Anwenderbericht
„Durch die automatisierte Lösung für die automatische Maschinenbeladung entfällt für den Mitarbeiter der Gang zur Maschine und das Einlegen der Werkzeuge“, erklärt Robert Eber. - © HELLER
15.09.2022

Nächstes Level: Werkzeugautomation dank mobiler Robotik

Nächstes Level: Werkzeugautomation dank mobiler Robotik

Von Preiserhöhungen bis Fachkräftemangel stehen Industrieunternehmen zunehmend unter Druck, um den Anforderungen in Bezug auf Qualität, Stückzahlen und Schnelligkeit gerecht zu werden. In einem Pilotprojekt haben KUKA und HELLER, ein Produzent von CNC-Werkzeugmaschinen, eine Lösung für diese Herausforderungen entwickelt: Ein KMR CYBERTECH be- und entlädt automatisiert Maschinen mit Werkzeug und entlastet die Mitarbeitenden.

Werkzeugautomation noch am Anfang

Niedrige Stückzahlen, hohe Komplexität – und alles natürlich so schnell wie möglich. Die individuellen Kundenwünsche stellen Industrieunternehmen vor Herausforderungen, hinzu kommen ein Mangel an Fachkräften und steigende Preise für Rohstoffe und Dienstleistungen. Die Lösung? Mehr Automatisierung. Während beispielsweise bei Palettierungs-, Handlings- oder Montageaufgaben die Automatisierungslösungen schon weit fortgeschritten sind, steht die Werkzeugautomation – das flexible und automatisierte Be- und Entladen von Maschinen mit Werkzeugen – noch am Anfang. Gemeinsam mit KUKA hat die global agierende Unternehmensgruppe HELLER ein Pilotprojekt gestartet und umgesetzt, das genau diese Lücke schließen kann.

Starke Partner

„In diesem Bereich gibt es viel Potenzial. Es geht nicht nur darum, vor der Maschine zu automatisieren, sondern auch dahinter“, sagt Robert Eber, zuständig für die Paletten- und Roboterautomation bei HELLER. An fünf Produktionsstätten weltweit fertigt die Unternehmensgruppe modernste CNC-Werkzeugmaschinen und Fertigungssysteme für die spanende Bearbeitung. Zahlreiche Unternehmen aus dem allgemeinen Maschinenbau, der Energietechnik, der Fluidtechnik, der Aerospace-Industrie, Automobilindustrie und deren Zulieferer sowie aus vielen weiteren Branchen zählen zu den Kunden des 1894 in Nürtingen gegründeten Unternehmens. Schon bei früheren Aufgaben nutzte HELLER roboterbasierte Lösungen von KUKA. Für das Pilotprojekt in der Werkzeugautomation jedoch arbeiteten beide Unternehmen erstmals partnerschaftlich zusammen, um eine marktfähige Lösung zu entwickeln.

Gemeinsam mit KUKA hat die global agierende Unternehmensgruppe HELLER ein Pilotprojekt gestartet, um die Werkzeugautomation voranzubringen. - © HELLER
Gemeinsam mit KUKA hat die global agierende Unternehmensgruppe HELLER ein Pilotprojekt gestartet, um die Werkzeugautomation voranzubringen. © HELLER
Von der Kundenanfrage zum Pilotprojekt

Die Zusammenarbeit startete mit dem Ziel, herauszufinden, welche manuellen Vorgänge sich automatisieren lassen und wo die Grenzen liegen. „Wir haben die Firma HELLER kontaktiert und gefragt, ob sie Bedarf in der mobilen Robotik sehen und das wurde direkt mit einem Ja beantwortet. Daraus sind dann die ersten Ideen, Konzepte und schließlich unser Pilotprojekt entstanden“, berichtet Steffen Günther, Global Business Development Manager bei KUKA. Im Frühjahr 2021 starteten die beiden Unternehmen das Projekt, gut ein Jahr und die eine oder andere Herausforderung später war die Lösung schließlich gefunden.

KMR CYBERTECH übernimmt den Job

Und die sieht folgendermaßen aus: Mittels der Informationen aus dem Produktionsauftrag, der von den Mitarbeitenden zur Verfügung gestellt wird, legt ein Leitrechner der Firma CERTA fest, welche Werkzeuge die Maschine benötigt. Er beauftragt den KMR CYBERTECH, die entsprechenden Werkzeuge aus dem Lager zu holen. Die mobile Plattform, angetrieben durch omnidirektionale Technologie, mit einem darauf installierten KR CYBERTECH macht sich auf den Weg. „Der KMR CYBERTECH war hierfür das optimale Produkt, da wir bei der Werkzeugaufnahme ein maximales Gewicht von bis zu 20 Kilogramm haben“, merkt Steffen Günther an. Der Roboterarm greift die entsprechenden Werkzeuge und platziert sie auf den dafür passenden Vorrichtungen auf der Plattform. Dann geht die Fahrt weiter.

„Den Schwerpunkt der manuellen Arbeit verlagern“

Der KMR CYBERTECH bringt die Teile zur entsprechenden Maschine und setzt sie dort ein, wo sie benötigt werden. „Durch die automatisierte Lösung entfällt für den Mitarbeiter der Gang zur Maschine und das Einlegen der Werkzeuge. So können wir den Schwerpunkt der manuellen Arbeit verlagern“, erklärt Robert Eber. Nicht nur das Be- und Entladen über-nimmt in dieser Lösung der KMR CYBERTECH, sondern auch den Austausch. Wenn zum Bei-spiel der Leitrechner die Information über ein verschlissenes Werkzeug erhält, macht sich die Plattform auf den Weg zur betroffenen Maschine. Entladen, abtransportieren, neues Werkzeug holen, in die Maschine einlegen – fertig.

Der mobile Roboter KMR CYBERTECH transportiert nicht nur das passende Werkstück, sondern übernimmt auch die Maschinenbeschickung. - © HELLER
Der mobile Roboter KMR CYBERTECH transportiert nicht nur das passende Werkstück, sondern übernimmt auch die Maschinenbeschickung. © HELLER
Auf die Kommunikation kommt’s an

Besonders herausfordernd bei der Entwicklung dieser Lösung war die Kommunikation aller beteiligten Systeme untereinander. „Welche Daten sind wann und wo verfügbar? Die größte Herausforderung für uns waren die Schnittstellen für den Datenaustausch“, sagt Robert Eber. Durch die geballte Automatisierungskompetenz von KUKA und HELLER konnte nach einigen Tests ein passender Weg gefunden werden, um die mobile Plattform nicht einfach nur von A nach B fahren zu lassen. Sie wird nun ad-hoc mit notwendigen Informationen versorgt, anhand derer sie zu jedem Zeitpunkt genau weiß, was zu tun ist. Auch eine zweite Anforderung sollte bei dem Pilotprojekt realisiert werden. „Wir wollten so wenig wie mög-lich vom manuellen Betrieb verändern“, konkretisiert Eber. „Das heißt: Auch der Mitarbeiter soll weiterhin Werkzeuge einlegen und Daten verwalten können, wenn das notwendig sein sollte.“

Das Ziel: Kundenanfragen realisieren

Das Projekt ist abgeschlossen, die Machbarkeit wurde festgestellt: Die Kommunikation funktioniert und die Maschinen können nun sowohl von Menschen als auch von Robotern mit Werkzeugen beladen werden. „Wir werden nun den Markt beobachten und sind bereit, die nächste Stufe zu betreten und auf Kundenanfragen zu reagieren“, betont Eber. Auch für KUKA war es das erste große Projekt mit mobiler Robotik im Bereich der Werkzeugautomation. Steffen Günther ist überzeugt, damit dem Mangel an Fachkräften entgegenzuwirken und Industrieunternehmen zu stärken. „Die mobile Robotik kann diese Arbeiten 24/7 durch-führen und die Facharbeiter können sich auf ihre Kompetenzen und wertschöpfenderen Tätigkeiten konzentrieren.“ Der Grundstein ist gelegt, erste Kundenprojekte und Angebote konnte die Zusammenarbeit mit HELLER bereits generieren. Nun gilt es, das zukunftsweisende Projekt in die Produktionshallen weiterer Werkzeughersteller zu integrieren.

(Quelle: KUKA AG)

Schlagworte

AutomationCNC-WerkzeugmaschinenRobotikSpanende FertigungWerkzeugautomationWerkzeuge

Verwandte Artikel

21.04.2026

Präzisionsbearbeitung von Windkraftanlagen

Bei der Herstellung von Windkraftanalagen ist eine höhe Präzision gefordert. Lukas-Erzett bietet dafür Schleif-, Fräs-, Polier- und Trennwerkzeuge, die auf diese besonder...

Fräsen Kunststoffe Polieren Schleifen Schweißnahtbearbeitung Schweißnähte Stahl Stahlbearbeitung Trennen Werkzeuge Windkraftanlagen
Mehr erfahren
20.04.2026

Hannover Messe 2026: Maschinenbau fordert Reformen

Auf der Hannover Messe 2026 schlägt der VDMA Alarm: Der Maschinen- und Anlagenbau sieht seine Belastungsgrenze erreicht. Präsident Bertram Kawlath warnt vor einer zunehme...

AR Arbeitszeit Brasilien Digitalisierung DIN Energiepreise Erosion Fluidtechnik GSI Lieferketten Maschinen- und Anlagenbau Maschinenbau Politik Raw Materials Reformen Ressourcen Robotik Technik Technologie VDMA Verpackungsindustrie Verteidigung Wirtschaft
Mehr erfahren
19.04.2026

Erfolgreiches Cobot-Schweißen ohne Robotikexpertise

Technologietransfer, der wirkt: Auf dem "European Robotics Forum" (ERF) gewann das Bewerbertrio Ende März die prestigeträchtige Auszeichnung. Sie belohnt Forschung, die i...

Automatisierung Award Cobot Cobot-Schweißen Cobots Demografischer Wandel Fraunhofer IPA Laser Lichtbogen Produktionstechnik Roboterzelle Robotics Robotik Schweißen Sensorik Technologietransfer Welding
Mehr erfahren
13.04.2026

Robot Density Surges in Europe, Asia and Americas

In the global automation race, the Western European countries reached a record 267 robots per 10,000 employees in the manufacturing industry 2024 – ahead of North America...

Automation Global Market Manufacturing Robotics Robots
Read more
v. l. n. r.: Bobbie Linkenbach, Jörg Rommelfanger, Pär Tornemo und  Sibel Yanak
13.04.2026

Yaskawa strukturiert seine Führungsspitze in Europa neu

Yaskawa, ein japanischer Hersteller in den Bereichen Automatisierung und Technologie, hat zu Beginn des Geschäftsjahres eine Neustrukturierung der Geschäftsführung in s...

Automatisierung Digitalisierung KI-Technik Robotik Schweißen Technologie
Mehr erfahren