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01.04.2021

Schweißrauchabsaugung: So finden Sie die passende Absauganlage

Schweißrauchabsaugung: So finden Sie die passende Absauganlage

Auf dem Markt wird eine Vielzahl von Schweißrauch-Absauggeräten angeboten. Darunter ein gutes zu erkennen und die richtige Anlage für die jeweils eigenen Anforderungen zu finden, kann zu einer echten Herausforderung werden, denn die diversen Geräte haben unterschiedliche Merkmale. Einige Systeme arbeiten mit Niedrigvakuum, andere mit Hochvakuum. Es gibt stationäre Anlagen, mobile und tragbare Geräte, Geräte mit unterschiedlicher Filterleistung und Unterschieden beim Gehäusematerial. In diesem Beitrag von ABICOR BINZEL erfahren Sie alles Wichtige, um die für Sie passende Schweißrauch-Absauganlage zu finden.

Folgende Aspekte sollten Sie bei der Anschaffung einer Schweißrauch-Absauganlage berücksichtigen:

  • Der Vakuumtyp
  • Die Anzahl der Brenneranschlüsse
  • Die Mobilität, die Aufmachung und das Design
  • Den Leistungsbedarf
  • Die Filtereffizienz und die Klassifizierung
  • Die Systemeigenschaften
Der Vakuumtyp

Für das Erfassen des beim Schweißen entstehenden Schweißrauches gibt es bei Absaugsystemen zwei grundsätzliche Typenvarianten, nämlich Niedrigvakuumsysteme und Hochvakuumsysteme. Der Unterschied zwischen beiden Systemen liegt im statischen Druck, der bei Hochvakuumsystemen höher und bei Niedrigvakuumsystemen niedriger ist. Abhängig vom Systemtyp lassen sich die gegebenen Verengungen des Werkzeugs ideal nutzen, wobei es keine Rolle spielt, ob es sich dabei um einen Rauchgas-Absaugbrenner handelt, einen Absaugtrichter oder eine kleine Haube.

Ein Hochvakuumsystem, das einen höheren statischen Druck erzeugt und einen geringeren Volumenstrom fließen lässt, wird beispielsweise für einen Schweißrauch-Absaugbrenner zur Punktabsaugung genutzt. An Niedrigvakuumsysteme wiederum werden zum Beispiel Absauggeräte mit einem Absaugarm angeschlossen.

Das Saugaggregat, also die Turbine, hat beim Vakuumtyp den wohl größten Einfluss auf die Absaugleistung des gesamten Systems. Turbinenhersteller bieten für die Saugaggregate unterschiedliche Absaugstärken an. Bei der Auswahl des passenden Absauggerätes ist es daher wichtig, sich zu vergewissern, dass die Absaugleistung auf dem erforderlichen statischen Druckniveau und dem erforderlichen Durchfluss liegt. Darüber geben die Datenblätter Auskunft, Hersteller und Lieferanten sind aber auch gerne bereit, Sie durch den Prozess zu führen.

Bei einer Punktabsaugung gibt der verwendete Rauchgas-Absaugbrenner vor, wie groß bzw. wie hoch die Absaugstärke sein muss: Einige Schweißrauch-Absaugbrenner mit Absaugdüsen funktionieren beispielsweise besonders effizient, wenn der statische Druck und die Strömungsauslegung höher sind. Das gilt auch für Absaugdüsen, die weiter oben am Brennerhals in Richtung der Griffschale sitzen. Andere Absaugbrenner-Typen wiederum benötigen eher einen niedrigen statischen Druck, ebenso wie Absaugdüsen, die weiter unten am Brennerhals und somit näher am Prozess liegen.

Beim Schweißen von Hand ist ein Druck von mindestens 120 mbar nötig, um ausreichend Schweißrauch abzusaugen, beim Roboterschweißen hingegen reichen bei der Punktabsaugung 50 mbar aus, um 95 Prozent des Schweißrauches zu erfassen.

An Niedrigvakuumsysteme werden zum Beispiel Absauggeräte mit einem Absaugarm angeschlossen. - © Alexander Binzel Schweisstechnik GmbH & Co. KG
An Niedrigvakuumsysteme werden zum Beispiel Absauggeräte mit einem Absaugarm angeschlossen. © Alexander Binzel Schweisstechnik GmbH & Co. KG
Die Anzahl der Brenneranschlüsse

Ist der Vakuumtyp geklärt, stellt sich als nächstes die Frage nach der Anzahl der Brenneranschlüsse. Wie viele sollen es sein, einer oder doch lieber mehrere? Bei mobilen Geräten sind beide Typen-Varianten erhältlich. Der Vorteil bei einem Absauggerät mit nur einem Brenneranschluss liegt darin, dass nur ein Schweißer damit arbeitet – wird die Arbeit unterbrochen, kann auch das Absauggerät pausieren, was erforderlich ist, wenn die Geräte keinen bürstenlosen Motor haben. Darüber hinaus sind die Geräte mit nur einem Brenneranschluss in der Regel kleiner, lassen sich also leichter transportieren und platzieren.

Geräte mit mehreren Brenneranschlüssen sind größer und arbeiten auch mit einem größeren Filter, was weniger Wartungsaufwand und weniger Betriebskosten mit sich bringt. Einige Modelle haben sogar eine Selbstreinigungsfunktion, wodurch sich der Wartungsaufwand und somit auch die Ausfallzeiten weiter reduzieren. Bei Schweißrauch-Absauggeräten mit mehreren Brenneranschlüssen spielt die Anordnung der Schweißarbeitsplätze allerdings eine große Rolle: Gegebenenfalls müssen längere Absaugschläuche angeschlossen werden, daher ist es wichtig zu wissen, bis zu welcher Entfernung das Gerät noch eine zuverlässige Absaugung des Schweißrauches gewährleisten kann.

Die Mobilität, die Aufmachung und das Design

Besonders praktisch sind Schweißrauch-Absauggeräte, die sich leicht von einem Ort zum anderen transportieren lassen. Doch je höher die Leistungsfähigkeit eines Schweißrauch-Absauggerätes ist, desto schwerer wird es auch. Es gilt also, genau abzuwägen, wie mobil die Schweißrauch-Absauganlage wirklich sein muss, denn ein leicht zu transportierendes Gerät, das nicht die erforderliche Absaugleistung bringt, ist letztlich sinnlos. Deshalb ist der vorgeschriebenen Absaugleistung in jedem Fall mehr Bedeutung zuzuschreiben als der Mobilität der Geräte.

Neben der Leistungs- und der Transportfähigkeit lohnt sich außerdem der Blick auf die Konstruktion und Widerstandsfähigkeit der Schweißrauch-Absauganlagen. Geräte der Einstiegsklasse sind leichter, werden aber häufig aus günstigem Material hergestellt und sind daher für den Einsatz in rauen Industrieumgebungen meistens nicht geeignet.

Eckig oder rund, kleine Rollen oder große Räder – die Designvielfalt bei Schweißrauch-Absauggeräten ist groß. Welche Variante davon für Ihren Anwendungsfall am besten geeignet ist, entscheidet die erforderliche Mobilität. Das wichtigste Kriterium sollte aber trotz allem nicht die äußere Form, sondern der innere Aufbau der Schweißrauch-Absauganlage sein, damit der erforderliche statische Druck erzeugt werden kann. Die Rauchgas-Absaugkapazität des Gerätes hängt unmittelbar von der Geräteleistung ab. Für kleinere Geräte und Schweißarbeiten, die eine nicht so große Absaugleistung benötigen, eignet sich ein Absaugtrichter.

Ein Schweißrauch-Absauggerät muss außerdem über genügend Leistung verfügen, um bei der Arbeit mit MIG-Rauchgas-Absaugbrennern alle Engstellen und Hindernisse im Brenner zu überwinden, denn die Kabel, Klemmen und Schläuche beeinträchtigen den Weg des abgesaugten Schweißrauchs vom Brenner bis zum Absauggerät.

Ein Schweißrauch-Absauggerät muss über genügend Leistung verfügen, um bei der Arbeit mit MIG-Rauchgas-Absaugbrennern alle Engstellen und Hindernisse im Brenner zu überwinden. - © Alexander Binzel Schweisstechnik GmbH & Co. KG
Ein Schweißrauch-Absauggerät muss über genügend Leistung verfügen, um bei der Arbeit mit MIG-Rauchgas-Absaugbrennern alle Engstellen und Hindernisse im Brenner zu überwinden. © Alexander Binzel Schweisstechnik GmbH & Co. KG
Der Leistungsbedarf

Das Leistungsspektrum für Rauchgas-Absauganlagen erstreckt sich im Normalfall von einer 1-KW-Einphasen- bis zu einer 8-KW-Dreiphasenleistung. Dazu gehören eine Vielzahl kleinerer Absauggeräte für den Hobbyschweißer bis hin zu einem großen Hochleistungsgerät für den industriellen Einsatz.
Tragbare Hochvakuumsysteme sind in der Regel 1-Phasen 150/230 V-Geräte.

Die Filtereffizienz und die Klassifizierung

Hersteller informieren in den Datenblättern und begleitenden Unterlagen über die Klassifizierung des Filters, der in der Schweißrauch-Absauganlage verbaut ist. Um das für Ihre Anforderungen geeignete Schweißrauch-Absauggerät zu finden, lohnt sich ein genauer Blick auf den Filter und seine Klassifizierung.
Grundsätzlich gilt: Je größer die Filteroberfläche ist, desto größer ist auch seine Kapazität. Besondere Funktionen, wie beispielsweise eine automatische Reinigung, tragen zusätzlich zu einer längeren Lebensdauer des Filters bei.

Die europaweit gültige Norm DIN EN 1822-1 teilt die verschiedenen Partikelfilterklassen in die Klassifizierungen E10 bis U17 ein. E10 bis E12 sind Hochleistungs-Partikelfilter (EPA = Efficient Particulate Air filter), die einen Gesamtabscheidegrad von > 85 % bis > 99,5 % erreichen, und zwar ohne einen örtlichen Abscheidegrad, der erst bei den nachfolgenden Filtertypen beginnt. Die Filtertypen H13 und H14 sind Schwebstofffilter (HEPA = High Efficiency Particulate Air filter) mit einem Gesamtabscheidegrad von > 99,95 % bis > 99,995 %. U15 bis U17 wiederum sind Hochleistungs-Schwebstofffilter (ULPA = Ultra Low Penetration Air filter) mit einem Gesamtabscheidegrad von > 99,9995 % bis > 99,999995 %. In Abhängigkeit von der Schweißaufgabe und des zu schweißenden Metalls sind die Schwebstofffilter der Gruppen H- und U-Filter nicht immer erforderlich.

Auch die Klassifizierung des Filters ist ein hilfreiches Merkmal, um die richtige Schweißrauch-Absauganlage zu finden. Materialverbindungen von Chrom und Nickel beispielsweise setzen beim Schweißen besonders gesundheitsgefährdende Rauchgase frei. Dementsprechend ist für das Schweißen solcher Materialkombinationen auch ein besonderer Filter vorgeschrieben, der die Feinstäube vorschriftsmäßig aufnimmt: ein Filter mit W3-Zulassung. Absauggeräte, die dieser Klassifizierung angehören, können für jede Art von Schweißprozessen genutzt werden.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht zu den Rauchklassen beim Schweißen und den Anwendungsgebieten:

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Die Systemeigenschaften
Start-Stopp-Funktion

Viele Schweißrauch-Absauggeräte besitzen Zusatzfunktionen, die dem Nutzer einen Mehrwert bieten. Eines dieser zusätzlichen Features ist die Start-Stopp-Funktion bei mobilen Absauggeräten. Sie sorgt dafür, dass sich die Schweißrauch-Absauganlage automatisch abschaltet, wenn sie nicht in Gebrauch ist. Das Gerät erzeugt dann keinen Lärm und verschleißt langsamer. Von Nachteil ist allerdings, dass sich mit dem Anhalten der Schweißrauch-Absauganlage auch die Luftströmung und das Brennersystem abschalten und damit die Kühlfunktion für die Verschleißteile nicht mehr gegeben ist.

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Automatisches und manuelles Reinigen des Filters

Ebenfalls sehr anwenderfreundlich ist die automatische Filterreinigung, die als Zusatzfunktion eine gute Schweißrauch-Absauganlage ausmacht. Die Funktion sorgt dafür, dass sich der Filter völlig selbstständig und ohne Dazutun des Schweißers reinigt, und zwar auch dann, wenn die Absauganlage gerade im Gebrauch ist.

Mit der manuellen Filterreinigung lassen sich ebenfalls sehr gute Reinigungsergebnisse erzielen. Schweißrauch-Absauganlagen, die mit einem manuellen Filtersystem arbeiten, besitzen einen hohlen Stab, an dessen Ende sich eine rotierende Düse befindet. Der Stab ist in das Absauggerät integriert und wird beim manuellen Reinigungsvorgang an einen Druckluftauslass angeschlossen. Sobald die Druckluft eingelassen wird, beginnt die Düse zu rotieren und bläst auf diese Weise den Filter ringsum sauber. Durch eine Auf- und Ab-Bewegung des Stabs gelangt zudem Druckluft in den oberen Teil des Filters, der auf diese Weise mit gereinigt wird. Der Staub, der beim Reinigungsvorgang ausgeblasen wird, fällt in den Staubsammelbehälter und wird später entsorgt.

Bei Schweißrauch-Absauganlagen, deren Filter manuell gereinigt werden müssen, informieren eingebaute Sensoren über eine notwendige Filterreinigung oder einen erforderlichen Filterwechsel. Dies geschieht entweder durch ein akustisches oder ein visuelles Signal. Die Sensoren messen dafür den Differenzdruck zwischen beiden Filterseiten und erkennen so, wenn keine Luft mehr durchgelassen wird, weil der Filter voller Staub sitzt. Solche Sensorsysteme arbeiten sehr genau und sind daher eine echte Hilfe für den Anwender. Allerdings besitzen viele Basisgeräte für die Schweißrauch-Absaugung diese Sensortechnik nicht, sodass der Anwender für die regelmäßige Reinigung und den Filterwechsel manuell einen Wartungsplan erstellen muss.

Sensorsysteme, die auf Basis der Nutzungszeit der Schweißrauch-Absauganlage auf einen Filterwechsel oder die Filterreinigung hinweisen, sind hingegen keine gute Lösung, da bei dieser Funktionsweise nicht der Verschmutzungsgrad des Filters auschlaggebend ist.

Verstellbare Absaugleistung

Besonders vorteilhaft ist es auch, wenn sich die Absaugleistung der Schweißrauch-Absauganlage verstellen lässt und so auf den jeweiligen Schweißprozess abgestimmt werden kann. Wird weniger Absaugleistung benötigt, kann man den Luftstrom kleiner einstellen – damit sinken dann auch der Geräuschpegel, der Leistungsverbrauch und der Verschleiß.

Das individuell richtige Schweißrauch-Absauggerät finden

Angesichts der vielen Optionen und Möglichkeiten ist es bei der Anschaffung einer Schweißrauch-Absauganlage zunächst einmal wichtig, die eigenen Anforderungen möglichst genau zu definieren und die Schweißparameter zu kennen. Im Idealfall folgt dann im nächsten Schritt ein Gerätetest im Arbeitsalltag. Gute Anbieter von Schweißrauch-Absauggeräten und Zubehör bieten kostenlose Probestellungen als Service. Profitieren Sie von diesem Angebot, denn es hilft Ihnen dabei, am Ende das Gerät zu finden, das Sie wirklich überzeugt.

Auch ABICOR BINZEL unterstützt Sie bei der Suche nach der richtigen Schweißrauch-Absauganlage und bietet für die xFUME-Geräteserie eine kostenlose Probestellung an. Wenn Sie an diesem Service-Angebot interessiert sind, können Sie die Probestellung hier anfordern:

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(Quelle: Alexander Binzel Schweisstechnik GmbH & Co. KG)

Schlagworte

AbsauganlagenArbeitsschutzGesundheitsschutzSchweißrauchabsaugungSchweißrauche

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