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18.08.2021

Digitaler Produktpass: Wissen und Know-how schützen

Digitaler Produktpass: Wissen und Know-how schützen

Zu den Vorschlägen des EU-Parlaments für den „Digitalen Produktpass“ äußert sich der VDMA kritisch. Das Vorhaben braucht den Dialog mit der Industrie zur sinnvollen Ausgestaltung.

Der sogenannte „Digitale Produktpass“ (DPP) soll zukünftig Informationen über die Herkunft, die Zusammensetzung, die Reparatur- und Demontagemöglichkeiten sowie über die fachgerechte Entsorgung eines Produktes liefern. Der VDMA steht den umfassenden Forderungen zu einem Digitalen Produktpass, wie er aktuell vom EU-Parlament vorgeschlagen wird, kritisch gegenüber. „Der digitale Produktpass könnte eine Offenlegung von internen Unternehmensdaten und Technologie-Knowhow bedeuten, was Unternehmen an Innovationen hindern und im Wettbewerb benachteiligen könnte“, fürchtet Dr. Sarah Brückner, Leiterin der VDMA-Abteilung Technik, Umwelt und Nachhaltigkeit.

Das Vorhaben des „Digitalen Produktpasses“ entstammt dem „European Green Deal“ und dem „Circular Economy Action Plan“ der Europäischen Union. In beiden Strategiepapieren wird ein digitaler Produktpass als wesentliches Instrument für eine klimafreundliche und ressourceneffiziente Wirtschaft genannt. Ein konkreter Gesetzgebungsvorschlag der EU-Kommission ist für Ende des Jahres geplant. Auch auf nationaler Ebene in Deutschland wird der „Digitale Produktpass“ diskutiert und ist insbesondere in der umweltpolitischen Digitalagenda des Bundesumweltministeriums als zentrale Maßnahme genannt.

Kleine und mittlere Betriebe dürfen nicht belastet werden

„Unsere Sorge besteht darin, dass eine deutliche bürokratische Mehrbelastung geschaffen wird. Insbesondere für kleinere und mittelständische Unternehmen müssen machbare und bezahlbare Lösungen entwickelt werden“, mahnt Dr. Brückner. Der Zweck eines Digitalen Produktpasses muss von den politischen Entscheidungsträgern gemeinsam mit der Industrie in einem „Bottom-up“-Ansatz definiert werden. Dies sollte unter Berücksichtigung eingehender Studien zu den Inhalten des Passes und einer Folgenabschätzung von Kosten und Nutzen geschehen. Der DPP sollte in kleineren Anwendungsfeldern erprobt werden, bevor er weitreichende Anwendung findet.

Von zentraler Bedeutung ist die Bestimmung der geeigneten Klima- und Umweltparameter. Der Informationsgehalt des Produktpasses sollte nur notwendige Informationen enthalten, um gläserne Produkte zu vermeiden und den Aufwand in einem angemessenen Rahmen zu halten. Datenmanagement kostet. Branchenlösungen müssen möglich sein, um insbesondere Unterschiede bei Produkten und Informationsbedarf zu berücksichtigen und maßgeschneiderte Ausgestaltungen zulassen. „Ein One-Fits-all-Ansatz ist keine Lösung“, sagt Dr. Brückner. Voraussetzung ist zudem, dass die digitale Infrastruktur und einfach anwendbare digitale Lösungen bereitstehen – in den Unternehmen, aber auch bei den Kommunikationsdienstleistern und Behörden. „Der DPP sollte digital schlank bleiben“, fordert Dr. Sarah Brückner.

Maschinen- und Anlagenbauer sehen einen Mehrwert

Abschließend stellt sich die Frage, ob der Digitale Produktpass bei richtiger Ausgestaltung den Anforderungen des Marktes nach mehr Transparenz gerecht werden kann. „Wird ein Instrument geschaffen, das im Sinne der Klimaneutralität und der Kreislaufwirtschaft zentrale Informationen weitergibt, und gleichzeitig neue Geschäftsmodelle und Service-Leistungen ermöglicht, die Rückschlüsse und Lerneffekte für die Industrie erlauben, kann ein großer Mehrwert für den Maschinen- und Anlagenbau entstehen“, stellt Dr. Brückner fest.

(Quelle: Pressemitteilung des VDMA)

Schlagworte

AnlagenbauDigitaler ProduktpassDigitalisierungIndustrie 4.0MaschinenbauProdukte

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