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18.05.2026

Regulierung, Rohstoffknappheit, Resilienz: Wie Kreislaufwirtschaft gelingt

Europäische Vorgaben wie die Ökodesign-Verordnung ESPR, der ab 2027 verpflichtende Digital Product Passport und die nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie NKWS setzen Industrieunternehmen unter Handlungsdruck. Das lineare Wirtschaftsmodell stößt an seine Grenzen – und trotzdem gelingt vielen Industrieunternehmen der Übergang zur Kreislaufwirtschaft nicht. Zu diesem Thema hat das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA das Whitepaper „Kreislaufwirtschaft strategisch umsetzen – Effizienz, Konsistenz und Suffizienz in der unternehmerischen Praxis“ erarbeitet. Auf Basis wissenschaftlicher Analyse und praxisnaher Experteninterviews zeigt die Veröffentlichung konkrete Wege zur strategischen Umsetzung der Kreislaufwirtschaft. Im Mittelpunkt stehen drei Nachhaltigkeitsstrategien und ihr Zusammenspiel.

Lineare Wirtschaft am Limit: Warum Kreislaufwirtschaft zur strategischen Notwendigkeit wird

Rohstoffe werden knapper, Energiepreise steigen, Lieferketten geraten unter geopolitischen Druck. Das lineare Wirtschaftsmodell des Take – Make – Dispose (dt. Nehmen – Herstellen – Entsorgen), nach welchem Rohstoffe entnommen, Produkte hergestellt und nach Nutzung entsorgt werden, stößt an ökologische und ökonomische Grenzen. Kreislaufwirtschaft ist vor diesem Hintergrund keine Option mehr – sie wird zur strategischen Notwendigkeit. Die politischen Signale sind eindeutig: Die Ökodesign- Verordnung ESPR, der ab Februar 2027 verpflichtende Digital Product Passport für Elektrofahrzeug-Batterien, Berichtspflichten nach CSRD und ESRS sowie der Critical Raw Materials Act verschärfen den Handlungsdruck erheblich. Wer regulatorische Entwicklungen frühzeitig antizipiert, sichert sich Investitionssicherheit und vermeidet kostspielige Nachbesserungen. Für viele Unternehmen stellt sich nicht mehr die Frage, ob sie handeln müssen – sondern wie sie den Wandel wirtschaftlich tragfähig gestalten können.

Besonders deutlich wird dies bei den etablierten Nachhaltigkeitsansätzen. Effizienzmaßnahmen sind in der Praxis weit verbreitet, stoßen jedoch schnell an Grenzen. Einsparungen werden durch steigende Nachfrage teilweise wieder aufgehoben, oder verlagern sich entlang globaler Lieferketten. Weiterführende Ansätze, die auf geschlossene Stoffkreisläufe oder veränderte Nutzungsmodelle abzielen, sind deutlich anspruchsvoller in der Umsetzung und erfordern tiefgreifende Eingriffe in Produktdesign, Datenstrukturen und Geschäftsmodelle. Gerade hier fehlen oft Standards, belastbare Daten und klare Verantwortlichkeiten.

Was Unternehmen antreibt – was sie bremst

Die Experteninterviews mit elf Fach- und Führungskräften aus Maschinenbau, Automobil, Elektronik und Chemie zeigen ein vielschichtiges Bild. Auch auf Unternehmensebene zeigen sich strukturelle Hemmnisse. Regulatorik ist aktuell der stärkste Treiber für Veränderungen, ergänzt durch steigende Kundenerwartungen und Investorenanforderungen. Gleichzeitig stehen diesen Impulsen grundlegende wirtschaftliche und organisatorische Barrieren gegenüber: fehlende belastbare Geschäftsmodelle, begrenzte Zahlungsbereitschaft im Markt, technische Restriktionen bei kritischen Rohstoffen sowie unzureichende Transparenz über Materialflüsse und Lebenszyklen. Viele Unternehmen sehen sich dadurch in einem Spannungsfeld zwischen strategischem Anspruch und operativer Umsetzbarkeit.

Hinzu kommt: Kreislaufwirtschaft lässt sich selten isoliert innerhalb eines Unternehmens realisieren. Sie erfordert abgestimmte Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Produktdesign über Nutzung bis hin zu Rückführung und Wiederverwertung. Fehlende Standards, fragmentierte Datenlandschaften und unklare Schnittstellen zwischen Akteuren erschweren diese Zusammenarbeit erheblich.

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Handlungsempfehlungen für die unternehmerische Praxis

Das Whitepaper leitet aus diesen Erkenntnissen konkrete Handlungsempfehlungen ab. Entscheidend ist jedoch weniger die Frage, welche Maßnahmen grundsätzlich sinnvoll sind – als vielmehr, wie Unternehmen die Transformation systematisch angehen, priorisieren und wirtschaftlich absichern. In der Praxis scheitert die Umsetzung häufig nicht an Konzepten, sondern an fehlender Skalierbarkeit, internen Zielkonflikten und unklaren Verantwortlichkeiten.

Klar ist: Kreislaufwirtschaft entwickelt sich zunehmend von einer Nachhaltigkeitsinitiative zu einer strategischen Notwendigkeit. Unternehmen, die die bestehenden Herausforderungen nicht adressieren, riskieren langfristig Wettbewerbsnachteile – sowohl durch steigende regulatorische Anforderungen als auch durch zunehmende Abhängigkeiten in globalen Rohstoff- und Lieferketten.

Kreislaufwirtschaft als Wettbewerbsstrategie

Das Fraunhofer IPA begleitet Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung von Kreislaufstrategien und stellt mit dem aktuellen Whitepaper eine fundierte Analyse der zentralen Herausforderungen und Handlungsfelder bereit. Unternehmen, die Kreislaufwirtschaft systematisch konzipieren, sichern sich nicht nur Compliance – sie erschließen neue Geschäftsmodelle und stärken ihre Resilienz. Das Fraunhofer IPA begleitet Unternehmen mit Forschung, Methoden und konkreten Umsetzungsprojekten.

Kostenloser Download des Whitepaper

(Quelle: Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA)

Schlagworte

EffizienzGlobale LieferkettenKreislaufwirtschaftLineares WirtschaftsmodellNachhaltigkeitWertschöpfungsketteWhitepaper

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