Anwenderbericht
© LEWA NIKKISO Middle East FZE
20.03.2020

Werkstoff Titan: Eigener Reinraum für sensible Schweißprozesse

Der Auftraggeber wünschte sich ein System, das für die Natriumhypochlorit-Anwendung geeignet ist, so dass sehr hohe Anforderungen an die Herstellung der Komponenten gestellt wurden. „Sämtliche Titanschweißprozesse mussten in einem separaten Schweißraum mit eigener, spezieller Klimatisierung durchgeführt werden“, so Nishar Parakkunnath, Produktionsleiter bei LEWA NIKKISO Middle East. „Die zu verschweißenden Oberflächen sollten eine Temperatur von mindestens 15 °C und höchstens 90 °C aufweisen. Nach dem Schweißen, aber vor irgendeiner Art von Reinigung mussten alle Schweißnähte mittels Sichtprüfung kontrolliert werden.“ Die Prüfung konzentrierte sich insbesondere auf die Wärmeeinflusszonen und auf die mögliche Oberflächenkontamination der Schweißverbindung. „Der Kunde hatte aufgrund bisheriger Erfahrungen mit anderen Herstellern sehr strenge Abnahmekriterien in Bezug auf die Anlauffarbe der Naht während des Schweißens festgelegt“, erklärt Venkatesh Chidambaram, Quality Control-Manager bei LEWA NIKKISO Middle East. „Aus diesem Grund mussten die Schweißnähte vor dem Bürsten rein silberfarben sein.“

Umfassende Anpassung der Produktion an den anspruchsvollen Werkstoff

Um die geforderten Kriterien zu erfüllen, baute LEWA NIKKISO Middle East in seinem Werk in den Vereinigten Arabischen Emiraten einen eigenen, 45 m² großen Reinraum. Darüber hinaus schaffte das Unternehmen spezielle Schweißgeräte und Zubehör für den Titan-Schweißprozess an. „Im Anschluss haben wir die direkten und indirekten Schweißparameter für das verwendete Wolfram-Inertgas-Schweißen (WIG) angepasst, bis wir das geforderte Ergebnis erzielen konnten“, sagt Parakkunnath. „Zu diesen Parametern gehörten Energieeintrag, Schweißgeschwindigkeit, Gasdurchflussmenge für Schutz-, Rück- und Nachlaufgas sowie Vorwärm- und mittlere Vorlauftemperatur.“

Die Schweißer achteten besonders auf den Gasschutz um die Verbindung herum. Ohne besondere Vorsichtsmaßnahmen oxidiert das Titanmaterial durch die Atmosphäre unmittelbar. „Diese Art der Kontamination reduziert potenziell die Lebensdauer des Schweiß- und Grundwerkstoffs. Unser Kunde wollte das durch strenge Vorgaben ausschließen“, erklärt Chidambaram. Aus diesem Grund war es wichtig, die Schweißzone angemessen zu schützen, indem man den Gasschutz konsequent aufrechterhielt, um Metalloberflächen abzukühlen und das Eindringen von Sauerstoff zu verhindern.

Durch geduldiges Üben und Feinabstimmen der Schweißparameter in der Frühphase erreichten die Schweißer einen außergewöhnlich hohen Anteil an einwandfreien Schweißverbindungen (98,82 %). - © LEWA NIKKISO Middle East FZE
Durch geduldiges Üben und Feinabstimmen der Schweißparameter in der Frühphase erreichten die Schweißer einen außergewöhnlich hohen Anteil an einwandfreien Schweißverbindungen (98,82 %). © LEWA NIKKISO Middle East FZE
Hochqualitatives Schweißergebnis

Die Ergebnisse dieser Schweißversuche wurden jeweils von der Schweißaufsicht und den Qualitätsprüfern überwacht. Auf Basis dieser Tests konnte LEWA NIKKISO Middle East Verbesserungskriterien zur Erreichung der geforderten Schweißnahtqualität erarbeiten. So erzielte das Unternehmen einen außergewöhnlich hohen Anteil an einwandfreien Schweißverbindungen: 335 von 339 im Projekt. „Nachdem alle Inspektionen durchgeführt waren, betrug die Ausschussrate insgesamt nur noch 1,18 Prozent“, so Chidambaram. „Dieses Ergebnis wurde von unseren Kunden anerkannt und bestätigt.“ Die Titan-Schweißarbeiten wurden in einem Zeitrahmen von 30 Tagen ausgeführt und das komplette Chemical Injection Package Anfang 2019 geliefert. Das Package wird 2020 in vollem Umfang in Betrieb sein.

(Quelle: Presseinformation der LEWA GmbH)

Schlagworte

KorrosivitätRöntgenprüfungSchweißenSichtprüfungTitan

Verwandte Artikel

Automatisierte Schweißzelle mit sensorisch überwachtem Prozess
29.09.2026

KI gestützte Schweißautomation mit klaren Freigabegrenzen

KI kann Schweißprozesse beobachten, Abweichungen priorisieren und Bediener bei der Diagnose unterstützen. Handlungsfähig wird sie jedoch erst durch eine klar getrennte Ke...

Automation Freigabelogik KI Agenten Prozessüberwachung Schweißautomation Schweißen Wiederanlauf
Mehr erfahren
Der KR Fortec ultra MT wurde speziell für Anwendungen entwickelt, die hohe Prozesskräfte, Steifigkeit und Präzision erfordern.
28.09.2026

Forschungsplattform für robotergestütztes Rührreibschweißen

Die Hochschule Magdeburg-Stendal setzt auf KUKA Technologie für die Entwicklung industrieller FSW-Anwendungen der nächsten Generation.

Entwicklung Fertigungsprozesse Forschung FSW Hochschulen Maschinenbau Roboter Roboterschweißen Roboterzelle Rührreibschweißen Schweißen Universität
Mehr erfahren
EQU30-Balancer mit abnehmbarem Drahtvorschub
26.09.2026

Mehr Ergonomie beim Schweißen mit abnehmbarem Drahtvorschub

Auf der EuroBLECH 2026 zeigt Engmar den patentierten EQU30 für den Einsatz mit Absaugbrennern. Der Balancer unterstützt den Schweißer bei Arbeiten an stationären Arbeitsp...

Absaugbrenner Drahtvorschub Ergonomie Euroblech Gesundheitsschutz Schweißbrenner Schweißen
Mehr erfahren
Das Berliner Architekturbüro Barkow Leibinger entwarf die neue Frankreichzentrale, die in Holz-Betonbauweise errichtet wurde.
24.09.2026

Eröffnung der neuen Frankreichzentrale

Trumpf hat seinen neuen französischen Hauptsitz eröffnet. Er liegt in Villepinte, rund zwanzig Kilometer nordöstlich von Paris. Das Unternehmen investierte 16,1 Millionen...

Automobilindustrie Blechbearbeitung Bohren Halbleiterindustrie Lasertechnik Luft- und Raumfahrt Schneiden Schweißen Werkzeugmaschinen
Mehr erfahren
23.09.2026

Konferenz für nachhaltige Werkstofftechnik

Das Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnik (IWW) der Technischen Universität Chemnitz veranstaltet am 17. und 18. März 2027 das 25. Werkstofftechnische K...

Additive Fertigung Auftragschweißen Fertigungstechnik Fügetechnik Kolloquium Konferenz Löten Oberflächentechnik Schweißen Wasserstoff Wasserstofftechnologien Werkstofftechnik Werkstoffwissenschaft
Mehr erfahren