Kommentar Trendthema
Dipl.-Ing. Michael Szczesny, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der EWM AG - © EWM AG
13.08.2018

Die Lichtbogen-Revolution

Der Lichtbogen revolutioniert die Additive Fertigung

Die Additive Fertigung mit dem Lichtbogen steht zwischen ersten Erfolgen und noch zu lösenden Herausforderungen. Dipl.-Ing. Michael Szczesny ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der EWM AG und in dieser Position verantwortlich für die gesamte Forschung und Entwicklung des Unternehmens. Er erklärt, welche Herausforderungen aus der Additiven Fertigung mit Lichtbogen für die Unternehmen entstehen.

Herr Szczesny, die Additive Fertigung mit Lichtbogen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Wie beurteilt die Industrie die aktuelle Situation?

Für die Industrie ist es sehr wichtig, dass bei der Additiven Fertigung mit Lichtbogen die beabsichtigten Bauteileigenschaften sichergestellt sind. Erste Erfolge dazu sind gegeben ‒ beispielsweise kommen mit Lichtbogen additiv gefertigte Bauteile bereits in der Luftfahrttechnik zum Einsatz. Darauf aufbauend wird es nun darauf ankommen, eine weitgehend abstrahierte Kenntnis der Zusammenhänge zu gewinnen − zum einen unter Berücksichtigung der Werkstoffe, zum anderen im Hinblick auf Formen und Geometrien.

In welchem Zeitraum ist hier mit weiteren Ergebnissen zu rechnen?

Weil das Themenfeld sehr komplex ist, gehe ich davon aus, dass erste richtungsweisende Erkenntnisse kurz- bis mittelfristig gewonnen werden können, gegebenenfalls jedoch erst einmal als Insellösung. Wir als Unternehmen stellen jedoch fest, dass auf dem Markt und in der Forschung eine ausgeprägte Mobilität vorhanden ist, sodass solche Puzzleteile durchaus zusammengefügt werden können.

Dennoch ist es wichtig, immer wieder auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit zu stellen. Noch ist offen, inwiefern das Erzielen einer höheren Qualität mit einem Kostenzuwachs verknüpft ist. Das können die Anwender erst bewerten, wenn dazu tiefergehende Forschungsergebnisse vorliegen.

Wie kann die Industrie dabei unterstützen bzw. Einfluss nehmen?

Was die noch bestehenden Herausforderungen betrifft, denen sich die Additive Fertigung mit Lichtbogen zu stellen hat, befindet sich die Industrie in einer zentralen Position. Denn sie Sie entscheidet wesentlich mit, inwiefern das Verfahren breiter eingesetzt werden kann (Investitionskosten, Wirtschaftlichkeit, Sinnhaftigkeit) und inwieweit auch die Bereitschaft zu Veränderungen in der Produktionskette und im Produktdesign akzeptiert und toleriert werden.

Die Serienfähigkeit der Bestandteile einer möglichen Anlage ist grundsätzlich gegeben, da die Stromquellen, die zurzeit für die additive Fertigung eingesetzt werden, bereits beim Verbindungsschweißen im Serieneinsatz sind. Die Herausforderung ist es, die Potenziale und die Grenzen der Verfahrensweise für die praktische Anwendung zu erkennen und bewerten zu können. Wir müssen als Industrie dieses Verfahren ohne Vorurteile nach Wirtschaftlichkeit und nach Funktion der Bauteile bewerten.

Gleichwohl muss es uns gelingen, den Mehrwert zum Produkt quantifizieren zu können. Eine reine Substitution wird meines Erachtens nur ein schwaches Argument bleiben. Im Vergleich zu anderen additiven Verfahren liegt es meiner Meinung nach jedoch auf der Hand, dass durch den bereits bestehenden großflächigen Einsatz der Lichtbogentechnik zum Verbindungsschweißen in der Industrie eine deutlich niedrigere Eintrittsbarriere für dieses Verfahren existieren wird.

Abgesehen von den technologischen Aspekten und den Herausforderungen bei der praktischen Anwendung ‒ welche weiteren Aspekte gilt es bei der Additiven Fertigung mit Lichtbogen zu berücksichtigen?

Anwender präferieren ein schlüsselfertiges Konzept. Die additive Fertigung im Allgemeinen setzt jedoch bereits im Produktdesign eine Änderung voraus. Beides wirkt sich auf die Qualifikation von Fachkräften aus. Deshalb nehme ich an, dass wir sowohl Konstrukteure als auch Fertigungsplaner und Einrichter zumindest trainieren müssen, um die Technologie zu verbreiten.

Ein mit Lichtbogen additiv gefertigter Turbolader. - © Gefertec GmbH
Ein mit Lichtbogen additiv gefertigter Turbolader. © Gefertec GmbH

Wenn sich die Additive Fertigung mit Lichtbogen durchsetzt, wird die Frage nach der Standardisierung interessant. Eine Normung bzw. ein hoher Standardisierungsgrad kann sowohl hemmend als auch vorteilhaft sein. Diesen Spagat zu lösen ist nicht einfach. Ich glaube, dass zumindest produktspezifisch klare Vorgaben gemacht werden müssen, um so auch den geregelten Bereich bedienen zu können. Außerdem gehe ich davon aus, dass wir langfristig an der Normungsarbeit nicht vorbeikommen werden. Damit würden auch die Sicherheit und die Einsatzfähigkeit des Verfahrens und der gesamten Produktionskette erhöht.“    (Szcz/Tsch)

Schlagworte

Additive FertigungForschungLichtbogenProduktion

Verwandte Artikel

14.02.2026

Christoph Kutter ist neuer Präsident des VDE

Prof. Dr. Christoph Kutter löst den bisherigen VDE Präsidenten Alf Hendryk Wulf als VDE Präsident ab. Im Fokus seiner Präsidentschaft stehen junge Menschen und die Mikroe...

Digitalisierung Elektrotechnik Energiewende Forschung Fraunhofer Informationstechnik Ingenieur Mikroelektronik MINT VDE
Mehr erfahren
Mitglieder der DVS-Fachgruppe FG 3.3 „Schweißtechnische Ausbildung an Hochschu-len und Universitäten“
12.02.2026

Studierende im Fokus: DVS-Umfrage erfasst Bedarfe für Lehre und Forschung

Die DVS-Fachgruppe FG 3.3 hat eine Umfrage unter Studierenden gestartet, um ihre Bedürfnisse für Lehre und Lehre zu erfassen.

Ausbildung DVS-Fachgruppe DVS-Forschung Forschung Fügetechnik Industrie Lehre Schweißtechnik SFI Weiterbildung
Mehr erfahren
11.02.2026

Investitionen in den Standort Michigan

Oerlikon investiert weiter in seine Aktivitäten in Michigan. Aktuell prüft das Unternehmen Möglichkeiten, die Produktionskapazitäten ab 2028 auszubauen, um der steigenden...

Additive Fertigung Advanced Manufacturing Advanced Materials Hochleistungswerkstoffe Investitionen Oberflächenlösungen Schweißen Werkstoffe Werkstoffproduktion
Mehr erfahren
10.02.2026

Additive Fertigungsanlage für großformatige Bauteile

Additive Verfahren sind heute fester Bestandteil moderner Produktionsprozesse. Sie werden von der Prototypenfertigung bis zur wirtschaftlichen Kleinserienproduktion in za...

Additive Fertigung Elektronenstrahlkanone Kreislauffähigkeit Kreislaufwirtschaft Magnetoptik Metallische Pulver Produktion Prozessstabilität Qualitätssicherung
Mehr erfahren
Prokuristin der Evosys Laser GmbH Marie Schafnitzl mit der Auszeichnung zum „Top-Innovator 2026“
08.02.2026

Evosys Laser GmbH erneut mit TOP 100-Siegel ausgezeichnet

Das Unternehmen wurde 2026 erneut mit dem TOP 100-Siegel ausgezeichnet und zählt damit zu den innovativsten mittelständischen Unternehmen Deutschlands.

Fertigung Forschung Innovationen Innovationspreis Kunststoffschweißen Laserstrahlschweißen
Mehr erfahren