunehmend als Funktions- und Strukturwerkstoffe betrachtet. Am IKV entstehen dazu gemeinsam mit Industriepartnern neue Anwendungskonzepte und Prototypen.
Diskutiert werden Materialanforderungen an Polymere im Wasserstoffumfeld, insbesondere in Bezug auf Medienbeständigkeit und Permeation. Vorgestellt werden zudem Ergebnisse zum Permeationsverhalten beschichteter Kunststoffleitungen sowie ein Ansatz zur Massereduktion bei der Fertigung von CFK-Wasserstoffspeichern.
Moderation: Dr. Jens Eichler, 3M Deutschland GmbH
CFK-Recycling: Vitrimere als Ansatz für werkstoffliche Verwertung
Mit dem steigenden CFK-Einsatz im Luftfahrt- und Automotive-Umfeld wächst der Druck, recyclingfähige Werkstoffsysteme zu etablieren. Eine zentrale Hürde bleibt die werkstoffliche Verwertung ohne Faserverkürzung – insbesondere bei duroplastischen Matrices, die sich mechanisch nur begrenzt in hochwertige Anwendungen zurückführen lassen.
Hier setzt das Kolloquium einen Schwerpunkt auf das Faserverbundrecycling. Zwei Beiträge beleuchten Vitrimere als Matrixklasse mit schweißbaren, re-konfigurierbaren Netzwerken. Damit werden Funktionalisierung, kontrollierte Schichtablösung und eine Wiederverwendung im Heißpressprozess in Aussicht gestellt – mit dem Ziel, Endlosfaserverbunde in einen zweiten Produktlebenszyklus zu überführen.
Moderation: Marc Fette, Composite Technology Center Stade (An Airbus Company)
Programmprofil: Kreislaufwirtschaft, Forschungstransfer und Industriebezug
Recycling und Kreislaufwirtschaft bilden einen roten Faden des Kolloquiums – sowohl für technische Kunststoffe als auch für Verpackungsströme. Fachleute aus Wissenschaft und Industrie spannen den Bogen von der Grundlagenarbeit bis zur industriellen Umsetzung. Das Programm umfasst fünf Plenarvorträge und 16 parallele Themensessions mit jeweils drei Einzelvorträgen. Damit lässt sich ein individuelles Fachprogramm zusammenstellen: Die Plenarformate liefern Einordnung und Trends, die Sessions gehen in Methoden, Prozessfenster und Anwendungsgrenzen.
Ergänzend öffnet das IKV seine Labore und Technika. Mehr als 80 Versuchsstationen veranschaulichen laufende Projekte und erleichtern den direkten Austausch mit den Forschenden. Eine begleitende Industrieausstellung auf rund 400 Quadratmetern bildet die Wertschöpfungskette der Kunststofftechnik ab und bietet Raum für Kooperationen und Technologietransfer. Die Ausstellungseröffnung am Vorabend ist als Networking-Format angelegt.
Auch die Nachwuchsförderung bleibt Bestandteil: Verliehen werden der Georg Menges Preis sowie der Reifenhäuser-Förderpreis. Ein Recruiting-Speed-Dating bringt Unternehmen mit Studierenden und Absolventinnen und Absolventen zusammen.
(Quelle: Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV) in Industrie und Handwerk an der RWTH Aachen)
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