Wirtschaft
© DIHK
22.02.2021

Der wirtschaftliche Aufholprozess gerät ins Stocken

Der wirtschaftliche Aufholprozess gerät ins Stocken

Ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie sind Geschäftslage und -erwartungen noch weit vom Vorkrisenniveau entfernt. Das ergibt die aktuelle Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter bundesweit mehr als 30.000 deutschen Unternehmen.

Nach DIHK-Berechnungen hat die Corona-Krise das Bruttoinlandsprodukt der deutschen Wirtschaft bislang um rund 190 Milliarden Euro geschmälert. Für das laufende Jahr rechnet der DIHK mit einem Wirtschaftswachstum von lediglich 2,8 Prozent.

Über alle Branchen hinweg beschreiben 32 Prozent der deutschen Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage als schlecht, 29 Prozent als gut – ein etwas negativeres Bild als im Herbst 2020.

Auch die Erwartungen an zukünftige Geschäfte fallen pessimistischer aus: Aktuell rechnen 31 Prozent der Befragten mit schlechteren Geschäften, nur 22 Prozent mit besseren. Die Auslandsnachfrage gehört wie auch die Inlandsnachfrage zu den größten Geschäftsrisiken.

© DIHK
© DIHK
Erneuter Lockdown verschärft die Lage in vielen Branchen

Nachdem bereits der erste Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres die finanziellen Reserven zahlreicher Unternehmen stark beansprucht hatte, verschärfen erneute Schließungen und Reisebeschränkungen die Lage in vielen Branchen weiter. So berichten 94 Prozent der Reisevermittler, 91 Prozent der Beherbergungsbetriebe, 87 Prozent der Gastronomen, 64 Prozent der personenbezogenen Dienstleister wie Friseure oder Fitnessstudios und 41 Prozent der Einzelhändler aktuell von schlechten Geschäften. Insgesamt stehen 7 Prozent aller Dienstleister vor einer drohenden Pleite – bei den direkt vom Lockdown betroffenen Unternehmen sind es sogar deutlich mehr.

© DIHK
© DIHK
Industrie verhältnismäßig positiv gestimmt

Vergleichsweise robust zeigt sich dagegen die Industrie, die auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld größtenteils weiter produzieren und exportieren kann. Im Gegensatz zur Gesamtwirtschaft melden mehr Industriebetriebe eine gute Geschäftelage (31 Prozent) als eine schlechte (25 Prozent). Insbesondere die Hersteller von Vorleistungsgütern etwa aus der Chemie oder der Elektrotechnik bereiten sich auf einen kommenden Aufschwung vor. Größere Kapazitätserweiterungen – wovon etwa der Maschinenbau profitieren würde – stehen dagegen derzeit nicht an. Insgesamt aber verbessern sich die Geschäfts- und die Exporterwartungen der Industrieunternehmen — und liegen durchschnittlich im positiven Bereich (plus 8 beziehungsweise 9 Punkte).

Liquiditätsengpässe gefährden Existenzen und Investitionen

Derweil bleibt die Finanzlage für die Hälfte der Unternehmen angespannt – und bedroht manche Betriebe sogar in ihrer Existenz. Insgesamt berichten mehr als ein Viertel der Betriebe von einem Rückgang des Eigenkapitals, jedes fünfte Unternehmen hat mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen. Die Finanzierungssorgen fallen gerade bei Industriebetrieben stark ins Gewicht, weil diese ihre kapitalintensiven Produkte oft vorfinanzieren müssen – und bei Finanzierungsproblemen weniger investieren können. So wollen 40 Prozent der Betriebe im Werkzeugmaschinenbau und 37 Prozent der Hersteller von Kfz-Teilen und Zubehör weniger investieren.

© DIHK
© DIHK

In der Gesamtwirtschaft müssen 30 Prozent aller Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren. Branchenübergreifend spitzt sich die Finanzlage vor allem bei kleinen und mittleren Betrieben zu. Die Beschäftigungsaussichten der Unternehmen verbessern sich dagegen leicht, liegen im Schnitt aber weiter im negativen Bereich (minus 9 Punkte).

Aufschwung auf wackligen Füßen

Erschwerend kommt hinzu, dass auch staatliche Investitionsprogramme häufig an fehlenden Genehmigungen und am Fachkräftemangel scheitern. Selbst in der Krise kann der Staat vorhandene Ausgabenprogramme somit oft nicht zügig umsetzen. Bemerkbar macht sich das insbesondere im Tiefbau. Hier erwarten 38 Prozent der Unternehmen schlechtere Geschäfte, nur 6 Prozent bessere. Der wirtschaftliche Aufschwung steht somit in vielerlei Hinsicht auf wackeligen Füßen. Die Unternehmen werden weiterhin ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellen müssen, um wirtschaftlich durch die Corona-Pandemie zu kommen.

Sie finden eine Kurzfassung der DIHK-Umfrage „Wirtschaftlicher Aufholprozess gerät ins Stocken“ sowie die Zahlen der Auswertung hier zum Download:

(Quelle: DIHK – Deutscher Industrie und Handelskammertag e. V.)

Schlagworte

IndustrieKonjunktur

Verwandte Artikel

11.05.2026

Entwicklung der Produktion im Produzierenden Gewerbe 03/2026

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe wurde im März abermals leicht gedrosselt. Preis-, kalender- und saisonbereinigt nahm sie gegenüber dem Vormonat um 0,7 % ab.

Baugewerbe Industrie Industrieproduktion Konjuktur Maschinenbau Produzierendes Gewerbe
Mehr erfahren
Gründerteam: v.l.n.r. Manuel Belke, Oliver Petrovic und Christoph Susen
11.05.2026

Ausgründung aus dem WZL bringt KI-Robotik in die industrielle Anwendung

Mit der Gründung der Athenyx Robotics GmbH entsteht ein neues Technologieunternehmen aus dem Umfeld des Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen University.

Automatisierung Industrie KI KI-Robotik Künstliche Intelligenz Produktionstechnik Robotik Softwarelösung Start-up Werkzeugmaschinen
Mehr erfahren
03.05.2026

Handelsupdate 1. Quartal 2026

Oerlikon ist erfolgreich ins Jahr 2026 gestartet: Bestellungseingang und Umsatz legten zu konstanten Wechselkursen deutlich zu. Die Finanzprognose für 2026 wurde bestätig...

Finanzprognose Industrie Kritische Rohstoffe Luftfahrt Luftfahrtindustrie
Mehr erfahren
27.04.2026

HANNOVER MESSE: Industrie zeigt Wege in eine wettbewerbsfähige Zukunft

Ein Rückblick auf die HANNOVER MESSE 2026 zeigt, dass die Industrie auch in herausfordernden Zeiten konkrete Lösungen liefert.

Assistenzsysteme Automatisierung Digitalisierung Energieeffizienz Humanoide Roboter Industrie Innovationen KI Künstliche Intelligenz Netzausbau Robotik Schlüsseltechnologien Wettbewerbsfähigkeit
Mehr erfahren
v. l. n. r.: Dr. Claus Schnitzler, Ulrich Berners, Dr. Jochen Stollenwerk, Dr. Lutz Aschke, Gwenn Pallier, Dr. Tobias Dyck, Dr. Oliver Haupt, Kristina zur Mühlen, Dr. Markus Kogel-Hollacher
24.04.2026

Innovationen aus der Lasertechnik für die Industrie

Alle zwei Jahre zeichnet der Arbeitskreis Lasertechnik e. V. Innovationen im Bereich der Lasertechnik aus. Am 22. April wurde der Preis im Rahmen des „AKL’26 – Internati...

Auszeichnung Award CO2 CO2 Emission Industrie Innovation Lasertechnik Luftfahrt Mikrostruktur UKP-Laser Ultrakurzpulslaser
Mehr erfahren