Kommentar
DVS-Präsidentin Susanne Szczesny-Oßing (links) im Kurz-nachgefragt-Interview - © SLV Halle GmbH
16.01.2026

Interview mit DVS-Präsidentin Susanne Szczesny-Oßing

Sie verbindet unternehmerische Erfahrung mit technischer Expertise. Im Gespräch mit der SLV Halle GmbH berichtet DVS-Präsidentin Susanne Szczesny-Oßing über ihren beruflichen Weg, über Veränderungen in der fügetechnischen Branche und über zentrale Themen in der Verbandsarbeit. Ihr Schwerpunkt liegt auf Wissenstransfer, Vielfalt und einer klar zukunftsorientierten Weiterentwicklung der schweißtechnischen Gemeinschaft.

Was verbinden Sie persönlich mit der SLV Halle GmbH?

Susanne Szczesny-Oßing: Die Verbindung zur SLV Halle war für mich immer selbstverständlich. Durch die EWM gab es über viele Jahre enge Berührungspunkte, geprägt von gegenseitigem Vertrauen und der gemeinsamen Neugier, Neues auszuprobieren. Wir haben früh digitale Ansätze wie Virtual und Augmented Reality getestet. Unsere gemeinsame Zusammenarbeit an einem der ersten virtuellen Schweißtrainer steht beispielhaft für diese verlässliche Kooperation.

Welche Erfahrungen aus Ihrem Familienunternehmen prägen Ihre heutige Arbeit im Verband?

Ich bin in einer Unternehmerfamilie groß geworden, in der Verantwortung, Offenheit und Leidenschaft fester Bestandteil waren. Unser normales Leben und die Arbeit haben sich eng verquickt. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden haben wir als die EWM-Familie unsere EWM-Gruppe mit Enthusiasmus und Weitblick aufgestellt. Alle haben Eigeninitiative, Verantwortungsbewusstsein und Unternehmergeist eingebracht. Dieses vertrauensvolle Miteinander hat mich geprägt.

Ich durfte früh Verantwortung übernehmen und habe gelernt, Chancen zu erkennen und Risiken abzuwägen. Diese Praxis begleitet mich bis heute und hilft mir, überall und auch im Verband langfristig und strategisch zu denken.

Welche Entwicklungen haben Sie im Verband und in der Branche erlebt, seit Sie dem DVS beigetreten sind?

Als ich damals in den Vorstandsrat gewählt wurde, war die Schweißindustrie noch eine starke Männerdomäne – so auch der DVS. Ich war häufig die einzige Frau im Raum. Heute ist der DVS vielfältiger. Damit meine ich nicht nur mehr Frauen in den Gremien, sondern unterschiedliche berufliche Hintergründe, Altersgruppen und Sichtweisen. Menschen aus Industrie, Handwerk, Wissenschaft und Ausbildung bringen neue Perspektiven ein. Das stärkt die Ergebnisse.

Unterschiedliche Gedanken und echte Schwarmintelligenz helfen uns, die Herausforderungen in einer immer komplexer werdenden Welt und auch in unserer Branche zu lösen. Diesen Prozess möchte ich weiter beflügeln. Wer Leidenschaft für die Fügetechnik mitbringt, ist im DVS-Verband mehr als richtig und sehr willkommen.

Was macht Ihren Führungsstil aus und wie bringen Sie ihn im DVS ein?

Führung ist für mich vor allem eine Haltung. Ich trete in jeder Situation als dieselbe Person auf. Authentizität und Verbindlichkeit sind mir wichtig, ebenso Nähe und ein respektvoller Umgang. Wertschätzung für unterschiedliche Meinungen und ein gemeinsamer Blick nach vorn prägen meine Arbeit.

Zugleich verändert sich die Welt rasant. Digitalisierung, geopolitische Entwicklungen und neue Technologien erfordern neue Denkmodelle und Mut zu Reformen. Als Unternehmerin habe ich gelernt, disruptive Ansätze gezielt zu nutzen. Im Verband stellen wir uns täglich Fragen nach Wissenssicherung, Nachwuchsgewinnung und Zukunftsfähigkeit. Unsere Energie muss dort wirken, wo sie die größten Hebel schafft, ohne unsere Geschichte aus dem Blick zu verlieren.

Wie bleibt die Fügetechnik in Deutschland zukunftsfähig? Was können wir als Verbandsmitglieder tun?

Die SLV Halle zeigt, wie Zukunftsfähigkeit in unserer Branche entsteht. Die 35. Schweißtechnische Tagung brachte Expertinnen und Experten zusammen, förderte den fachlichen Austausch und setzte Impulse, die in den Alltag unserer Unternehmen wirken. Mit dem neuen DVS-Schaudepot am Standort Halle wird zugleich sichtbar, welche Erfahrungen unsere Gemeinschaft prägen und wie wichtig es ist, Herkunft und Weiterentwicklung zusammenzudenken.

Fügetechnik ist und bleibt eine zentrale Schlüsseltechnologie für viele Bereiche unseres Lebens. Sie prägt Infrastruktur und Brückenbau, trägt Verantwortung im Anlagen- und Kraftwerksbau, sichert Prozesse in der Chemie und eröffnet neue technologische Spielräume von der Automobilindustrie über den Schiffbau bis hin zur Raumfahrt. Überall wird geschweißt.

Damit sich dieses Wissen weiterentwickeln kann, brauchen wir offene Zusammenarbeit und die Bereitschaft, neue Ansätze auszuprobieren. Als Gastgeberin wichtiger Tagungen und als Patenunternehmen von Jugend forscht setzt die SLV Halle wesentliche Impulse für die Weiterentwicklung unserer Gemeinschaft. Die frühe Begeisterung junger Menschen für Technik ist ein Schlüssel dafür, den ich auch in meinen eigenen MINT-Projekten vorantreibe.

Wir danken Ihnen für das Gespräch und für Ihre Einblicke in die aktuellen Entwicklungen im Verband und die gemeinsamen Herausforderungen der Branche.

(Quelle: SLV Halle GmbH)

 

 

 

Schlagworte

DVSDVS-VerbandFügetechnikIndustrieJugend forschtMINTNachwuchsgewinnungSchweißenSchweißindustrieSchweißtechnikTechnologienVerbandsarbeit

Verwandte Artikel

Transparenz beim Schleifen – die CC-Grind View von Pferd Tools.
17.06.2026

Transparenz beim Schleifen

Beim Schleifen von Schweißnähten und Metalloberflächen ist die Bearbeitungsstelle häufig nur eingeschränkt sichtbar. Eine transparente Schleifscheibe soll Anwendern ermög...

Kontaktzone Metallbearbeitung Metalloberflächen Nacharbeit Prozesssicherheit Schleifbild Schleifen Schleifprozess Schleifscheibe Schweißnaht Schweißtechnik Transparenz Werkstück
Mehr erfahren
Unter dem Motto „Von Experten für Experten“ ist bei Air Liquide in Krefeld 2019 ein Kompetenzzentrum zum Schweißen und Schneidenentstanden.
Der Prakitker
16.06.2026

Zwischen Werkstofflabor und Schweißkabine

Der SchweisserCampus von Air Liquide in Krefeld versteht sich als Praxiszentrum für moderne Schweiß- und Schneidtechnik. Hier treffen Anwendungstechnik, DVS-zertifizierte...

Cobot Fertigungsprozess Fügen Fügetechnik Handlaserstrahlschweißen Laserstrahlschweißen Praxis Prozessführung Prozessparameter Prüfprobe Rauchentwicklung Schneiden Schneidtechnik Schutzgas Schweißen Schweißkabine Schweißnaht Schweißparameter Schweißrauch Schweißtechnik Schweißverbindungen Trennen Trenntechnik VR Wärmeeinbringung Werkstoffe Werkstofflabor Zusatzwerkstoffe
Mehr erfahren
15.06.2026

Schweißroboter schafft neue Produktionsmöglichkeiten

Die Hopf GmbH hat ihre Schweißfertigung mit einer automatisierten Schweißroboteranlage aus der ARCentre-XPERT-Reihe der Firma ERL GmbH erweitert.

Automatisierung Brennersysteme Drahtfördersystem MIG-/MAG Puls MIG/MAG-Schweißen Prozessicherheit Schweißen Schweißfertigung Schweißroboter Schweißstromquelle
Mehr erfahren
11.06.2026

Mehr Präzision und Fertigungstiefe im Anlagenbau

Um im internationalen Anlagenbau langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, hat die Kremsmüller Industrieanlagenbau KG ihre Schneidtechnologie modernisiert. Ein zentraler B...

Anlagenbau Autogenschneiden Behälterboden Brennschneidanlage Brennschneiden CNC-Schneidsysteme Fasenschnitt Fügen Metallverarbeitung Plasmatechnologie Rohrbearbeitung Rohre Rohrschneiden Schneiden Schneidtechnologien Schweißen
Mehr erfahren