Forschung
Zahnkranz - © IFUM, Hannover
27.12.2019

Innovatives Leichtbaukonzept im Fahrzeugbau für weniger Emissionen

Innovatives Leichtbaukonzept im Fahrzeugbau für weniger Emissionen

Autos sollen sicherer, komfortabler und leistungsfähiger werden. Mit diesen Ansprüchen steigen auch die Fahrzeuggewichte und der damit verbundene Kraftstoffverbrauch stetig an. Weniger Fahrzeuggewicht ist nicht nur im Hinblick auf steigende Kraftstoffverbrauche, sondern auch mit Blick auf die elektrisch betriebenen Fahrzeuge mit ihren schweren Akkus, eine effektive Maßnahme für mehr Effizienz. Bislang wird der Leichtbau vorwiegend im Karosseriebau umgesetzt. Im Bereich des Antriebsstranges kam es zu keiner vergleichbaren Gewichtseinsparung. Insbesondere Leichtbauideen, die mit einer Veränderung der Werkstoffe einhergehen, haben Konsequenzen für die Konstruktion und Fertigung. Dieser erhöhte Aufwand in der gesamten Prozesskette hielt die Konstrukteure bislang von der Umsetzung der Leichtbauansätze im Antriebsstrang ab.

Eine Lösung für das Problem haben jetzt drei Wissenschaftler im Rahmen eines vom AiF-Mitglied Forschungsvereinigung Stahlanwendung e.V. – FOSTA koordinierten Projekts der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) gefunden: Wirtschaftsingenieur M. Sc. Clemens Neipp von der RWTH Aachen University, Dr. Holger Surm vom Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien – IWT Bremen und Maschinenbauingenieur M. Sc. Christian Weber von der Technischen Universität (TU) München haben ein neues Werkstoffkonzept entwickelt, das für Bauteile im Antriebsstrang eingesetzt werden kann und dort zu einer Gewichtsreduzierung von bis zu 26 Prozent führt.

Die Entwicklung birgt aber noch mehr Potenzial: Neben der so genannten primären Gewichtsreduktion ist zusätzlich das Potenzial für eine sekundäre Gewichtsreduktion vorhanden, denn das neue Werkstoffkonzept eignet sich auch für weitere Komponenten im Antriebsstrang. Das Projekt war im November 2019 unter den letzten drei Finalisten bei der Wahl zum Otto von Guericke-Preis der AiF.

Geschmiedeter Zahnkranz - © IFUM, Hannover
Geschmiedeter Zahnkranz © IFUM, Hannover
Leichtbaupotenzial erkannt

„Studien zeigen, dass mehr als dreiviertel der Bauteile des Antriebsstrangs ein deutliches Leichtbaupotenzial besitzen. Mithilfe unseres neuen Werkstoffkonzeptes konnten wir dieses hohe Leichtbaupotenzial an einem konkreten Beispiel aufzeigen“, freut sich Surm. Neipp beschreibt das Vorgehen der Wissenschaftler: „Bei der Werkstoffentwicklung haben wir auf existierende Einsatz- und Vergütungsstähle aufgebaut, denn diese sind bereits in der Industrie bekannt. Das erleichtert den Firmen den Transfer der Ergebnisse in ihre industriellen Produktionsketten.“

Die Forscher haben die Stähle hinsichtlich ihrer Legierungszusammensetzung und ihrer thermochemischen Wärmebehandlung zielgerichtet verändert, erklärt Teammitglied Weber und betont, dass „der veränderte Einsatzstahl schon während der Projektphase ohne Modifikationen an den bestehenden Anlagen industriell hergestellt werden konnte.“

Neue Marktpotenziale durch die IGF

Für Dr. Winfried Gräfen von der Hannoveraner Hanomag Lohnhärterei liegt klar auf der Hand, wie wichtig die IGF für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) ist: „Die Projektergebnisse eröffnen uns ganz neue Markt- und Kundenpoteniziale. Als mittelständisches Unternehmen hätten wir uns derartige Forschungs- und Entwicklungsarbeiten ohne die Mitarbeit in der IGF weder personell noch finanziell leisten können“, fährt Gräfen fort; das Projekt zeige sehr anschaulich, „wie wichtig die IGF für KMU ist“. Die Hanomag Lohnhärterei war als Industriepartner im Projektbegleitenden Ausschuss an dem Projekt beteiligt.

Rainer Salomon, Geschäftsführer der FOSTA, stellt fest, dass die Ergebnisse des IGF-Projekts weit über die Entwicklung eines optimierten Einsatzstahles hinausgehen. „In Verbindung mit dem Innovationsnetzwerk Massiver Leichtbau konnten wir sehr gute Ansatzpunkte finden, um Innovationshemmnisse zu überwinden. Für mich ist dieses Projekt ein herausragendes Beispiel für anwendungsorientierte Forschung im vorwettbewerblichen Bereich für KMU“, so der Ingenieur.

Einen vierminütigen Film zum Projekt finden Sie hier.

Ansprechpartner zum Projekt:

Dr. Holger Surm, Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien – IWT Bremen,
Telefon: +49 421 218 - 51400
 
Rainer Salomon, Forschungsvereinigung Stahlanwendung e.V. – FOSTA,
Telefon: +49 211 6707-856
 
(Quelle: Presseinformation der AiF – Arbeitsgemeinschaft Industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V.)

Schlagworte

FahrzeugbauLeichtbauStahlWerkstoffe

Verwandte Artikel

19.10.2026

Neuerscheinung Merkblatt DVS 1712

Mit Ausgabedatum Oktober 2026 ist das Merkblatt DVS 1712 „Werkseigene Produktionskontrolle nach DIN EN 1090-1/-2 von repräsentativen Bauwerken, Tragwerken bzw. Bauteilen...

Bauteile DVS Merkblatt Produktionskontrolle Regelwerke Schweißnahtgüte Stahl
Mehr erfahren
Das Bild Pollenflug wurde mit dem 1. Platz in der Kategorie „Heitere Metallographie“ ausgezeichnet.
11.10.2026

Wenn Metall aussieht wie Pollenflug

Zwei wissenschaftliche Bilder aus der Werkstoffforschung der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) sind bei der 60. Metallographie-Tagung „Materialogr...

3D-Metallographie BAM Metall Metallographie Stahl Werkstoffe Werkstoffforschung Werktstofftechnik
Mehr erfahren
Jan Birkemeyer, Präsident Deutscher Stahlbau-Verband
08.10.2026

Deutscher Stahlbautag 2026 – Impulse für die Zukunft

Der Deutsche Stahlbautag brachte am 17. und 18. September 2026 in Bielefeld Fachleute aus Stahlbau, Planung, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Zwei Tage lang standen...

Digitalisierung Forschung Mittelstand Nachhaltigkeit Stahl Stahlbau Stahlbautag Transformation Wirtschaftstsandort Deutschland Wissenschaft
Mehr erfahren
05.10.2026

Neuerscheinung Merkblatt DVS 2902-1

Mit Ausgabedatum Oktober 2026 ist das Merkblatt DVS 2902-1 „Widerstandspunktschweißen von Stählen bis 3 mm Einzeldicke – Übersicht“ erschienen.

DVS Merkblatt Punktschweißen Regelwerk Schweißen Stahl Widerstandspunktschweißen
Mehr erfahren
Prof. Dr. Gernot Hochleitner hat seit April 2026 die Professur für ressourceneffiziente Produkt- und Prozessentwicklung an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena inne. Zuvor leitete er am SKZ die Forschungsgruppe thermische Fügetechnologien mit Schwerpunkt auf Kunststoffschweißverfahren und Direktfügen.
01.10.2026

Nachhaltige Kunststofffügetechnik an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Die Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH Jena) stärkt Forschung und Lehre rund um ressourceneffiziente Produktionsprozesse und nachhaltige Kunststofftechnik. Seit dem 1. April...

Fügen von Kunststoffen Joining Plastics JP Kunststoffe Kunststofffügen Leichtbau Nachhaltigkeit Polymere Produktionskreislauf Produktionsprozesse Ressourceneffizienz Rezyklate
Mehr erfahren