Kommentar
Dipl.-Ing. Jens Jerzembeck, Geschäftsführer der DVS Forschung - © DVS, Fotografie Neuhaus
26.02.2026

Klebtechnik für Hightech Agenda Deutschland unverzichtbar

„Wer industrielle Innovation, Nachhaltigkeit und technologische Souveränität ernst meint, muss Klebtechnik als Schlüsseltechnologie aktiv mitdenken. Wer dies nicht tut, gefährdet die Entwicklung des Industrie- und Technologiestandortes von morgen“, erklärt Jens Jerzembeck, Vorstand der AIF – Allianz für Industrie und Forschung e. V. und Geschäftsführer der Forschungsvereinigung Schweißen und verwandte Verfahren e. V. des DVS, kurz DVS Forschung. „Daher ist die explizite Benennung der Klebtechnik im Kontext nationaler Strategien wie der Hightech Agenda, der Industriestrategie und der Agenda Kreislaufwirtschaft erforderlich“, fordern Jerzembeck, Rainer Salomon von der AIF-Forschungsvereinigung Stahlanwendung e. V. (FOSTA), Prof. Dr. Rainer Marutzky vom iVTH - Internationaler Verein für Technische Holzfragen e. V. sowie Dr. Andreas Förster von der DECHEMA – Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e. V.

Seit über 25 Jahren tragen die vier Forschungsvereinigungen maßgeblich dazu bei, das Innovationsengagement von mittelständischen und Industrieunternehmen in diesem Bereich zu stärken. Sie gründeten den Gemeinschaftsausschuss Klebtechnik, der die angewandte Forschung national wie auch international prägt und voranbringt. In der aktuellen „Roadmap Klebtechnik 2035“ greift der Ausschuss neben etablierten Schwerpunkten wie Kommunikation und Ausbildung weitere zentrale Handlungsfelder auf: die Stärkung des öffentlichen Vertrauens in die Klebtechnik, die Förderung der Kreislaufwirtschaft, CO2-neutrale Klebverbindungen sowie prozesstechnische Entwicklungen hin zu einer adaptiven Klebtechnik. Unter dem Leitmotiv „kreislauffähig, prognostizierbar und adaptiv“ stehen in den nächsten 10 Jahren insbesondere Methoden der Prognose entlang der Prozesskette sowie der vernetzter Prognose-, Auslegungs- und Verarbeitungsprozess im Mittelpunkt der Klebtechnik-Forschung.

In enger Kooperation mit dem Industrieverband Klebstoffe e. V. (IVK) und der Fédération Européenne des Industries de Colles et Adhésifs (FEICA), dem International Committee for Certification of Adhesive Bonding Processes (ICCAP) und dem European Committee for Adhesive Bonding of Railway Vehicles (ECARV) sowie Universitäten, Hochschulen und angewandten F&E-Einrichtungen heben sie die Klebtechnik als Enabler für Schlüsseltechnologien hervor.

Branchenübergreifende Beispiele für die Klebtechnik

Kleb- und Fügetechniken werden in vielen Branchen eingesetzt. Von der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Elektronik und Mikroelektronik über Bauwesen, Architektur, Schienenfahrzeugbau, Windkraft, Verpackungsindustrie, Medizintechnik bis hin zur Holz- und Möbelindustrie. Chip-Packaging, die sichere Fixierung empfindlicher Bauteile, sowie gezielte Wärme- und Isolationseigenschaften von Halbleitern lassen sich ohne Klebtechnik nicht realisieren. Im Automobilbau ermöglichen Kleb- und Dichtstoffe einen crashsicheren Leichtbau und reduzierte Emissionen; im Schienenfahrzeugbau können sie zur Schwingungs- und Geräuschdämpfung beitragen. In Windkraftanlagen, Wasserstoffsystemen und stationären Speichertechnologien kommen hochbelastbare und lastübertragende Klebungen zum Einsatz.

Die Klebtechnik wird nicht nur für tragende, funktionale und sicherheitsrelevante Aufgaben eingesetzt, sondern leistet auch einen zentralen Beitrag in der Kreislaufwirtschaft. Beim Leichtbau mit der Klebtechnik stehen Aspekte wie Reparierbarkeit und Lebensdauerverlängerung, Ressourceneffizienz sowie funktionale Integration im Vordergrund. Darüber hinaus kann Klebtechnik auch eine saubere, energiesparende und nachhaltige Trennung von ganzen Bauteilen ermöglichen. In der Forschung werden hierfür unter anderem Verfahren wie das Einfrieren von geklebten Metallverbindunge untersucht, um sie zerstörungsfrei und ressourcenschonend für die Wiederverwendung zu trennen.

Die Klebtechnik ist damit ein wichtiger Baustein für Produktkonzepte im Sinne eines „circularity by design“.

Klebtechnik bedeutet technologische Souveränität, klimaneutrale Mobilität und industrielle Innovation

„Die Hightech Agenda Deutschland braucht Klebtechnik – nicht am Rand, sondern im Kern. Ohne die Schlüsseltechnologie Klebtechnik sind zentrale Ziele wie technologische Souveränität, klimaneutrale Mobilität, moderne Energieeinsparstruktur und industrielle Innovation kaum möglich“, erklärt AIF-Geschäftsführer Dr. Matthias Heider. Die AIF – Allianz für Industrie und Forschung ist das Forschungs- und Transfernetzwerk für Mittelstand und Industrie sowie Brückenbauer zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Unter ihrem Dach schließen sich industriegetragene Forschungsvereinigungen zusammen, die Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen repräsentieren und Gemeinschaftsforschung organisieren.

Dr. Matthias Heider - © AIF
Dr. Matthias Heider © AIF

„Die AIF sowie bedeutende wissenschaftliche Fachgremien, Industrieorganisationen, Hochschulen und Universitäten sowie Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen erklären die Klebtechnik seit Jahren eindeutig zur Zukunfts- und Schlüsseltechnologie für Transformation, Leichtbau und Nachhaltigkeit“, betont Heider abschließend.

Mehr zum Thema Klebtechnik erfahren? Die SCHWEISSEN UND SCHNEIDEN widmet sich in Ausgabe 3 schwerpunktmäßig der Klebtechnik. Die Fachzeitschrift erscheint am 5. März 2026. 

Mehr erfahren

(Quelle: DVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V./AIF Allianz für Industrie und Forschung)

Schlagworte

Adaptive KlebtechnikCO2-neutralDVSForschungsvereinigungenInnovationKlebenKlebtechnikLeichtbauSchlüsseltechnologien

Verwandte Artikel

Auch in diesem Jahr haben Branchenexperten aus Industrie und Forschung wieder die Möglichkeit, sich beim VDI-Kongress PIAE über aktuelle Kunststoffanwendungen im Automobilbereich zu informieren.
24.02.2026

VDI-Kongress PIAE mit neuem Veranstaltungsort

Seit über vier Jahrzehnten dreht sich beim VDI-Kongress PIAE (Plastics in Automotive Engineering) alles um Kunststoffe im Automobilbau – in diesem Jahr erstmals im Kongre...

Automobilbau Automotive Fertigungsprozesse Kunststoffe Leichtbau Recycling Werkstoffe
Mehr erfahren
Befestigungselement aus transparentem Kunststoff auf lichthärtendem DELO PHOTOBOND FB4151 – leichte und flammschutzkonforme Verbindungslösung für den Flugzeuginnenraum
23.02.2026

Befestigungslösung für Leichtbau im Flugzeuginnenraum

Böllhoff und DELO kombinieren das Onsert-Befestigungselement und den lichthärtenden Klebstoff DELO Photobond FB4151 für eine Befestigungslösung im Aerospace Interiors.

Aerospace Befestigungstechnik Flammschutz Flugzeuginnenraum Klebstoffe Leichtbau Verbundmaterialien
Mehr erfahren
07.02.2026

Abicor returns to SCHWEISSEN & SCHNEIDEN 2029 in Essen

Abicor will exhibit at SCHWEISSEN & SCHNEIDEN 2029 at Messe Essen. This underlines the company’s role as a driving force in welding and cutting technology and at the same...

Consumables DVS DVS e. V. DVS Group Event German Welding Society MAG MIG Orbital Welding Robots SCHWEISSEN & SCHNEIDEN Trade Fair Welding Welding Equipment Welding Fumes
Read more
06.02.2026

IIW 2026 Annual Assembly

Registration is now open for the 79th IIW Annual Assembly and International Conference on Welding and Joining, which will take place from July 12 through 17, 2026, in Sal...

Annual Assembly Austria DVS DVS e. V. German Welding Association IIW International Cooperation International Institute of Welding Joining Welding
Read more
04.02.2026

Neuigkeiten zur SCHWEISSEN & SCHNEIDEN 2029

Abicor Binzel wird 2029 wieder als Aussteller auf der SCHWEISSEN & SCHNEIDEN in der Messe Essen vertreten sein.

Beschichten DVS Fachmesse Fügen Future Hub Innovationen Messe Schweißen SCHWEISSEN & SCHNEIDEN Trennen Weltleitmesse
Mehr erfahren