Trendthema
12.06.2021

Autonome Systeme als Herausforderung für den Arbeitsschutz

Autonome Systeme als Herausforderung für den Arbeitsschutz

Software-physische, künstlich-intelligente Systeme und autonome Maschinen sind mittlerweile mehr als bloße Schlagworte oder Visionen einer fernen Zukunft. Immer mehr Anwendungsszenarien werden für die unterschiedlichen Lebensbereiche zunehmend greifbar – auch und gerade in der industriellen Produktion. Die Produktsicherheit und den Arbeitsschutz stellt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in physischen Systemen, z. B. selbstfahrende Industrieplattformen, vor besondere Herausforderungen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die mit ihrem Einsatz verbundenen rechtlichen Fragen. Im Projekt „Rechtliche Rahmenbedingungen für die Bereitstellung autonomer und KI-Systeme“ hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) herausarbeiten lassen, ob und inwieweit der Einsatz dieser neuen Technologien Änderungen am bestehenden Rechtsrahmen erforderlich macht. Hierbei stehen das Produktsicherheits- und Betriebssicherheitsrecht im Mittelpunkt.

Dreh- und Angelpunkt der Überlegungen ist der Begriff des „Produkts“. Nach dem Produktsicherheitsgesetz erfolgt eine Beurteilung der von einem Produkt, etwa einer Maschine, ausgehenden Risiken im Zeitraum vor seiner Inbetriebnahme. Lernende Systeme – also solche, die sich im Betrieb auf Basis neuer Daten verändern – müssen weitergehende Anforderungen erfüllen. Durch die Veränderungen entsteht rechtlich gesehen ein neues Produkt.

Zudem ergeben sich aus der Verwendung datengetriebener Algorithmen, auch weitere Besonderheiten gegenüber herkömmlicher Software. Diese betreffen unter anderem die für die Betriebssicherheit zentralen Aspekte der Gefährdungsbeurteilung, wie Vernetzung, Kontrollierbarkeit, Widerstandfähigkeit oder Transparenz.

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Entwicklung eines Kategoriensystems (Taxonomie), mit dem sicherheitsrelevante Faktoren in software-physischen (KI-) Systemen bewertbar gemacht und übersichtlich dargestellt werden. Die Grundlage hierfür bilden umfangreiche Expertenbefragungen und ergänzende Auswertungen der verfügbaren Literatur.

Auf dieser Basis werden unterschiedliche Vorschläge zur Weiterentwicklung des Produktsicherheitsrechts gemacht. So kann durch die Einführung rechtlicher Konstrukte wie der „bestimmungsgemäßen Veränderbarkeit“ oder der „Wandelbarkeit“ der Produktbegriff so angepasst und erweitert werden, dass er den spezifischen Eigenschaften von software-physischen (KI-) Systemen gerecht wird.

Als Konsequenz hieraus ist ein angepasstes „Produktbegleitungskonzept“ notwendig, mit dem Hersteller zur Gewährleistung der Produktsicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus verpflichtet werden könnten.

Den baua:Bericht „Rechtliche Rahmenbedingungen für die Bereitstellung autonomer und KI-Systeme“ gibt es im PDF-Format zum Herunterladen im Internetangebot der BAuA.

(Quelle: Presseinformation der BAuA – Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin)

Schlagworte

ArbeitsschutzAutonome SystemeIndustrieproduktionKIKünstliche Intelligenz

Verwandte Artikel

Mit diesem Roboter fing 2001 alles an: AGRU Production Manager Andreas Zemsauer (rechts) und sein Team mit dem Kawasaki Robotics ZX300S.
12.04.2026

Automatisierung in der Kunststoffverarbeitung

Der österreichische Kunststoffverarbeiter Agru setzt seit rund 25 Jahren auf Industrierobotik. Heute reicht das Einsatzspektrum von automatisierten Fertigungsanlagen über...

Ausbildung Ausfallzeiten Automatisierung KI Kunststoff Kunststoffverarbeitung Roboterprogrammierung Robotik Serienferitgung Sonderteile Stückzahlen Wartung Werkhallen
Mehr erfahren
02.04.2026

Bundestag beschließt neue Regeln für Sicherheitsbeauftragte

Der Deutsche Bundestag hat neue Regelungen für Sicherheitsbeauftragte in Unternehmen beschlossen. Künftig soll ihre Bestellung stärker an der tatsächlichen Gefährdungssit...

Arbeitsbedingungen Arbeitsschutz Baugewerbe Berufsgenossenschaft Sicherheitsbeauftragte
Mehr erfahren
30.03.2026

Deutscher Baupreis 2026: Nordrhein-Westfalen überzeugt mit starken Innovationen

Beim Deutschen Baupreis 2026 gehören mehrere Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen zu den Preisträgern.

Arbeitsschutz Bauwesen Gesundheitsschutz Innovationen Kreislaufwirtschaft Recycling
Mehr erfahren
Mit Eneska laserclean 300 können Oberflächen schnell und materialschonend gereinigt werden.
29.03.2026

Materialschonende Reinigung mit dem Laser

Das mobile Laserstrahlreinigungsgerät Eneska laserclean 300 von joke Technology GmbH reinigt zugleich schnell und materialschonend und kann in vielen Anwendungsbereichen...

Arbeitsschutz Beschichtungen Blechverarbeitung Kleben Kunststoffe Laserstrahl Laserstrahlreinigung Schweißen Verunreinigung
Mehr erfahren
29.03.2026

Atlas Copco Group Annual Report Highlight

Atlas Copco Group presents its latest annual report highlights, outlining continued growth, strong operational performance, and a clear focus on innovation, sustainabilit...

AC AI Electrification Emissions Energy Energy Consumption Energy Efficiency Environment Industrie Infrastructure K KI Sustainability
Read more