Kommentar
Prof. Dr. Manfred Renner, Leiter des Fraunhofer Cluster Circular Plastics Economy CCPE. - © Fraunhofer CCPE/Mike Henning
08.09.2024

Kreislaufwirtschaft: Vernetzung und neue Geschäftsmodelle im Fokus

Die Zukunft der Kreislaufwirtschaft: Vernetzung und neue Geschäftsmodelle im Fokus

Welche Themen sind aktuell für die Kreislaufwirtschaft von Bedeutung? Prof. Dr. Manfred Renner, Leiter des Fraunhofer Cluster Circular Plastics Economy CCPE spricht über die aktuellen Herausforderungen und Chancen. Von notwendigen Leitplanken, wie der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, bis hin zur Bedeutung von Multi-Stakeholder-Kooperationen, wie der Circular Valley Convention im März 2025 in Düsseldorf.

Welche Themen sehen Sie akut für die Kreislaufwirtschaft, auch über die Kunststoffbranche hinaus?

Manfred Renner: Damit die Kreislaufwirtschaft flächendeckend in Fahrt kommt, sind andere Produktdesigns, Stichwort Eco-Design, Materialien und deren Kombination, Technologien sowie Anreize nötig. Ohne Leitplanken und auch Regulatorik wird es auch nicht gehen. Entscheidend wird jedoch sein, dass die Akteure in der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten – und zwar über einzelne direkt verbundene Stufen hinweg. Erst dann wird es gelingen, lineare Wertschöpfung zu krümmen und schließlich zu einem Wertschöpfungskreislauf zu transformieren. Dies gilt für alle Branchen und Schnittstellen.

Die Projekte im Fraunhofer CCPE nutzen diesen Multistakeholder-Ansatz bereits für die Kunststoffindustrie. Durch die Kombination von System-Know-how und Technologien entstehen so Lösungen für kleine und große Kreisläufe.

2. Dialogforum zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS). - © BMUV/Peter-Paul Weiler
2. Dialogforum zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS). © BMUV/Peter-Paul Weiler

Ein weiteres großes Thema ist die Beantwortung der Frage, wie der Konsum der Zukunft aussehen kann. Wie können Mehrwerte für die Konsumenten entstehen, die eine höhere Zufriedenheit bei gleichzeitig vermindertem Konsum schaffen. Antworten können der Konsum einer geringeren Anzahl von Produkten höherer Qualität sein oder die Nutzung von Produkten statt deren Kauf. Hierzu dient das Geschäftsmodell Product-Service-System. Dies wird zu weiteren neuen, innovativen Geschäftsmodellen führen. Auch damit beschäftigen wir uns im Fraunhofer CCPE intensiv.

Ist dieses Streben nach dem Multistakeholder-Ansatz auch der Grund für Ihre wissenschaftliche Begleitung an der Circular Valley Convention, die vom 12. bis 13. März 2024 in Düsseldorf stattfindet? Was erwarten Sie von diesem neuen Format?

Manfred Renner: Die Circular Valley Convention ist eine hervorragende Gelegenheit, mit allen Stakeholdern aus den verschiedenen Branchen zum Thema Kreislaufwirtschaft ins Gespräch zu kommen und neue Impulse zu setzen - nicht nur in Bezug auf Deutschland, sondern auch international. Zusammen mit der Messe Düsseldorf und der Circular Valley Stiftung erstellen wir gerade ein vielfältiges Konferenzprogramm, in dem das gesamte Spektrum zirkulärer Lösungen, Strategien und Geschäftsmodelle abgebildet wird. Erste Sprecher aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft konnten wir bereits gewinnen.

Begleitet wird die Konferenz von einer Messe und einer Abendveranstaltung. Diese bieten die Möglichkeit, vertiefender Gespräche und somit die Vernetzung nochmal intensiver voranzutreiben. Natürlich wird Fraunhofer CCPE vertreten sein.

Circular Valley Convention - Uniting Industries for a Circular Tomorrow, 12.-13. März 2025, Düsseldorf. - © Messe Düsseldorf
Circular Valley Convention - Uniting Industries for a Circular Tomorrow, 12.-13. März 2025, Düsseldorf. © Messe Düsseldorf
Sie haben gerade auch notwendige Regularien angesprochen. Beim 2. Dialogforum zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) mit Bundesumweltministerin Steffi Lemke haben Sie mitgewirkt. Wie zufrieden sind Sie mit dem Entwurf und was nehmen Sie daraus für sich mit?

Manfred Renner: Der offene Austausch über die Kreislaufwirtschaft mit den unterschiedlichen Vertreterinnen und Vertretern unter Leitung von Frau Lemke war äußerst informativ und anregend. Den Beteiligungsprozess zu diesem Entwurf kann ich nur begrüßen und hoffe sehr, dass dieser Dialog über die verschiedenen Gremien, Gewerkschaften, Ländern etc. weitergeführt wird.

Um die Leitziele, den Verbrauch von Rohstoffen zu verringern und Abfall zu vermeiden, zu erreichen, müssen sich nach meiner Auffassung auch Geschäftsmodelle der Unternehmen verändern. Ich empfehle, sich in diesem Prozess mit den R-Strategien der Circular Economy zu beschäftigen: Refuse, Rethink, Reduce, Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose, Recycle und Recover.

Wie wichtig die Vernetzung der einzelnen Stakeholder ist, wird durch die zwei weiteren Leitziele der NKWS nochmal bestätigt: Stoffkreisläufe schließen und Unabhängigkeit von Rohstoffimporten stärken. Hierzu braucht es ausgefeilte Technologien und intelligente Managementmethoden. Das bringe ich gern in die NKWS ein.

(Quelle: Presseinformation des Fraunhofer Cluster of Excellence Circular Plastics Economy CCPE)

Schlagworte

KreislaufwirtschaftKunststoffePlastik

Verwandte Artikel

DELO stellt ersten biobasierten Allround-Klebstoffe vor
09.07.2026

Biobasierter Allround-Klebstoff unterstützt Nachhaltigkeit

DELO hat einen Klebstoff entwickelt, der mehrheitlich aus biobasierten Anteilen besteht und technische Leistungsfähigkeit mit Nachhaltigkeit verbindet.

Automobilindustrie Flexibilität Fügen von Kunststoff Joining Plastics JP Kleben Kunststoffe Nachhaltigkeit
Mehr erfahren
HWT 250 MI
06.07.2026

Stumpfschweißen von Rohren, Segmenten und Formteilen

Mit der neuen Werkstattmaschinen HWT 250 MI und HWT 315 MI stellte Hürner Schweisstechnik jüngst zwei neue Maschinen für das Stumpschweißen von Rohren, Segmenten und Form...

Fügen von Kunststoffen Joining Plastics JP Kunststoffe Rohre Schweißen Stumpfschweißen
Mehr erfahren
Gemeinsam zu mehr Innovation: Für die rund 200 Teilnehmenden der Ultrasonic Tech Days stand der Austausch und die Zusammenarbeit im Vordergrund.
01.07.2026

Rückblick Ultrasonic Tech Days

Cybersecurity, Automatisierung: Die Ultrasonic Tech Days von Herrmann Ultraschall am 24. und 25. Juni fokussierten sich auf zentrale Herausforderungen moderner Unternehme...

Automatisierung Cybersicherheit Fügen von Kunststoffen Joining Plastics JP Kunststoffe Schweißen Ultraschallschweißen
Mehr erfahren
13.06.2026

Strategische Partnerschaft stärkt globale Fertigungstechnologien

Frimo Innovative Technologies und die Chango Group haben eine strategische globale Technologiepartnerschaft geschlossen.

Automatisierung Fertigungstechnologien Fügen von Kunststoffen Joining Plastics Kunststoffe Partnerschaft Schweißtechnologien
Mehr erfahren
Probenvorbereitung für ortsaufgelöste OIT-Messungen mittels Rotationsmikrotom.
08.06.2026

Zustandsbewertung von PE‑Gasrohren mit Kleinstproben

Das Kunststoff‑Zentrum SKZ hat gemeinsam mit Partnern aus der Gaswirtschaft ein neues Prüf‑ und Bewertungskonzept zur Zustandsbewertung erdverlegter Polyethylen‑Gasrohre...

Bewertung Fügen von Kunststoffen Gasrohre Joining Plastics JP Kunststoffe Polyethylen Rohre Zustandsbewertung
Mehr erfahren