Wirtschaft
© stock.adobe.com/Miha Creative
17.07.2026

Wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juli 2026

Die Lage der deutschen Wirtschaft zeigt sich zur Jahresmitte leicht aufgehellt. Nachdem die Eskalation des Krieges im Nahen Osten die Konjunktur im Frühjahr über steigende Energiepreise und Lieferkettenstörungen spürbar belastete, deuten die jüngsten Indikatoren auf eine vorsichtige wirtschaftliche Stabilisierung hin. Die Mitte Juni erzielte Rahmenvereinbarung zwischen den USA und dem Iran sowie der damit einhergehende deutliche Rückgang der Ölpreise dürften zu einer Erholung der Stimmung beigetragen haben. Dennoch bleibt die Unsicherheit über den weiteren Konfliktverlauf angesichts der neuen Luftschläge im Iran hoch und die erhöhten Energie- und Rohstoffpreise infolge von Kostensteigerungen in Unternehmen und Kaufkraftverlusten bei privaten Haushalten dürften die Konjunktur im zweiten Quartal dämpfen. Im weiteren Jahresverlauf ist im Falle wieder nachlassender energiepreisbedingter Belastungen von einer konjunkturellen Erholung auszugehen, die von den fiskalischen Impulsen der Bundesregierung unterstützt wird.

Industriekonjunktur

Die Industriekonjunktur stabilisiert sich zur Mitte des zweiten Quartals. Sowohl die Auftragseingänge als auch die Produktion waren gegenüber dem Vormonat aufwärtsgerichtet. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich bewegten sie sich allerdings nur seitwärts. Angesichts der nach wie vor hohen geopolitischen Unsicherheit und Lieferengpässen bleiben die Aussichten für die Industriekonjunktur verhalten.

Einzelhandel

Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (saisonbereinigt, ohne Kfz) sind im Mai um 1,1 % gegenüber dem Vormonat gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnete der Einzelhandel im Mai ein Plus von 1,5 %, getragen vor allem vom Wachstum im Handel mit Nicht-Lebensmitteln. Die PKW-Neuzulassungen durch Privatpersonen setzten ihren Aufwärtstrend im Juni fort und sind sowohl gegenüber dem Vorjahr als auch im Dreimonatsvergleich abermals kräftig gestiegen. Das Stimmungsbild hat sich am aktuellen Rand auf niedrigem Niveau weiter stabilisiert, bleibt aber fragil.

Inflationsrate

Die Inflationsrate ist im Juni auf + 2,3 % gefallen, nach + 2,6 % im Mai. Die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) blieb mit + 2,5 % unverändert erhöht. Energie- und Nahrungsmittelpreissteigerungen trugen nur geringfügig zur Inflation bei.

Arbeitslosigkeit

Die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit bewegte sich im Juni mit Minus eintausend Personen in etwa auf Vormonatsniveau. Die Erwerbstätigkeit hat im Mai um achttausend Personen abgenommen und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzeichnete im April einen Rückgang um fünftausend Personen. Angesichts einer weiterhin schwachen Arbeitskräftenachfrage und anhaltender struktureller Anpassungsprozesse deutet sich momentan keine Verbesserung der Arbeitsmarktperspektiven an.

Unternehmensinsolvenzen

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen befindet sich weiter auf hohem Niveau. Laut amtlicher Statistik wurden seit Mai 2025 bis April 2026 insgesamt 24.599 Unternehmensinsolvenzen gemeldet (Anstieg um 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Dem um zwei Monate aktuelleren IWH-Insolvenztrend zufolge wurden seit Juli 2025 bis Juni 2026 18.368 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften gemeldet (Anstieg um 8,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum).

(Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie)

Schlagworte

ArbeitsmarktEnergiepreiseIndustrieInflationInsolvenzenKaufkraftKonjunkturLieferkettenWirtschaft

Verwandte Artikel

Die Brüder (von links) Patrick, Tobias und Christian Olma vor dem neuen Unternehmenssitz in Nagold.
03.10.2026

Boysen Gruppe übernimmt Mehrheitsbeteiligung an Olmatic

Die Boysen Gruppe mit Sitz in Altensteig übernimmt eine Mehrheitsbeteiligung an dem Stuttgarter Unternehmen Olmatic. Das 2016 von der Familie Olma gegründete Unternehmen...

Dekarbonisierung Energieoptimierung Industrie KI Schlüsseltechnologie Software Stromkosten
Mehr erfahren
Ingenieurarbeitsmarkt: VDI ordnet ein und zeigt Potenziale
27.09.2026

VDI/IW-Ingenieurmonitor zum Strukturwandel am Arbeitsmarkt

VDI/IW-Ingenieurmonitor: Konjunkturelle Schwäche trifft derzeit auf einen Arbeitsmarkt im Wandel – doch der Fachkräftebedarf bleibt strukturell hoch. Der VDI sieht Re-Ski...

Arbeitsmarkt Digitalisierung Energiesektor Fachkräftemangel Informatik Ingenieurwesen Medizintechnik Re-Skilling Strukturwandel
Mehr erfahren
22.09.2026

So verändern humanoide Roboter die Industrie

Humanoide Roboter entwickeln sich rasant. Dell Technologies zeigt, welches Potenzial sie für die Industrie bieten, welche Hürden noch bestehen und welche Rolle Edge-Entsc...

Arbeitsschutz Automatisierung Cobots Datenverarbeitung Fachkräftemangel Flexibilität Humanoide Roboter Industrie Präzision Roboter Sensorik Technologie
Mehr erfahren
Ines Rimmele berät als Migrationsbeauftragte der Handwerkskammer Konstanz Betriebe in Rechtsfragen rund um die Anstellung von Fachkräften.
09.09.2026

Das müssen Betriebe bei der Fachkräftesuche im Ausland beachten

Ines Rimmele, Migrationsbeauftragte bei der Handwerkskammer Konstanz, gibt Tipps für die Anstellung von ausländischen Fachkräften. Darüber hinaus bietet die Handwerkskamm...

Arbeitsmarkt Ausland Bundesregierung Fachkräfte Fachkräftegewinnung Fachkräftemangel Handwerk Handwerksbetriebe Handwerkskammer Qualifizierung
Mehr erfahren
Gruppenfoto der Geschäftsführerkonferenz
06.09.2026

Geschäftsführerkonferenz des Bundesverbandes Metall

Austausch, Vernetzung und die zentralen Zukunftsthemen des Metallhandwerks standen im Mittelpunkt der Geschäftsführerkonferenz des Bundesverbandes Metall.

Bundesverband Metall Digitalisierung Geschäftsführerkonferenz Metallhandwerk Metallisieren Nachhaltigkeit Nachwuchsförderung Vernetzung Wirtschaft Wirtschaftspolitik
Mehr erfahren