Wirtschaft
© stock.adobe.com/THINK b
20.11.2025

Zu hohe Arbeitskosten vernichten Arbeitsplätze

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) gab es rund 120.000 weniger Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe im August 2025 gegenüber dem Vorjahresmonat – und der Abbau geht weiter. Schuld daran sind, neben Auftrags- und Produktionsrückgang, zu hohe Arbeitskosten. Im verarbeitenden Gewerbe ist die Arbeitsstunde gemäß Destatis um 43 % teurer als im EU-Durchschnitt. Der Arbeitskostenindex erreichte im zweiten Quartal 2025 einen neuen Höchststand. Und laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln liegen die Lohnstückkosten um 22 % über dem Durchschnitt der 27 EU-Länder. All das schwächt die Wettbewerbsfähigkeit. Ausschlaggebend sind vor allem die Lohnnebenkosten; hinzu kommen weitere Vorgaben und Regularien. Auf zügige Reformen und Schritte zur Kostensenkung pocht der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM): „Uns ist klar, dass mutige Reformen Gegenwind erzeugen. Aber besser Gegenwind als Untergang,“ warnt WSM-Hauptgeschäftsführer Christian Vietmeyer.

Stellenabbau und Abwanderung: Verlust von industrieller Substanz

Der WSM, Dachverband von 13 Industrieverbänden mit rund 5.000 Unternehmen und über 450.000 Beschäftigten, weist auf die Folgen der gestiegenen Kosten hin: Produktionsverlagerungen, Stellenabbau sowie der Verlust von Know-how und industrieller Substanz. Eine aktuelle Allensbach-Studie kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: 94 % der energieintensiven Unternehmen erwarten eine Abwanderung – und das vermutlich nicht nur aufgrund der Energiekosten.

„Wie soll man mit diesen Arbeitskosten international mithalten?“

„Unsere WSM-Mitglieder können sich ihre Mitarbeiter am Standort nicht mehr leisten. Wir sprechen von Mittelständlern, die sich höchst ungern von Fachkräften trennen. Aber sie haben keine Wahl“, unterstreicht Ulrich Flatken, WSM-Präsident und CEO der Mecanindus Vogelsang Group. „Wie soll man mit diesen Arbeitskosten international mithalten? Kunden fordern uns auf,
woanders zu produzieren.“

Müssen auf den Prüfstand:
Lebensarbeitszeit, Gesundheitssystem etc.

Die Arbeitskosten vernichten nicht nur Industriejobs, sondern auch weitere bei anhängenden Dienstleistern. Ihr Erhalt geht also jeden an. Es liegt auf der Hand, dass Themen wie Lebensarbeitszeit, versicherungsfremde Leistungen und die hohen Kosten des Gesundheitssystems überprüft werden müssen. „Die Politik muss auch Anreize schaffen, arbeiten gehen zu wollen. Leistung muss interessant sein“, plädiert Thomas Hüttenhein, Mitglied des WSM-Präsidiums und CEO von Schlager Industrieofenbau.

Ulrich Flatken, WSM-Präsident und CEO der Mecanindus Vogelsang Group - © Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM)
Ulrich Flatken, WSM-Präsident und CEO der Mecanindus Vogelsang Group © Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM)
„Bei sinkender Produktivität dürfen Arbeitskosten nicht steigen“

Um den Verlust gut bezahlter Industriearbeitsplätze zu bremsen, ist eine Begrenzung der Sozialabgaben erforderlich. Ulrich Flatken: „Bei sinkender Produktivität dürfen Arbeitskosten nicht steigen. Die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenzen in Kranken- und Pflegeversicherung von 59.850 Euro 2023 auf voraussichtlich 69.750 Euro im Jahr 2026 sind daher falsch. Die Zeiten sind vorbei, in denen wir dank Produktivität den Luxus von hohen Löhnen und hohen Lohnnebenkosten stemmen konnten.

„Wer gegen soziale Reformen votiert, votiert für steigende Arbeitslosigkeit als Folge unbezahlbarer Arbeitskosten“, warnt Christian Vietmeyer. „Mit gravierenden Folgen für Wohlstand und soziale Stabilität. Die Politik hat die Verantwortung, dem entgegenzuwirken.“

Christian Vietmeyer, WSM-Hauptgeschäftsführer - © Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM)
Christian Vietmeyer, WSM-Hauptgeschäftsführer © Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM)

(Quelle: Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung)

Schlagworte

ArbeitskostenArbeitsplätzeIndustrieLohnnebenkostenMetallMetallverarbeitungReformenStahlverarbeitungWettbewerbsfähigkeit

Verwandte Artikel

Einsatz von Robotern in der Produktion der Hyundai Motor Group
13.02.2026

KI in der Robotik

Die International Federation of Robotics hat ein neues Positionspapier zu den Trends, Herausforderungen und kommerziellen Anwendungen von „KI in der Robotik“ veröffentlic...

AI Automatisierung Automatisierungstechnik IFR Industrie Industrieautomation KI KI-gestützte Roboter Mensch-Roboter-Kollaboration Physische KI Positionspapier Produktionsketten Produktionsprozesse Robotik
Mehr erfahren
13.02.2026

Mehr Energieeffizienz und Ausbringung: HFA-Feinschneidpressen weiterentwickelt

Feinschneidpressen der Baureihe HFA plus+, die Andritz Schuler nun ins Programm genommen hat, ermöglichen eine qualitativ hochwertige Herstellung.

Automation Energie Energieeffizienz Hydraulik Industrie Pressen Schneidanlagen Stanzteile Werkzeug
Mehr erfahren
Mitglieder der DVS-Fachgruppe FG 3.3 „Schweißtechnische Ausbildung an Hochschu-len und Universitäten“
12.02.2026

Studierende im Fokus: DVS-Umfrage erfasst Bedarfe für Lehre und Forschung

Die DVS-Fachgruppe FG 3.3 hat eine Umfrage unter Studierenden gestartet, um ihre Bedürfnisse für Lehre und Lehre zu erfassen.

Ausbildung DVS-Fachgruppe DVS-Forschung Forschung Fügetechnik Industrie Lehre Schweißtechnik SFI Weiterbildung
Mehr erfahren
09.02.2026

Innovative Werkzeuge & Sonderlösungen

Seit mehr als 85 Jahren bietet Lukas-Erzett ein breites Sortiment an Werkzeugen sowie Sonderlösungen und Serviceleistungen.

Bohren Dienstleistungen Fräsen Handwerk Industrie Polieren Roboter Schleifen Trennen Werkzeuge
Mehr erfahren
08.02.2026

Last Call for Papers: DVS CONGRESS 2026

Der Deutsche Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V. lädt Fachleute aus Industrie und Forschung sowie engagierte Nachwuchskräfte ein, Vortragsangebote für den...

Beschichtungstechnik Digitalisierung Forschung Fügetechnik Hochleistungswerkstoffe Industrie KI Kongress Schneiden Schweißen Stahlbau Tagung Trenntechnik
Mehr erfahren