Forschung
Schweißprozess mit dem Multimode-Faserlaser. Die Laserstrahlform und -geometrie lassen sich ohne externe Optiken in weniger als 30 Millisekunden verändern – sogar während des Schweißprozesses. - © Fraunhofer IWS Dresden
29.11.2020

Vielseitig und schnell schweißen

Vielseitig und schnell schweißen

Ein neuartiger Multimode-Faserlaser ermöglicht eine individuelle Veränderung der Laserstrahlform und -geometrie innerhalb weniger Millisekunden – ohne den Einsatz zusätzlicher externer Optikelemente. Forschende des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik IWS können nun mit nur einem Lasersystem verschiedene Anwendungen vom Wärmeleitungsschweißen bis zum Tiefschweißen durchführen. Nach den intensiven Tests des Hochleistungsfaserlasers in den Dresdner Laboren sind Industriekunden aufgerufen, gemeinsam mit den Experten des Fraunhofer IWS die Vorteile des Lasers für ihre spezifischen Anwendungen zu identifizieren.

Das Technologiefeld „Fügen“ am Fraunhofer IWS bietet innovative Laserstrahlschweißverfahren und -technologien. Genutzt werden sie zur Herstellung rissfreier Schweißverbindungen aus härtbaren und hochfesten Stählen, Gusseisen sowie Aluminium- und Sonderlegierungen. Das umfangreiche werkstoffwissenschaftliche Know-how, auch interdisziplinär geprägt, und moderne Laseranalagentechnik ermöglichen es den Fügeexperten kurzfristig und flexibel auf spezifische Kundenanforderungen zu reagieren. Neu im Portfolio befindet sich ein moderner Multimode-Faserlaser, der sich an die Kundenanforderungen angelehnt programmieren lässt.

Strahlmodi im Hochleistungsfaserlaser flexibel einstellen

Das Fraunhofer IWS nutzt seit kurzem einen Vier-Kilowatt-Multimode-Faserlaser mit programmierbarer Strahlqualität für die Prozessentwicklung. Im Gegensatz zu bestehenden Lösungen ermöglicht er eine reaktionsschnelle, individuelle Veränderung der Laserstrahlform und -geometrie ohne den Einsatz externer Optiken in weniger als 30 Millisekunden – sogar während des Schweißprozesses bei voller Leistung.

Beispiel einer abgestimmten Strahlform des neuen Faserlasers. - © Fraunhofer IWS Dresden
Beispiel einer abgestimmten Strahlform des neuen Faserlasers. © Fraunhofer IWS Dresden

Die Mehrheit der Faserlasersysteme am Markt ist aufgrund ihrer fest vorgegebenen Spezifikationen, z. B. Strahldurchmesser, zum Schweißen nur für eine begrenzte Auswahl an Metallen und Bauteildicken ausgelegt. Intensive Tests des neuen Faserlasers am Fraunhofer IWS zeigten, dass Nutzer mit dem flexibel einstellbaren Strahlprofil einen kleinen Strahldurchmesser mit hoher Intensität, einen großen, ringförmigen Strahl und dazwischen gestufte, flexibel abstimmbare Indizes wählen können.

„Der Multimode-Faserlaser eröffnet unseren Industriekunden die Möglichkeit, mit nur einem Lasersystem verschiedene Anwendungen vom Wärmeleitungsschweißen bis zum Tiefschweißen durchzuführen. Der Einsatz einer Universaloptik bringt den bedeutenden Vorteil, sowohl dicke als auch dünne Metalle schnell und mit höchster Schweißnahtqualität zu fügen. Die Kosten, Komplexitäten und Rüstzeiten, die mit dem Einsatz externer Optiken verbunden sind und insbesondere für mittelständische Unternehmen relevante Größen darstellen, entfallen durch die neue Laserquelle“, erklärt Dr. Dirk Dittrich, Gruppenleiter für „Laserstrahlschweißen“. „Gern stehen wir beratend zur Seite, um den Laser und unser Füge-Know-how in neue oder bereits bestehende Prozesse zu integrieren.“

Schweißprozess mit dem Multimode-Faserlaser. Die Laserstrahlform und -geometrie lassen sich ohne externe Optiken in weniger als 30 Millisekunden verändern – sogar während des Schweißprozesses. - © Fraunhofer IWS Dresden
Schweißprozess mit dem Multimode-Faserlaser. Die Laserstrahlform und -geometrie lassen sich ohne externe Optiken in weniger als 30 Millisekunden verändern – sogar während des Schweißprozesses. © Fraunhofer IWS Dresden
IWS-Forscher stehen für Praxistests und Industrieprojekte bereit

Die Arbeitsgruppe „Laserstrahlschweißen“ bietet Partnern ein breites Leistungsspektrum. Es reicht von der kundenspezifischen Prozessentwicklung über die Beratung bei der Verfahrens- und Anlagenoptimierung bis zur Prozesseinführung und -überwachung. Mit dem US-amerikanischen Unternehmen nLIGHT, Hersteller des flexibel abstimmbaren Faserlasers, pflegt die Arbeitsgruppe „Laserstrahlschweißen“ um Dittrich eine langjährige Partnerschaft, die maßgeblich auf dem Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse beruht.

Die Experten des Fraunhofer IWS analysieren die von nLIGHT entwickelten Laser, erforschen geeignete Einsatzgebiete und integrieren sie in die individuellen Produktionsprozesse verschiedenster Industriekunden. Dittrich betont: „Von der Kooperation des IWS mit unterschiedlichen Laserproduzenten profitieren unsere Kunden in der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, im Maschinen- und Werkzeugbau sowie in der Energie- und Umwelttechnik. Für sie entwickeln wir maßgeschneiderte Systemlösungen, die darauf abzielen, effizienter und nachhaltiger zu produzieren. Die Zusammenarbeit mit dem IWS endet jedoch nicht beim Implementieren des Lasers in die Serienfertigung. Auch darüber hinaus stehen digitale IWS-Technologien, z. B. Sensoriken und Künstliche Intelligenz, unseren Kunden zur Verfügung, um jederzeit bestmögliche Schweißergebnisse zu erzielen.“

(Quelle: Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS)

Schlagworte

FügetechnikLaserschweißenSchweißtechnikTiefschweißenWäremeleitschweißen

Verwandte Artikel

22.06.2026

Weldend 2026: Warum die Schweißtechnik vom direkten Austausch profitiert

Plattformen, auf denen Hersteller, Anwender und Experten unmittelbar miteinander ins Gespräch kommen werden immer wichtiger. Das Weldend 2026 in Zella-Mehlis zeigte wiede...

Arbeitssicherheit Edelstahl Eisen Event Fachwissen Fertigung Handwerk Influencer Lichtbogen MAG Metallbau Metallgestaltung Montage Nachbearbeitung Nachwuchs Plasma Positioniersysteme Schneidtechnik Schweißtechnik Spanntechnik Stahl Stahlbau Technologie Veranstaltung Wissenstransfer Wolfram Zusatzwerkstoffe
Mehr erfahren
SCHWEISSEN & SCHNEIDEN 2025
19.06.2026

SCHWEISSEN & SCHNEIDEN präsentiert sich auf Gemeinschaftsstand der EURO DEFENCE EXPO

Vom 22. bis 25. September 2026 findet in Essen erstmals die EURO DEFENCE EXPO (EUDEX) parallel zur Security Essen statt. Auch die SCHWEISSEN & SCHNEIDEN ist mit einem Ge...

Beschichtungstechnik Defence Fahrzeugbau Fügetechnik Luft- und Raumfahrt Militär Schiffbau Schneiden Schneidtechnik Schweißen SCHWEISSEN & SCHNEIDEN Schweißtechnik Sicherheitslösungen Trenntechnik Verteidigungsindustrie
Mehr erfahren
Transparenz beim Schleifen – die CC-Grind View von Pferd Tools.
17.06.2026

Transparenz beim Schleifen

Beim Schleifen von Schweißnähten und Metalloberflächen ist die Bearbeitungsstelle häufig nur eingeschränkt sichtbar. Eine transparente Schleifscheibe soll Anwendern ermög...

Kontaktzone Metallbearbeitung Metalloberflächen Nacharbeit Prozesssicherheit Schleifbild Schleifen Schleifprozess Schleifscheibe Schweißnaht Schweißtechnik Transparenz Werkstück
Mehr erfahren
Unter dem Motto „Von Experten für Experten“ ist bei Air Liquide in Krefeld 2019 ein Kompetenzzentrum zum Schweißen und Schneidenentstanden.
Der Prakitker
16.06.2026

Zwischen Werkstofflabor und Schweißkabine

Der SchweisserCampus von Air Liquide in Krefeld versteht sich als Praxiszentrum für moderne Schweiß- und Schneidtechnik. Hier treffen Anwendungstechnik, DVS-zertifizierte...

Cobot Fertigungsprozess Fügen Fügetechnik Handlaserstrahlschweißen Laserstrahlschweißen Praxis Prozessführung Prozessparameter Prüfprobe Rauchentwicklung Schneiden Schneidtechnik Schutzgas Schweißen Schweißkabine Schweißnaht Schweißparameter Schweißrauch Schweißtechnik Schweißverbindungen Trennen Trenntechnik VR Wärmeeinbringung Werkstoffe Werkstofflabor Zusatzwerkstoffe
Mehr erfahren
16.06.2026

Handgeführtes Laserstrahlschneiden: Vier strukturelle Schwächen im Einkauf

Handgeführte Laserstrahlschneider haben sich in den letzten Jahren von einer Speziallösung zu einem realistischen Investitionsthema für mittelständische Schweißbetriebe e...

KMU Laserstrahl Laserstrahlschneiden Schweißbetriebe Schweißen Schweißtechnik Wirtschaft
Mehr erfahren